Dschungelshow : Camp IV

RTL verschafft C-Promis mit der vierten Ausgabe der Dschungelshow "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ wieder einen Kurzzeit-Job.

Markus Ehrenberg
Siegel
Die Schauspielerin Giulia Siegel nimmt mit weiteren neun Kandidaten an der Show teil. -Foto: RTL

Manche Künstleragentur dürfte in den vergangenen Wochen eine Anfrage vom Privatsender RTL bekommen haben: Könnten Sie sich vorstellen, dass ein Herr Riewa, eine Frau Kiewel oder eine Frau Schreinemakers im Januar Zeit haben, für einen Fernseheinsatz im Dschungel? Das Ganze nicht ganz ungefährlich, aber vor einem Millionenpublikum und recht gut bezahlt? Die oben genannten Prominenten sind es nicht geworden, vielleicht beim nächsten Mal. Denn wie lange Moderatoren/Schauspieler/Models nicht mehr im großen Rampenlicht stehen, um Kandidat für die am Freitag startende Dschungelshow „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ zu werden, bleibt das Geheimnis dieser Produktionen. Mit der 77-jährigen Schauspielerin Ingrid van Bergen, der transsexuellen Sängerin Lorielle London (einst „Deutschland sucht den Superstar“-Kandidat Lorenzo), Ex-„Glücksrad“-Moderator Peter Bond oder dem vor allem von Münchner Boutiqueneröffnungen bekannten Model Giulia Siegel scheint den Kölnern für die vierte Staffel des Dschungelcamps aber immerhin noch eine ganz passable C-Auswahl an Prominenten gelungen.

Sicher ist: In Australien herrscht in diesen Tagen Ausnahmezustand an einem geheim gehaltenen Ort an der Gold Coast. Durch den Urwald werden Kabel gezogen, Kameras aufgebaut, Versorgungspfade angelegt. Gesucht wird der neue Dschungelkönig, der die Nachfolge von Costa Cordalis, Désirée Nick und Ross Antony aus den Vorjahren antreten soll. Als geheime Verschlusssache behandelte RTL bis zuletzt die Namen der zehn Kandidaten, die sich in einem Luxus hotel, zweieinhalb Stunden Fußmarsch vom Camp entfernt, befinden. Der Sender wollte die Namen der Prominenten ursprünglich erst am Donnerstag bekanntgeben. Doch die Boulevardpresse hatte in den vergangenen Wochen scheibchenweise Kenntnis von Teilnehmern erhalten, exklusiv berichtet und damit das öffentliche Interesse für die Ekel-Show geschürt, in der Ungeziefer und Reptilien zur Tagesordnung gehören.

Skandalisierung allerorten. Das auch von anderen Reality-Formaten bekannte Zusammenspiel von Boulevardpresse und Privatsender funktioniert. Im Camp mit dabei neben van Bergen, Lorenzo, Bond und Siegel: Schauspieler Günther Kaufmann (früher Star bei Fassbinder), Gundis Zambo (früher Moderatorin bei Sat1), Schauspieler Michael Meziani (früher Schauspieler im „Marienhof“), Wiens Societyfrau Christina Lugner, Norbert Schramm (früher Eiskunstlauf-Star) und Model Nico Schwanz. Es muss nicht sonderlich erwähnt werden: Bei ein paar Kandidaten handelt es sich um Personen, die akute finanzielle Probleme haben sollen. Das Dschungelcamp als eine Art mediales Hartz-IV.

Für RTL ist das der Aufgalopp ins neue TV-Jahr – die Werbeausbuchungen in der neuen Staffel sind ein wichtiger Indikator für den weiteren Verlauf 2009. Alle Branchen seien in der Sendung gut vertreten, da es sich um eine Comedy handele, so eine Sprecherin des RTL-Vermarkters IP Deutschland. Früher hatte es aus Industriezweigen Vorbehalte gegeben. Die Sprecherin bremst jedoch zu hoch gesteckte Erwartungen. „Bei der Show handelt es sich um eine Event-Programmierung, die nicht den üblichen Regularien unterworfen ist.“ Deswegen diene die Sendung nicht als Maßstab für das Werbejahr 2009, von dem Experten fürchten, es werde schwer unter der Rezession leiden.

Die Kandidaten müssen sich wie jedes Jahr diversen Prüfungen unterziehen, wie „Superstar“-Teilnehmer Daniel Küblböck, der im Kakerlakenbad wimmerte, Désirée Nick, die Känguruhoden zu sich nahm, oder Ex-Fußballstar Eike Immel, der mit Ex-Pornostar Gina Wild vertraut wurde. In der ersten Woche entscheiden die Zuschauer per Telefon-Abstimmung, wer sich solchen Prüfungen stellen muss. Ab dem siebten Tag fliegt täglich der Star mit den wenigsten Anrufen aus dem Camp - danach entscheiden die Kandidaten untereinander, wer die nächste Prüfung absolvieren muss.

Qualitätsfernsehen ist das weiterhin nicht. Am interessantesten in dieser Hinsicht vielleicht die selbstironischen Kommentare der Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach. Aber dafür könnte man auch ein witziges Buch lesen.

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, RTL, 22 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben