DSDS im Internet : Fans im Visier

RTL will Webseite DSDS-News.de sperren lassen.

Sonja Pohlmann

Nicht nur die Kandidaten beäugen sich bei „Deutschland sucht den Superstar“ kritisch – auch RTL selbst prüft seine Wettbewerber sehr genau. Ins Visier des Senders ist jetzt eine Fanseite geraten: DSDS-News.de heißt sie und wurde 2006 von Philipp Klöckner gegründet.

Fast täglich sind hier neue Berichte über die Castingshow und ihre Kandidaten zu lesen, wenn eine aktuelle Staffel läuft. Bis zu 40 000 Besucher informieren sich dann auf der Seite nach Klöckners Angaben pro Tag. Doch zurzeit bekommen die Fans keine Neuigkeiten zu lesen. Klöckner, 28, muss vorerst in eigener Sache berichten: RTL will die Seite DSDS-News in ihrer bisherigen Form nicht weiter dulden. Es sind nicht die unabhängigen Berichte, die den Privatsender stören, sondern die Werbebanner auf der Seite sowie die von Klöckner eingebaute Suchmaschinenoptimierung mit dem geschützten Markenamen „DSDS“. „Eindeutige Hinweise dafür, dass die Seite vor allem kommerziellen Zwecken dient und nur eine Pseudo-Fanseite ist“, sagte Thomas Bodemer, Sprecher von RTL interactive. Der Sender sieht deshalb seine Markenrechte an „DSDS“ verletzt und forderte Klöckner am 11. März auf, die Domain DSDS-News.de umgehend zu löschen, sowie sämtliche andere auf ihn registrierte oder von ihm als Administrator verwaltete Internet-Domains, die sich begrifflich an die Marke „DSDS“ anlehnen, offenzulegen und auf die RTL-Television GmbH zu übertragen. Schon vor einiger Zeit hatte der Sender durchgesetzt, dass das offizielle „DSDS“-Logo nicht mehr auf der Seite verwendet wird.

Doch jetzt scheint „die Gier zu siegen“, schreibt Klöckner empört auf seiner Seite. Dass er die Seite aus kommerziellen Zwecken betreibt, streitet er ab. Die Werbung diene allein der Gegenfinanzierung. Nur im Monat des „DSDS“-Finales verdiene er etwa 1000 Euro monatlich mit DSDS-News, läuft die Show nicht im Fernsehen, seien es lediglich um die 100 Euro. Ganzjährig würden jedoch für den Server monatliche Kosten von 200 Euro anfallen, zudem bezahle er zwei freie Autoren, die Texte für DSDS-News.de schreiben. Die Suchmaschinenoptimierung sei entgegen der Behauptung von RTL kein Hinweis auf die kommerzielle Nutzung, sondern ein normales Instrument, das auch andere private Blogger nutzen würden.

Auch nach Ansicht von Klöckners Anwalt Alexander von Kalckreuth werden die Markenrechte von RTL nicht verletzt. Der Begriff „DSDS“ müsse, was markenrechtlich zulässig sei, als Beschreibung zentral vorkommen, damit Fans die Seite überhaupt als „DSDS“-Fanseite zuordnen könnten. Durch den Zusatz „News“ und den Hinweis „inoffizielle News- und Fanseite“ werde deutlich, dass es sich um ein Informationsportal zur Sendung handele, die nicht vom Sender- oder Markenrechtsinhaber betrieben wird. „Weil das Portal einen redaktionellen Schwerpunkt hat, ist es zudem durch die Pressefreiheit geschützt und muss sich refinanzieren können“, sagte Internetrechtsexperte Kalckreuth. Die von RTL geforderte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung unterschrieb Klöckner deshalb nicht. Auch wird er wohl nicht auf das neue Angebot des Senders vom Ende vergangener Woche eingehen, die Seite weiterbetreiben zu dürfen, wenn er keine Werbung mehr auf die Seite stellt.

RTL interactive wird vermutlich Klage gegen Klöckner einreichen. Sollte es zum Rechtsstreit vor Gericht kommen, könnte eine generelle Leitline für Fanseiten herauskommen. Denn auch zu „Popstars“ und „Germany’s Next Topmodel“ gibt es solche Seiten. Sonja Pohlmann

www.dsds-news.de

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