Dschungeltag VI : Dschungelcamp Ultra-Light

Das Dschungelcamp 2012 wird zur Ultra-Light Version. Markige Charaktere fehlen. Dramaturgie ist trotz Ekelprüfungen kaum vorhanden. Und trotzdem funktioniert das Prinzip der Show so gut wie nie.

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Dschungelmoderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach.
Dschungelmoderatoren Sonja Zietlow und Dirk Bach.Foto: dpa

Na bitte! Jetzt gibt es auch ein Liebespärchen im Dschungel. Das hat der Sendung „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ in diesem Jahr noch gefehlt. Eine Exhibitionistin hat sich schon präsentiert, und macht es munter weiter. Ekel haben wir gesehen - und Zicken sowieso. Nun aber flirten da zwei und knutschen sich.

Es ist das aufregendste, was der Dschungel an diesem Mittwoch zu bieten hat – den ganzen Tag lang schon hatte RTL mit dieser netten Geschichte für die Ausstrahlung am Abend geworben. Dass es am Ende lediglich vorsichtige Berührungen sind und maximal zarte Busserl, die sich ein Rocco und eine Kim austauschen, wen interessiert das schon.

Das Dschungelcamp funktioniert auch so. Es funktioniert, und das war vielleicht noch nie so deutlich wie in der Auflage 2012, weil es sich ein Stück weit unabhängig gemacht hat von den Insassen, den Mitspielern. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass jeden Abend zuverlässig sechs Millionen Menschen einschalten, obwohl die Typen diesmal vergleichsweise unspektakulär sind? Die richtig markigen Charaktere fehlen und -  damit irgendwie verbunden – auch die Dramaturgie.

Ramona Leiß ist keine richtige Zicke, Daniel Lopes kein echter Softie, Micaela Schäfer ist nur äußerlich hemmungslos. Und Rocco und Kim sind auch nur die Ultra-Light-Version eines Liebespaars. Nicht mal bei den täglichen Prüfungen zaudert jemand oder muckt auf. Schockieren oder aufregen kann es wohl kaum, dass Wonneproppen Ailton („Ailton emotional, Ailton stark“) sich von einer offensichtlich ekelbefreiten Frau Leiß in einen schmutzigen See befördern lässt und Vincent Raven („Toblerone-Taliban“) in aller Ruhe und Trance Schweinsperma trinkt.

Dschungelcamp 2012 - das sind die Kandidaten
Sonja Zietlows und Dirk Bachs Gagschreiber haben bestimmt eine Menge Spaß in der Kantine.Weitere Bilder anzeigen
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13.01.2012 12:07Sonja Zietlows und Dirk Bachs Gagschreiber haben bestimmt eine Menge Spaß in der Kantine.

Dass dieser Dschungel dennoch unterhält, liegt an der Aufbereitung des Senders und auch daran, dass dieser seine Show selbst nicht ernst nimmt, wie die Moderatoren permanent suggerieren.  Die  Selbstreflexion, das Verarschen der Kandidaten („DD-Promis, die Kohle brauchen oder neue Aufmerksamkeit. Meistens beides“/ „Ailton hält Interpunktion für ein chinesisches Heilmittel“)  und die raffiniert bis scharfe Anbindung des eher primitiven Geschehens an aktuelle, brisante Ereignisse, sind einfache Stilmittel - aber dennoch ab und zu gelungen. Bekommt die Frau, die den ganzen Tag nackt rumrennt, wegen der handwerklichen Pannen an ihrem aufgemotzten Busen vielleicht bald „einen Anruf aus Frankreich“? 

Angefangen als Schock-, Ekel- und Voyeursendung bewegt sich „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ inzwischen irgendwo zwischen Klamauk und Kabarett. Natürlich handelt es weiterhin um seichte Unterhaltung, natürlich gehört es in die Kategorie Trivialfernsehen. Wenn aber jetzt einer richtig aus sich rauskommt, wenn Martin Kesici am Donnerstagabend vielleicht wirklich seine Prüfung verweigert („habe ick uff den Scheiß keenen Bock, dann mach ick dit nich“) oder jemand austickt wie einst Mathieu Carriere oder Sarah Dingens, meinetwegen auch, wenn aus dem Teenie-Flirt eine schön-schmierige Liebelei würde, dann funktioniert es nicht mehr nur. Dann könnte das Dschungelcamp sogar Spaß bringen.

Also bitte, RTL,  los geht’s!                  

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