Durch die Nacht mit... : One Night in Bangkok

Kameramann Christopher Doyle und Regisseur Nonzee Nimibutr ziehen für Arte zusammen durch die Nacht.

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So ein Festival weitet die Sinne, plötzlich hält man es von morgens bis abends im Kino aus. Das ist die spezifische Berlinale-Zeitlosigkeit. Und für alle, die wenn sie nach Hause kommen, von der Berlinale immer noch nicht genug haben, sendet Arte ein Begleitprogramm.

Spätheimkehrer dürfen am Dienstag eine Nacht mit Christopher Doyle und Nonzee Nimibutr in Bangkok verbringen. Der Australier Doyle war Kameramann von Wong Kar Wais „In the Mood für Love“, Nimibutr („Jan Dara“, „Nang Nak“) ist der erfolgreichste Regisseur Thailands. Zwei Mitwisser der Seele Asiens.

Zumindest während des elf Tage dauernden Filmfestivals scheint die Idee der Arte-Reihe – zwei Künstler, eine Nacht – die plausibelste von allen. Das fand auch der Berliner Regisseur Marco Wilms, dessen zweite Heimat Thailand ist; er rief Doyle an, hörte Monate lang nichts, und dann kam die Auskunft: „Wenn, dann machen wir das sofort!“

Natürlich führen Doyle und Nimibutr kongeniale Nachtgespräche, also solche, wie sie im Angesicht des nächsten Morgens schon nicht mehr möglich sind. Doyle-Sätze wie „Wenn du das Wasser kennst, kennst du die Frauen“ wären in der Tagesüberhelle nur noch komisch, zwischen 3 Uhr und 4 Uhr in Bangkok sind sie weise. Die beiden fahren mit dem Auto, mit dem Boot, machen halt am Geisterschrein für verzweifelte Liebende und am Drehort von „In the Mood for Love“. Der Film spielt zwar in Hong Kong, aber beide sind sich einig, dass das Hong Kong ihrer Erinnerung nur noch in Bangkok zu finden ist.

Vielleicht sind Kameramänner und Regisseure kurz vor Sonnenaufgang die wahren Philosophen. Marco Wilms hat die Atmosphäre dieser Nacht so eingefangen, dass wohl nicht einmal Doyle es besser hätte machen können. Kerstin Decker

„Durch die Nacht ... mit Christopher Doyle und Nonzee Nimibutr“, Arte, um 0 Uhr 45

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