Medien : DuMont geht nach Israel

Der Kölner Verlag beteiligt sich mit 25 Prozent an der renommierten Tageszeitung „Haaretz“

Charles A. Landsmann[Tel Aviv]

Erstmals beteiligt sich ein deutsches Verlagshaus an einem israelischen Medienunternehmen. Wie M. DuMont Schauberg gestern bekannt gab, kauft der Kölner Verlag für 25 Millionen Euro 25 Prozent an der israelischen „Haaretz“- Gruppe, deren Flaggschiff die gleichnamige Tageszeitung ist. Dass ausgerechnet Deutsche die wohl liberalste und bestangesehenste Zeitung Israels mitherausgeben, ist in Israels Öffentlichkeit kein Thema.

„Haaretz“-Verleger Amos Schocken erklärte, dass er Verhandlungen mit mehreren ausländischen Investoren geführt habe, namentlich mit einem kanadischen. Er habe einen Partner gesucht, da er vor einem Jahr zur Überzeugung gekommen sei, dass größere Investitionen zum Ausbau der Zeitungen seiner Gruppe und der Internet-Aktivitäten notwendig seien. Er habe sich, trotz der Chance auf bessere Angebote von anderer Seite, für DuMont entschieden, weil diese Gruppe „die professionelle Freiheit der Journalisten“ garantiere.

Eingefädelt hat das Geschäft der ehemalige israelische Botschafter in Berlin, Avi Primor, dessen Sohn als Ressortleiter Ausland bei „Haaretz“ arbeitet. Avi Primor wird als Repräsentant der DuMont-Gruppe im Aufsichtsrat von „Haaretz“ sitzen.

Der Preis für die 25-Prozent-Beteiligung überraschte einige: 25 Millionen Euro. Demnach hätte die gesamte „Haaretz“-Gruppe einen Wert von 100 Millionen Euro. Noch am vergangenen Donnerstag hatte das zur „Haaretz“- Gruppe gehörende Wirtschaftsmagazin den Wert nur mit 96 Millionen Dollar angegeben. Außer dem Wirtschaftsmagazin „The Marker“und der Zeitung „Haaretz“ gehören zur Gruppe eine englischsprachige Ausgabe der Zeitung, 15 lokale Wochenzeitungen mit einer Gesamtauflage von rund 550000 Exemplaren, eine Druckerei, sowie eine 23,5-Prozent-Beteiligung am Internet-Explorer „Walla“.

„Haaretz“ war als letztes großes Zeitungsunternehmen Israels noch in Familienbesitz. Die aus Deutschland stammende Verlegerfamilie Schocken führte in dritter Generation die Zeitung mit Sitz an der nach dem Zeitungsgründer benannten Tel Aviver Salman-Schocken-Straße. Im Vorkriegs-Deutschland besaß die Familie eine große Kaufhauskette mit Hauptsitz in Zwickau und Filialen vor allem im Osten. Nach dem Ende der DDR kursierten in israelischen Wirtschaftskreisen Gerüchte über riesige Entschädigungssummen, die das heutige Familienoberhaupt und Verleger Amos Schocken erhalten haben soll.

Trotzdem wankte damals angeblich sein Imperium, weil die Zeitung „Haaretz“ rote Zahlen verzeichnete, weshalb Amos Schocken gar bei der Konkurrenz ein Darlehen aufnehmen musste. Nun aber soll der Umsatz der „Haaretz“-Gruppe höher sein als derjenige der konkurrierenden „Maariv“-Gruppe mit 514 Millionen Schekel (91 Millionen Euro) Umsatz im vergangenen Jahr.

Mit seinem Einstieg wagte sich der Verlag M. DuMont Schauberg, der kürzlich die Mehrheitsanteile an der „Frankfurter Rundschau“ gekauft hatte, erstmals auf ausländisches Terrain. Doch ist Alfred Neven Dumont, Herausgeber der M. DuMont-Schauberg-Zeitungen „Express“ oder „Kölner Stadt-Anzeiger“, seit den 50er Jahren regelmäßiger Gast in Israel. Außerdem engagiert er sich als Vorsitzender im deutschen Komitee des israelischen Hilfswerkes „The Peres Center for Peace“ und unterstützt die Universität in Tel Aviv.

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