DVD-Verleih : Tanz aus der Reihe

Videotheken boykottieren Filme von Fox wie "Black Swan" mit Natalie Portman – die Firma bevorzugt den Verkauf.

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Das Ballettdrama „Black Swan“ mit Natalie Portman wird es in vielen Videotheken vorerst nicht als DVD geben. Die Verleiher wollen die Filmfirma Fox unter Druck setzen. Foto: dpa
Das Ballettdrama „Black Swan“ mit Natalie Portman wird es in vielen Videotheken vorerst nicht als DVD geben. Die Verleiher wollen...Foto: picture alliance / dpa

Gleich ein ganzes Regal ist Natalie Portman in der Videothek Videoworld in der Bismarckstraße in Berlin-Charlottenburg gewidmet. Ihre besten Filme sind hier nebeneinander aufgereiht: „Léon – der Profi“, „V wie Vendetta“, „Hautnah“ – doch der wichtigste fehlt: das Ballettdrama „Black Swan“, für das die US-Schauspielerin im Februar mit dem Oscar als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. Wer den Film ausleihen will, geht mit leeren Händen nach Hause. Nicht nur in Berlin, sondern in allen Videotheken deutschlandweit. So will es die Filmfirma Twentieth Century Fox, die die Rechte an „Black Swan“ besitzt.

Grund ist eine Änderung der Vertriebsstrategie: Nicht wie sonst üblich die Videotheken, sondern der Handel darf als erstes die DVD von „Black Swan“ vertreiben. Seit dem 10. Juni gibt es den Film in Läden wie Media Markt und Saturn, aber auch online auf Seiten wie Amazon zu kaufen. Erst ab dem heutigen Freitag – mit einer Verzögerung von zwei Wochen – dürfen die Videothekare den Film in ihren Verleih aufnehmen. Trotzdem wird „Black Swan“ in den meisten Videotheken auch weiterhin nicht zu finden sein. Aus Protest gegen das neue Modell von Fox verzichten viele Videothekare zurzeit darauf, neue Filme des Unternehmens in ihr Angebot aufzunehmen. Mit dem Boykott wollen sie sich ihre frühere Position zurückerobern.

Denn bisher standen Videotheken in der Verwertungskette von Filmen an zweiter Stelle: nach dem Kino, aber vor dem Handel und der Ausstrahlung im Fernsehen. Noch vor einigen Jahren wurde ihnen fast ein halbes Jahr Vorsprung vor dem Verkaufsstart gewährt. „Doch dieses Zeitfenster ist vonseiten der Filmfirmen immer weiter verkleinert worden“, sagt Jörg Weinrich, Vorstand des Interessenverbands des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD). Und damit wurde ein wesentlicher Teil der Geschäftsgrundlage der Videothekare eingeschränkt, nämlich die Möglichkeit, die DVDs ihren Kunden exklusiv zur Verfügung zu stellen. Inzwischen haben die Videotheken nach Angaben von Weinrich nur noch einen Vorlauf von zwei bis sechs Wochen, teilweise finden Verleih- und Verkaufsstart zeitgleich statt. Das sei vor allem bei Blockbustern der Fall, wenn Filmfirmen gleich von Anfang an beide Vertriebswege maximal ausnutzen wollen. So gab beispielsweise Sony Pictures „Salt“ mit Angelina Jolie im Dezember am selben Tag in den Verleih und Verkauf.

Fox ist jetzt allerdings die erste Filmfirma, die den zeitgleichen Start nicht nur zur Regel macht, sondern den Handel in einigen Fällen sogar bevorzugt. „Im Vergleich ist der Verkauf für uns wichtiger. Hier erlösen wir 90 Prozent der DVD-Umsätze, im Verleih sind es nur 10 Prozent“, sagt Clemens Hoh, Fox-Sprecher. Bereits im Mai gingen die „Chroniken von Narnia 3“ eine Woche vor Verleihstart in den Verkauf. Auch mit „Black Swan“ scheint sich das Modell zu rentieren: Das Ballettdrama belegt derzeit Platz eins in den Verkaufscharts – gefolgt von „Narnia“.

Für die Videothekare bedeutet das Vorgehen von Fox einen weiteren Angriff auf ihr Stammgeschäft, das durch das Internet ohnehin schon enorm unter Druck geraten ist. Viele Nutzer wollen auf die DVD-Version von Kinofilmen nicht mehrere Monate warten und laden sich die Filme auf illegalen Plattformen herunter, teilweise noch bevor die Filme in Deutschland überhaupt im Kino zu sehen sind. Aber auch legale Online-Videotheken wie Videoload oder Maxdome sind für die Videotheken zur Konkurrenz geworden. Um die Verluste auszugleichen, haben diese ihr Angebot an Computerspielen und an Snacks wie Eis und Süßigkeiten deutlich ausgebaut. Doch ihr Stammgeschäft bleibt der DVD-Verleih.

Umgehen können die Videothekare die Zeitverzögerung nicht, denn eine DVD einfach bei Media Markt oder Amazon zu kaufen und dann zu verleihen, ist für sie verboten. Sie müssen die Verleih-Version sogar zu einem höheren Preis erwerben: Rund 25 Euro zahlen sie für „Black Swan“, normale Kunden bekommen den Film dagegen schon ab 9,90 Euro.

Andere Filmfirmen halten das Modell von Fox offenbar nicht für nachahmenswert. „Unsere langfristige Strategie sieht nicht vor, dass wir einzelnen Titeln einen exklusiven Retail-Vorlauf gewährleisten“, sagt Andreas Ditter, Geschäftsführer von Sony Pictures Home Entertainment.

Der Verband des Video- und Medienfachhandels hofft, dass auch Fox bald wieder zum alten Modell zurückkehrt und den Videothekaren einen Vorsprung vor dem Handel gewährt. Derzeit führt er entsprechende Gespräche mit der Filmfirma. Im Natalie-Portman-Regal in der Videoworld bleibt vorerst eine Lücke.

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