''DSDS'' : Männer wollen nur eins: singen

Ballermann mit Dieter Bohlen im Vorspiel, Künstlerstreit im Finale: "Deutschland sucht den Superstar" ist reifer geworden.

Frederik Hanssen
DSDS Foto: dpa
Beat oder Ballade? Thomas Godoj (li.) und Fady Maalouf singen um den Sieg der RTL-Castingshow. -Foto: dpa

Warum bei „Deutschland sucht den Superstar“ fast immer Männer gewinnen? Lisa Bund, Finalistin im vergangenen Jahr, hat sich da ihre Theorie zurechtgelegt: „Mädchen bekommen zu Hause Gefühle, rufen wie wild für die Jungs an. Da hast Du als Frau keine Chance.“ Wahrscheinlich hat die 19-jährige Dessous-Verkäuferin, die sich nach ihrem „DSDS“-Flop als Playboy-Häschen und Dschungel-Camperin versucht hat, sogar Recht. RTL jedenfalls nimmt diese Konkurrenzverzerrung durch weibliche Telefonitis billigend in Kauf, schließlich finanziert der Privatsender seine Castingshow über die Zuschauerbeteiligung: Jeder Anruf für einen der einen Kandidaten kostet 49 Cent. Schätzungsweise 12,5 Millionen Euro sollen pro Staffel durch das Voting zusammenkommen.

So gesehen war der Sieg von Elli Erl in der zweiten Staffel 2004 eine doppelte Ausnahme. Die bebrillte Rothaarige ist kaum der Typ Frau, für den verliebte Jungs zum Handy greifen. Was wiederum für ihre sängerischen Qualitäten spricht. Alexander Klaws, Tobias Regner und Mark Medlock, die anderen drei RTL-Superstars, waren da jedenfalls sehr viel telegener. Und auch das Finale der fünften Staffel werden am heutigen Samstag zwei attraktive Herren untereinander ausmachen: Poprocker Thomas Godoj, ein 30-jähriger, arbeitsloser Technischer Zeichner mit polnischen Wurzeln, und Fady Maalouf, 29 Jahre und LibanonFlüchtling, mit sehnsüchtigen dunklen Augen und ebensolcher Stimme. Beats versus Balladen lautet der Wettbewerb.

Showdown im Migrantenstadl: So ethnisch bunt gemischt wie diesmal war die Finalisten-Truppe bei „DSDS“ noch nie. Und so gut auch nicht. Die erst 16-jährige Linda Teodosiu, die am vergangenen Wochenende als Bronzemedaillengewinnerin rausflog, eine außergewöhnliche Soul-Begabung, Fady ein begnadeter Schnulzeninterpret und Thomas ein reifer, stilistisch vielseitiger Künstler. Noch keine Staffel war so zwitterig wie diese, keine zerfiel so extrem in zwei Teile. In das „Ballermann“-Vorspiel einerseits, bei dem über mehrere Sendungen der steinige Weg nachgezeichnet wird, den die Jury gehen muss, um aus 30 000 Popstar-Prätendenten zehn Finalisten herauszusieben. Und in die „Kür“ der Motto-Shows andererseits, wenn die Besten dann richtig hart an ihrer künstlerischen Performance arbeiten lernen.

Für das Schaulaufen der Selbstüberschätzer ist ein verbaler Raufbold wie Dieter Bohlen Gold wert. Auch die Superstar-Versionen in den USA und Großbritannien haben mit Simon Cowell einen Juror, der gerne krasse Sprüche klopft und die Teilnehmer beleidigt. Bohlens Pöbeleien („Wenn du singst, kommen die Kartoffeln freiwillig aus dem Keller“) machen das Defilée der stimmlosen Busenwunder, überstylten Soulwinsler und verklemmt klampfenden Krächzknilche überhaupt erst erträglich. Sonst bliebe der Fernsehgemeinde nur das kollektive Fremdschämen.

In den Finalrunden aber fängt die Zotigkeit des Popgiganten schnell an zu nerven. Die Mottoshows sind, wenn man sie ernst nimmt, ein Workshop für echte Talente, im Idealfall eine Messe der Meister von Morgen. Woche für Woche müssen sich die Kandidaten neue Songs draufschaffen, Texte büffeln, für die Samstagabend-Shows proben. Und in jeder Runde gilt es mehr zu leisten. Thomas Godoj und Fady Maalouf werden heute im Finale neben Sinatras „My Way“ als Duett jeweils drei Soloauftritte präsentieren, mit zwei Pop-Klassikern und einem neu für sie komponierten Song, der parallel gleich als Single im Studio produziert worden ist, damit der Sieger bereits am 23. Mai mit einer CD auf den Markt kommen kann.

Die beiden potenziellen Hits für die Finalisten stammen übrigens diesmal nicht aus der Feder von Dieter Bohlen. RTL will offensichtlich die Überpräsenz des Pop-Titanen ein wenig eindämmen. Dem könnte das sogar gelegen kommen, denn mit Mark Medlock, dem Gewinner 2007, ist ihm bereits sein Meisterstück gelungen: Er machte aus dem Hessisch babbelnden Clown nicht nur einen Bohlen-Klon, sondern einen echten Boliden. Eine Million CDs hat Medlock bereits verkauft, mit seiner neuen Single „Summer Love“ kickte er Madonna in dieser Woche gar von Platz 1 der Charts. Kein leichter Gegner für denjenigen, der heute zum fünften deutschen „Superstar“ ausgerufen wird.

„Deutschland sucht den Superstar – Das große Finale“, RTL, 20 Uhr 15

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