E-Books : Das iPad macht Schule
20.01.2012 16:29 UhrZu große Abhängigkeit von Apple?
Die deutschen Schulbuchverlage wollen keineswegs eine exklusive Kooperation mit Apple oder einem anderen Unternehmen eingehen, sagt Irina Pächnatz von Cornelsen, einem der beiden größten der 86 deutschen Schulbuchverlage: „Wir bleiben für alle technischen Formate und Anbieter offen.“ Auf der Bildungsmesse Didacta Mitte Februar werden die im Verband Bildungsmedien organisierten Schulbuchverlage eine gemeinsame Branchenlösung für E-Books präsentieren. Details könnten noch nicht gesagt werden, die Lehrer sollen sich aber auf mehr Komfort bei der Auswahl digitaler Schulbücher freuen können.
Cornelsen fühlt sich vom digitalen Wandel nicht überrascht. Schon 1988 machte das Berliner Unternehmen erste digitale Angebote, seit 1995 hat es ein Online-Angebot, das ständig wächst. 300 000 Nutzer sind bei cornelsen.de registriert. Zwar sei auch jetzt noch das gedruckte Schulbuch das Hauptprodukt unter den 20 000 lieferbaren Titeln des Verlags: „Doch mittlerweile kommen neue Lehrwerke nur noch mit digitaler Ergänzung auf den Markt“, so Pächnatz. Das reicht von Apps, über Software für Whiteboards, E-Learning bis zu Werkzeugen zur Leistungsmessung.
Dass das gedruckte Schulbuch schon bald aus dem Verkehr gezogen wird, glaubt man im Cornelsen-Verlag nicht: „Nicht überall macht digitales Lernen Sinn“, sagt Pächnatz. Cornelsen geht auch für die Zukunft von einer Medienvielfalt im Unterricht aus. Zumal mit der Digitalisierung auch keine Kostensenkung zu erwarten sei. Auch digitale Medien müssten ständig wegen neuer Methoden und neuer Lehrpläne überarbeitet werden.
Jeder Schüler in Deutschland sollte mit staatlicher Unterstützung einen eigenen Laptop oder einen eigenen Tablet-PC bekommen. Das fordert die Internet-Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages. Fast zwei Jahre nach ihrer Einsetzung legte die Enquete-Kommission am Freitag dem Parlament einen ersten Zwischenbericht zum Thema Medienkompetenz vor. Der Bericht der Projektgruppe empfiehlt unter anderem das staatlich geförderte Beschaffungsprogramm, um die Medienkompetenz von Schülern und Lehrern zu fördern. „Wenn erst jeder Schüler seinen (Lern-)Computer mit in den Unterricht bringt, werden alle Beteiligten dazu gezwungen sein, sich mit dem Internet auseinanderzusetzen“, heißt es in dem Bericht.
Eine zu große Abhängigkeit von einem Anbieter befürchtet Cids-Leiter Kuschela indes nicht. „Einer prescht vor und die Wettbewerber ziehen nach. Schließlich verkauft auch Amazon erfolgreich E-Books“, sagt er. Ob das Projekt der iPad-Klasse in Berlin Schule macht, nachdem Apple nun den Schulbuchmarkt neu erfinden will, hänge unter anderem davon ab, wie weit das mit dem E-Education-Masterplan vereinbar sei. So lange müssen auch die Berliner Sportschüler zum iPad auch die herkömmlichen Bücher in ihre Taschen packen.







