Medien : „Dschungelshow II“

Wie RTL Marktführer im deutschen Fernsehen bleiben will

Joachim Huber

RTL will „für jeden etwas“ bieten. Einzige Ausnahme: „RTL ist kein Intellektuellenfernsehen. Harald Schmidt würde nicht passen“, sagte Geschäftsführer Gerhard Zeiler am Dienstagabend in Berlin. RTL ist der Marktführer im deutschen Fernsehen, eine Position, die Zeiler unbedingt halten will, mit Innovationen und Investitionen, mit einer Mischung aus „alten“ und „neuen“ Formaten. Also dürfen sich die RTL-Zuschauer auf eine dritte Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ und auf die Fortsetzung der „Dschungelshow“ freuen. Beim Dschungel-TV könnte sich Zeiler den Herbst als Ausstrahlungstermin vorstellen, Änderungen sollten nur Details in den Prüfungen für die zehn Teilnehmer betreffen: „Es bleibt bei Australien, es bleibt bei den Moderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach. Ebenso werden Dieter Bohlen und Thomas Stein weiterhin in der Jury von DSDS sitzen.“ Klar ist damit, dass von RTL nicht die Fernseh-Revolution ausgehen wird, dafür wird umso schärfer überlegt, wie der Privatsender so viele Zuschauer wie möglich in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichen kann. Zum Beispiel: Auch RTL wird am späten Nachmittag das Format der „Crime Doku“ traktieren, was bei Sat 1 „Niedrig und Kuhnt – Kommissare ermitteln“ heißt. RTL läuft da der Konkurrenz hinterher und könnte – siehe Gerichtsshows – diese schlussendlich überholen.

Nun ist RTL längst nicht mehr nur ein Sender, sondern eine veritable Senderfamilie aus RTL, RTL 2, Vox, Super RTL. Das jüngste Engagement betrifft den Nachrichtensender n-tv, den Zeiler „eindeutig mit den Schwerpunkten Nachrichten und Wirtschaft“ positioniert sehen möchte. Auch durch den n-tv-Umzug von Berlin nach Köln ist der RTL-Chef optimistisch, dass „der Sender 2005 den Break-even schafft und 2006 in die Gewinnzone kommt“. Auch könnte sich Zeiler weiteren Zuwachs bei der Senderfamilie vorstellen. Das Musikfernsehen Viva, das würde ihm sehr gefallen, „ist aber zu teuer“. Der oft genannte Kaufpreis von rund 220 Millionen Euro ist nicht das, was Zeiler will: „ein Schnäppchen“. Allerdings gesteht er zu, dass n-tv ein solches nicht war, sondern allenfalls „relativ günstig“. Ein Sportkanal kommt für ihn nicht in Betracht, „da wir bei den Sportrechten viel zu sehr von den Veranstaltern abhängen würden“. RTL scheint mit seinem Event-Sport wie der Formel 1 zufrieden zu sein. Zeiler konnte beim Pressegespräch mit Zahlen belegen, dass Sat 1 an den Mittwochabenden mit Champions-League-Fußball just den Marktanteil von 19,4 Prozent erreicht, den RTL auch ohne Fußball erzielt. In einem Programmpunkt ist Sat 1 Vorbild für RTL: 2005 will RTL mit einem spektakulären Zweiteiler über die Hamburger Sturmflut 1962 prunken, wie ihn Sat 1 mit „Lengede“ schon im Programm hatte.

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