Medien : DSL – worauf es ankommt

Schneller Surfen, mehr Telefonieren: Die Anbieter überschlagen sich mit Kombi-Angeboten

Kai Kolwitz

Die Angebote klingen verlockend, mit denen sich Internetprovider wie Arcor, Strato oder Alice gegenseitig unterbieten: Unbegrenztes Internetsurfen via DSL-Flatrate, dazu Telefonieren ins deutsche oder sogar europaweite Festnetz – und das zu einem Pauschalpreis von teils unter 50 Euro im Monat, ohne zusätzliche Gesprächsgebühren. Viele dürften angesichts solcher Angebote darüber nachdenken, den Internetanbieter zu wechseln. Allerdings ist es oft nicht einfach, den alten DSL-Vertrag einfach so loszuwerden. Manchmal ist es sogar komplett unmöglich. Folgende Punkte sollten Interessenten berücksichtigen – am besten, bevor ein Vertrag mit einem Internetanbieter abgeschlossen wird.

VERTRÄGE UND UMZUG

Bei vielen attraktiven Angeboten muss sich der Kunde für zwei Jahre an den Anbieter binden. Innerhalb dieser Frist ist es kaum möglich, aus dem Vertrag herauszukommen. Nicht, um zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln – auch dann nicht, wenn zum Beispiel ein Umzug in eine Wohnung ansteht, in der technisch kein DSL möglich ist. „So etwas liegt in der eigenen Risikosphäre des Kunden“, erläutert Bernd Ruschinzik, Rechtsanwalt bei der Berliner Verbraucherzentrale. Zwar gibt es Anbieter, die in solchen Fällen aus Kulanz Verträge vorzeitig beenden – einen Rechtsanspruch darauf hat man allerdings nicht. Daher sollte man sich vor Abschluss eines Vertrages mit einer langen Laufzeit überlegen, ob man seine persönliche Zukunft so weit überblicken kann. Auch günstigere Tarife oder neue Services – etwa Fernsehen via Internet, das bei immer mehr Anbietern ins Angebot kommt – sind kein Argument für eine Kündigung. Allerdings erlauben es Provider oft, innerhalb der Vertragslaufzeit in einen anderen Tarif zu wechseln. Auch das sollte man klären, bevor man unterschreibt.

WIE VIEL LEISTUNG STEHT MIR ZU?

Netzausfälle oder geringere Übertragungsraten als in der Werbung zugesichert sind für viele Kunden Grund für den Versuch einer fristlosen Kündigung. Allerdings funktioniert auch das nicht so einfach. Denn hier lauert die Tücke im Kleingedruckten: „Die Provider sichern in der Regel in ihren allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Verfügbarkeit von zum Beispiel 97 Prozent zu. Auf das Jahr gerechnet, bedeutet das, dass der Kunde es hinnehmen muss, wenn das Netz an elf Tagen nicht funktioniert“, so der Anwalt. Erst wenn die Zahl überschritten wird, hat der Anbieter sein Versprechen nicht erfüllt, „auch dann muss der Kunde den Provider zunächst abmahnen, bevor er kündigen kann“. Das gilt auch, wenn das Netz zu langsam für die gebuchte Bandbreite läuft. Hinzu kommt, dass langsamer Seitenaufbau mehrere Ursachen haben kann und es schwer zu beweisen ist, dass das Verschulden beim Provider liegt. Zudem werden Bandbreiten im Kleingedruckten gern mit dem Zusatz „bis zu“ versehen. Wer sicher gehen will, sollte im Netz nach den Berichten anderer Kunden des Providers suchen – häufen sich die Beschwerden, dann sollte man eventuell einen anderen Anbieter ins Auge fassen.

WIDERRUFSRECHT

DSL-Zugänge werden von manchen Anbietern mit aggressiven Methoden an den Mann gebracht. Hier gilt: Verträge, die an der Haustür oder auf öffentlich zugänglichen Wegen abgeschlossen werden, können 14 Tage lang widerrufen werden. Allerdings gilt das nicht für die beliebten Werbestände in Elektronikmärkten oder Geschäften. Hier ist die Regel: Was unterschrieben ist, das gilt. Nur dann, wenn der Verkäufer falsche Versprechungen gemacht hat, etwa versprochen hat, den Vertrag jederzeit rückgängig machen zu können, hat der Kunde eine Chance. Allerdings muss er das beweisen können – etwa durch die Aussage eines Zeugen, der beim Abschluss dabei war. Und selbst das kostet Zeit und Nerven. „Deshalb sollte man nichts sofort unterschreiben, sondern sich das Formular mitgeben lassen, um Einzelheiten prüfen zu können“, rät Verbraucherschützer Ruschinzik. Versucht der Verkäufer Druck auszuüben, etwa dadurch, dass er behauptet, das Angebot gelte nur bei sofortigem Abschluss – dann sollte man generell die Finger von dem Vertrag lassen.

TEURER KUNDENSERVICE

Inzwischen ist es fast die Regel, dass Kunden eines Providers zur Kasse gebeten werden, wenn sie die Hotline nutzen. Daher sollte man vor Vertragsabschluss ein Auge darauf haben, welche Gebühren für den Anruf anfallen – sonst schlägt selbst eine Reklamation aufs Portemonnaie. In der Qualität des Kundendienstes gibt es große Unterschiede. Auch hier lohnt sich ein Blick ins Internet, was andere Kunden des Anbieters dazu sagen. Wird im Vergleich zu anderen Anbietern der Service öfters moniert, empfiehlt sich die Auswahl eines anderen Providers.

KOMBI-PAKETE

Surfen, Telefonieren und Sparen bei verschiedenen Anbietern – bei Strato für 39,75 Euro im Monat (darin schneller DSL-Netzanschluss von 16000 Kbit/s, DSL-Flatrate, das heißt unbegrenztes Surfen sowie Telefonflatrate für alle Festnetzgespräche in Deutschland), Mindestlaufzeit: 24 Monate. Alice bietet ein Paket mit bis zu 2000 Kbit/s für 44,90 Euro an (Vorteil: keine Mindestvertragslaufzeit), Arcor-DSL 6000 für 39,85 Euro (Mindestlaufzeit: 24 Monate), 1+1 mit schnellem Internet-Anschluss für rund 35 Euro. Hardware gibt es gratis. Wichtig bei all den Angeboten: Ausgenommen sind Gespräche ins Ausland, Mobilfunknetz, Sonderrufnummern. Und: Der Telefonanschluss kostet extra, außer bei T-Com. Einen T–DSL-2000-Anschluss gibt es dort für 45,89 Euro, allerdings nur in den ersten 12 Monaten, danach 55,84 Euro.

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