Medien : Duell, Dreikampf, Sechskampf

Das Interesse am Wahl-TV bleibt mäßig – das Fernsehen sendet trotzdem

Nicole Diekmann,Joachim Huber

Das TV-Duell Schröder vs. Merkel hatte eine sagenhafte WM-Final-Quote von 21 Millionen Zuschauern. Trotzdem bleibt das Interesse der Zuschauer an Wahlkampf-Sendungen mäßig. Der „ARD Wahl Check 05“ am Dienstagabend wurde von 2,53 Millionen Menschen gesehen, die Konkurrenz der Serien wie „CSI: Miami“ bei RTL oder die Fortsetzung der ZDF-Dokumentation „Goodbye DDR“ lagen deutlich besser. Der kurze Wahlkampf führt auch dazu, dass sich die Politiker die Studiotürklinken in die Hand geben, und unwillkürlich fragt sich der Zuschauer, ob da draußen im Lande überhaupt noch einer wahlkämpft. Zudem scheinen die Argumente getauscht – das Wahl-Fernsehen wiederholt sich. Die Zuschauer und Wähler haben das bemerkt und andere TV-Prioritäten.

Das muss so nicht bleiben. Die Programmmacher bauen in der Endphase des Wahlkampfs verstärkt auf Duell-Formate, auf das direkte, funkensprühende Aufeinandertreffen der Spitzenkandidaten. Das ZDF ruft am heutigen Donnerstag um 21 Uhr den „Dreikampf“ aus: In „Berlin Mitte“ begegnen sich Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen), FDP-Chef Guido Westerwelle und Oskar Lafontaine von der Linkspartei. Maybrit Illner moderiert.

Die ARD ist stolz auf den „Sechskampf“ am Montag. An der Diskussion ab 21 Uhr 05 und, wenn man so will, dem nächsten Duell zwischen Schröder und Merkel nehmen wieder Westerwelle und Fischer, zudem CSU-Chef Edmund Stoiber und Gregor Gysi teil. Die Formel für die Besetzung der TV-Runde, für die der Mitteldeutsche Rundfunk verantwortlich ist, geht so: Spitzenpolitiker der im Bundestag vertretenen Parteien. Mit diesem Argument hat der MDR den Wunsch der Linkspartei abgeschmettert, statt Gregor Gysi Oskar Lafontaine in die Debatte zu schicken. Ein Austausch von Gysi – dem anderen Spitzenkandidaten der in Linkspartie umbenannten PDS – durch WASG-Mitglied Lafontaine sei nicht möglich, sagte MDR-Sprecher Eric Markuse. Dahätte bestimmt auch die SPD, namentlich der Kanzler, etwas dagegen, dass der frühere SPD-Chef Lafontaine auch nur in die Nähe von Schröder kommt. Außerdem könnte Lafontaines Auftritt anderen Gästen die Türen zum MDR öffnen: Kurz vor der Ausstrahlung der Sendung „Ostgipfel“ am vergangenen Montag konnte der MDR den Auftritt eines Vertretes der NPD verhindern. Die Partei hatte diesen einklagen wollen, doch das Leipziger Landgericht erkannte das Argument des Senders an, das Konzept der Sendung verbiete die NPD-Teilnahme: Stattfinden sollte eine Diskussion zwischen Abgeordneten des Bundestages, dem die NPD nicht angehört. „Herr Lafontaine besitzt auch kein Bundestagsmandat. Hätten wir nun am kommenden Montag ihn anstelle von Herrn Gysi eingeladen, hätte sich die NPD beim nächsten Mal vermutlich erfolgreich in eine Sendung klagen können“, sagte der MDR-Sprecher.

Das Fernsehen arbeitet verdrossen an der Vollendung des lieb gewonnenen Duell-Formates. Mehrere Chefredakteure ruhen nicht, um die Paarung Schröder vs. Lafontaine noch vor dem 18. September ins Bild zu setzen. Aussichten: gering.

Wie stets vor einer Wahlentscheidung steigt da wie dort die Nervosität. Ein Wahlwerbespot der „Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands“ (APPD), in dem sexuelle Handlungen vorgenommen und ein Computer zerhackt werden, hat bei Bundestagspräsident Wolfgang Thierse heftige Kritik ausgelöst. Der SPD-Politiker will von Bundeswahlleiter Johann Hahlen wissen, „wie es zur Zulassung dieser Partei kommen konnte“. Dessen Sprecher sagte, der Gesetzgeber sehe für den Bundeswahlausschuss kein Recht zur inhaltlichen Prüfung von Parteiprogrammen vor. Das bleibe den Wählern überlassen. Das Gremium habe die APPD als Partei anerkannt. Die acht Beisitzer des Ausschusses habe Hahlen auf Vorschlag der im Bundestag vertretenen Parteien berufen. Die ARD musste auf Beschluss des Oberverwaltungsgerichts für Nordrhein-Westfalen den APPD-Spot senden, eine Ausstrahlung im ZDF war hingegen vom Verwaltungsgericht Mainz untersagt worden. Die APPD klagt.

Während ARD und ZDF, wie schon früher, in den letzten sieben Tagen vor der Bundestagswahl keine neuen Umfrageergebnisse mehr veröffentlichen werden, wird die private Konkurrenz dies sehr wohl tun. Ein Sprecher bestätigte dies für RTL und n-tv in Zusammenarbeit mit Forsa, in gleicher Weise werden Pro7, Sat1 und N24 mit Emnid-Zahlen verfahren. Am Wahltag selbst verbietet das Bundeswahlgesetz die „Veröffentlichung von Ergebnissen von Wählerbefragungen“.

Auch das Radio kriegt sein Duell Schröder vs. Merkel: Am Sonntag werden 38 Privatsender zeitgleich von zehn Uhr an zwei aufgezeichnete Interviews mit Schröder und Merkel ausstrahlen. In Berlin-Brandenburg beteiligen sich unter anderem r.s.2, 104.6 RTL und Spreeradio.

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