Düstere Epoche : CSI im Mittelalter

Im History-Thriller „Isenhart“ am Montag auf ProSieben wird ein Serienmörder gesucht - und der Sitz der Seele.

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Isenhart (Bert Tischendorf, rechts) betreibt die Jagd nach dem Seelenfänger mit wissenschaftlichen Methoden. An seiner Seite Konrad (Michael Steinocher). Foto: Pro7
Isenhart (Bert Tischendorf, rechts) betreibt die Jagd nach dem Seelenfänger mit wissenschaftlichen Methoden. An seiner Seite...

Auf dem Obduktionstisch liegt die Leiche einer jungen Frau, der Brustkorb wurde brutal aufgerissen. „Hier hat er angesetzt, einen Fingerbreit tief, und dann nachgesetzt, von rechts nach links“, erklärt der Mediziner im nüchternen Ton. „Und die Rippen, das war kein Messer, die hat er zertrümmert. Der Mörder hat Anna das Herz entnommen“, endet die grausige Untersuchung. Dass es nicht die letzte Frauenleiche bleiben wird, die einer Obduktion unterzogen wird, gehört genau wie die Suche nach Serienkillern mit wissenschaftlichen Mitteln zum Standardrepertoire von TV-Serien wie „CSI“ oder „Criminal Intent“. Doch diese Jagd ist anders. Der Thriller „Isenhart – Die Jagd nach dem Seelenfänger“, den ProSieben am Montag ausstrahlt, spielt im zwölften Jahrhundert, im tiefsten Mittelalter.

So düster die Epoche, so erfolgreich ist sie im Fernsehen. 9,75 Millionen Menschen ließen sich vor fast genau einem Jahr von „Die Wanderhure“ mit Alexandra Neldel auf Sat 1 in den Bann ziehen. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen war das jeder dritte Zuschauer. Die Begeisterung für den Vierteiler „Die Säulen der Erde“ nach dem Roman von Ken Follett – ebenfalls Sat 1 – war zwar nicht ganz so hoch, in der Spitze schalteten aber dennoch 8,1 Millionen Zuschauer ein. Der durchschnittliche Marktanteil lag bei beachtlichen 20 Prozent.

Im History-Thriller „Isenhart“ spielt Bert Tischendorf den ersten Profiler des Mittelalters, der den Mörder seiner geliebten Anna von Laurin (Xenia Georgia Assenza) sucht. An seiner Seite Annas Bruder Konrad (Michael Steinocher). Und auch Annas Schwester Sophia (Emilia Schüle) wird noch eine wichtige Rolle spielen. Produziert wurde „Isenhart“ vom Berliner Ivo-Alexander Beck zusammen mit Regisseur Hansjörg Thurn, der auch „Die Wanderhure“ ins Szene gesetzt hat. Das Drehbuch stammt von Grimme-Preisträger Holger Karsten Schmidt. Die Aufnahmen entstanden mit einem mehr als 130-köpfigen Team in Ungarn und Österreich unter anderem auf der Burg Hardegg nahe Wien. Einige Szenen wurden im Museumsdorf Düppel in Berlin gedreht, der Filmförderung sei Dank.

Das Mittelalter ist eine dunkle Zeit, strahlender Sonnenschein passt hier nicht hin. Wie bereits in der Verfilmung von „Der Name der Rose“ nach dem Roman von Umberto Eco wird eine düstere Szenerie erwartet, die vorherrschenden Farben sind gedecktes Braun oder Grau, die Wege sind aufgeweicht, desto kälter, desto besser. Zumindest in deutschen Landen, denn besser sieht es in Toledo aus, wohin die Spur Isenhart und Konrad führt. Mauren, Christen und Juden leben hier friedlich miteinander und lernen voneinander.

Der Drang nach Wissen ist stärker noch als bei Henning von der Braake (Sebastian Ströbel) ausgebildet. Auch sonst verbindet ihn mit dem Titelhelden eine Seelenverwandtschaft. Welche Rolle Sydal von Friedberg (Klaus J. Behrendt) spielt, bleibt lange im Dunkeln. Immerhin ist sich der „Tatort“-Kommissar sicher, dass auch dieser Kriminalfall die Zuschauer begeistert.

Der Blick auf das Mittelalter lässt den modernen Mensch eine Überlegenheit spüren, wie sonst kaum eine andere Epoche. Diktatorische Herrscher und eine Kirche, die den Aberglauben fördert und das Streben nach Wissen geißelt – im Vergleich dazu befindet sich heutzutage jeder auf der Sonnenseite des Lebens.

Für ProSieben ist „Isenhart“ der erste History-Thriller. Der Sender, der in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen besonders beliebt ist, hat große Erwartungen an den Mittelalterfilm. Weitere Planungen mit diesem Genre gibt es nach Senderangaben dennoch nicht. Kurt Sagatz

„Isenhart – Die Jagd nach dem Seelenfänger“, Pro7, Montag um 20 Uhr 15

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