DSDS : Herr Dieterbohlen schimpft wieder

Zum Start der neuen Staffel: Im Prinzip ist es egal, welche Sendung man beim Freak-Sender RTL ansieht. Nur leider muss man sich bei DSDS auch noch das Gesinge anhören. Eine Fernsehkritik von Matthias Kalle.

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Dieter Bohlen und seine sogenannte Jury. -Foto: dpa

Vor kurzem, so um den Jahreswechsel, konnte man hier und da lesen, dass das vergangene Jahrzehnt das Jahrzehnt der Castingshows gewesen sei, zumindest was das Fernsehen anginge. Hä? Das ist natürlich haltloser Unsinn und genau so richtig oder falsch wie die Behauptung, es sei das Jahrzehnt der großartigen US-TV-Serien gewesen. Ähnlich dumm ist der Hinweis, was alles nicht aus den Gewinnern der vergangenen Staffeln von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) geworden sei – nämlich Superstars. Fernsehkritiker, die das allen Ernstes anführen als Beweis gegen die Sendung, sind damit ähnlich schlau wie all die jungen Menschen, die immer noch bei dieser Show mitmachen. Zur Erinnerung: Das ist Fernsehen. Unterhaltung für den, der zuschaut. Verdienstmöglichkeit für den, der es anbietet. Mehr nicht. Oder ist es sogar weniger?

Mittwochabend begann bei RTL die neue Staffel von "DSDS", an deren Ende also kein Superstar gefunden sein wird – aber wurde der Zuschauer am Anfang wenigstens gut unterhalten? Ging so. Eher nicht. Die Sendung war einfach zu schlecht, von dieser Stelle: dreimal nein. Das ging schon damit los, dass es überhaupt nicht los ging, um viertel nach acht begann ein vierminütiger Trailer, nicht aber die Sendung. In diesem Trailer wurde auch die so genannte Jury vorgestellt – als ob es eine Jury geben würde. Es gibt diesen Typ und dieses Mädchen, die außer Sitzen keine Funktion haben. Und es gibt Herrn Dieterbohlen. Herr Dieterbohlen ist jetzt der offizielle Name des Mannes, der als Dieter Bohlen mal Musikproduzent war und sich jetzt im Fernsehen von allen Herr Dieterbohlen nennen lässt.

Aber Herr Dieterbohlen kann diese Sendung nicht alleine tragen. Es braucht noch ein paar ausgeflippte Typen, und den Anfang machte ein 22-Jähriger, der noch nie Sex hatte und im Vorgespräch seinen Wunsch äußert, mit dem einen Mädchen aus der so genannten Jury zu schlafen. Es gibt übrigens eh nur zwei Sorten von Männern, die bei "DSDS" mitmachen: Die, die noch nie Sex hatten, und die, die Kinder haben und für die sorgen wollen, in dem sie mit dem, was sie für Musik halten, Geld verdienen. Und es gibt eine Sorte Frauen: Die, die sich durch das Singen „Emanzipation“ versprechen. Oder „Selbstständigkeit“. Mindestens aber „Respekt“. Und so ist es im Prinzip egal, welche Sendung man im Freak-Sender RTL zurzeit anschaut – sie sind alle gleich, es geht immer um das Gleiche. Bei DSDS muss man sich leider nur auch noch dieses Gesinge anhören.

Aber damit es auch im kommenden Jahr eine neue Staffel von "DSDS" geben wird, hat sich RTL übrigens etwas ganz Perfides einfallen lassen: im Anschluss zeigen die jetzt mittwochs immer „Die Ausreißer“. Das ist diese Sendung, in der ein gemütlicher Dicker Jugendliche mit gefärbten Haaren langsam wieder an ihre Eltern heranführt, damit die nicht auf der Straße enden, im Dreck, in der Prostitution, mit einer Spritze im Arm. Die wahre Botschaft versteht nur, wer beides hintereinander schaut. Die Botschaft lautet: „Mach lieber bei DSDS mit. Da kann es zwar passieren, dass du von Herrn Dieterbohlen beschimpft wirst – aber das ist doch immer noch besser, als wenn du dir von dem gemütlichen Dicken helfen lassen musst.“

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