DuMont am Ruder : Berliner Verlag verkauft

M. DuMont Schauberg ist der neue Besitzer des Berliner Verlages. Die vollständige Übernahme wird erst Ende März abgewickelt sein. Das Bundeskartellamt muss noch zustimmen.

Sonja Pohlmann

Noch in der Nacht zum Dienstag wurde der Vertrag unterschrieben, der Berliner Verlag hat damit einen neuen Besitzer: den Kölner Alfred Neven DuMont mit seinem Verlag M. DuMont Schauberg ("Frankfurter Rundschau", "Kölner Stadt-Anzeiger"). 152 Millionen Euro hat er dem britischen Finanzinvestor David Montgomery für die BV Deutsche Zeitungsholding mit ihren mehr als 900 Beschäftigten gezahlt. Seit 2005 zählte die Holding zu Montgomerys Mediengruppe Mecom. Jetzt gehören nicht nur die "Berliner Zeitung", sondern auch "Berliner Kurier", "tip", der Berliner Zeitungsdruck, die "Hamburger Morgenpost" sowie zehn Websites wie die "Netzeitung" zu M. DuMont Schauberg (MDS).

Die vollständige Übernahme wird voraussichtlich erst Ende März abgewickelt sein, sowohl das Bundeskartellamt als auch die Hauptversammlung der Mecom Gruppe müssen dem Deal zustimmen. Solange die Holding noch von Mecom geführt wird, dürfte in den nächsten knapp drei Monaten im Berliner Verlag ein Führungsvakuum entstehen. Der noch amtierende Geschäftsführer Josef Depenbrock, gleichzeitig Chefredakteur der "Berliner Zeitung", wird keine großen strategischen Weichenstellungen mehr vornehmen. Bei Technik und Personal wird es zwar keine weiteren Einsparungen, aber auch keine Investitionen geben.

Die Berliner Redaktion freut sich über das Ende der Mecom-Ära

Dass Depenbrock die Spitzenpositionen räumen wird, gilt als wahrscheinlich. Immer wieder war er wegen seines Führungsstils von Mitarbeitern kritisiert worden, gegen seine Doppelfunktion klagte die Redaktion erfolglos. Als neuer Mann an der Spitze wird Uwe Vorkötter gehandelt. Bis 2006 war er Chefredakteur der "Berliner Zeitung", wechselte nach Montgomerys Einstieg als Chefredakteur zur "Rundschau". Alfred Neven DuMont könnte ihn zumindest übergangsweise als eine Art Doppel-Chefredakteur einsetzen - auch, um von ihm mögliche Synergieeffekte zwischen den Blättern überprüfen zu lassen. "Kölner Stadt-Anzeiger" und "FR" tauschen schon jetzt Artikel untereinander aus, eine solche Kooperation ist nun auch mit der "Berliner Zeitung" denkbar. Ebenso eine Zusammenlegung einzelner Ressorts. In einem am Dienstag verfassten Brief an Neven DuMont forderten die Redakteure der "Berliner Zeitung", dass die publizistische Eigenständigkeit gewahrt bleibe.

DuMont Schauberg informierte über die Übernahme in einer knappen Meldung, verwies aber darauf, dass künftig weder die "FR" aus Berlin, noch die "Berliner Zeitung" aus Frankfurt zentral gesteuert werden soll. In den nächsten Wochen dürfte sich Neven DuMont der Redaktion in Berlin vorstellen. Sie ist trotz aller Skepsis bezüglich möglicher Fusionen froh, dass die Mecom-Ära beendet ist. Montgomery war wegen seiner hohen Renditeerwartungen von 20 Prozent als "Heuschrecke" bezeichnet worden. "Er hat nie in die Qualität der Zeitungen investiert, sondern sie zum Bedienen seiner Schulden ausgenutzt", sagte Konzernbetriebsratsvorsitzende Renate Gensch. Seit Anfang 2008 war der Wert der Mecom-Aktie um fast 100 Prozent geschrumpft, vor den Verkaufsgerüchten kostete sie zwischenzeitlich weniger als einen Penny. Rund 600 Millionen Euro soll Montgomery, dessen Konzern mehr als 300 Zeitungen in Europa umfasst, seinen Gläubigern schulden. Deshalb war er regelrecht zum Verkauf der deutschen Beteiligungen gezwungen, um Kapital zur Verfügung zu haben. Man sei erfreut, das deutsche Geschäft in einem besseren Zustand als vor der Übernahme zu hinterlassen, teilte er in einem Schreiben am Dienstag mit. "Eine groteske Behauptung", sagte Thomas Rogalla, Sprecher des Redaktionsausschusses der "Berliner Zeitung". Die ökonomische Strategie Montgomerys sei nicht auf Nachhaltigkeit angelegt gewesen, aus publizistischer Sicht habe die Zeitung Verluste gemacht.

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