E-Tickets : Nie mehr anstehen

Briefmarke, Bahn, Flug, Konzert, Fußball, Kino, Museum - was man beim Ticketkauf im Netz beachten muss.

Benedikt Plass-Fleßenkämper
Karte kommt gleich aus dem Drucker. E-Tickets sind am weitesten im Luftverkehr verbreitet, aber auch in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens und Verkehrs anzutreffen. Sehr praktisch - wenn Sicherheitsstandards beachtet werden. Foto: dpa Foto: ddp
Karte kommt gleich aus dem Drucker. E-Tickets sind am weitesten im Luftverkehr verbreitet, aber auch in allen anderen Bereichen...Foto: ddp

Schön bequem mit dem Computer ein Flugticket buchen und nicht mehr im Reisebüro anstehen – vielleicht hätten sich manche Kunden der Fluggesellschaft Easyjet in den vergangenen Tagen gewünscht, dass das nicht so einfach funktioniert und dafür jemand mal vor Ort auf ihre Bedürfnisse einginge. Als fest gebuchte Maschinen kurzerhand gestrichen wurden, half den Passagieren auch das elektronische Ticket (kurz: E-Ticket) nicht, ohne das man bei Easyjet gar nicht mehr mit fliegen kann. Das Internet hat zwar die Kaufgewohnheiten vieler Menschen grundlegend verändert, nicht aber deren berechtigte Interessen. Immerhin, wo man früher sein Flug- oder Bahnticket erst nach langer Wartezeit am Schalter erstehen, sich die Kinokarte für den Blockbuster-Film vor Ort sichern oder Briefmarken bei der örtlichen Postfiliale in Warteschlangen holen musste, ist dies heute in kurzer Zeit via Internet-Kauf direkt auf den Webseiten der Anbieter möglich. Per Mausklick erwirbt der Kunde das gewünschte Produkt, druckt es am heimischen Rechner aus und hat es direkt in physischer Form vorliegen. Doch bei vielen Konsumenten herrscht noch eine gewisse Skepsis. Schließlich muss man beim Web-Shopping persönliche Daten preisgeben und über ein Mindestmaß an Computer-Know-how verfügen, um die Vorteile aus dem Online-Kauf stressfrei genießen zu können.

Die gleichen Rechte?

Die gute Nachricht vorweg: Bei der Rechtsgrundlage unterscheiden sich die E-Tickets kaum von ihren klassischen Pendants. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieter und die Konsumentenrechte greifen in den meisten Fällen auch beim online erstandenen Produkt. Veranstalter und Konzerne garantieren eine vertrauliche Behandlung sämtlicher persönlicher Daten und verschlüsselte Verbindungen beim Datenaustausch. Im Zweifelsfall ist es aber ratsam, sich vor dem Ticketkauf die Anbieter-AGBs noch mal genau durchzulesen, um unüberlegte Spontankäufe aufgrund nicht möglicher Stornierungen und mangelnder Rückgaberechte zu vermeiden.

Beispiel Bahn – wie buche ich?

Die Prozedur ist bei allen Anbietern ähnlich. Der typische Ablauf eines Internet-Kaufs am Beispiel des Online-Tickets zum Selbstausdrucken bei der Deutschen Bahn: Der Kunde besucht das Internetportal www.bahn.de, gibt im Suchfenster die gewünschten Verbindungsdaten sowie die bevorzugte Klasse ein und bekommt anschließend die möglichen Fahrzeiten, die Fahrtdauer, die Anzahl der Umstiege, das Abfahrtgleis sowie den Produktnamen nebst Preis in einer Kompaktansicht angezeigt. Anschließend selektiert man seine Wunschverbindung, indem man auf „Zur Buchung“ klickt. Besitzer einer Bahncard können angeben, welches Modell (Bahncard 25 oder 50) sie besitzen, damit die Preise für die gewünschte Verbindung vom Bahn-Portal automatisch angepasst werden. Wer keine Bahncard hat, klickt auf „Weiter ohne Bahncard“. Anschließend stehen weitere Optionen zur Verfügung: Sitzplatzreservierung, Abteil oder Großraum, Gang- oder Fensterplatz. Hat man alle Informationen in der Eingabemaske angeklickt, wählt man unter „Ihre gewünschte Ticketzustellung“ beim Zustellweg das „Online-Ticket zum Selbstausdrucken“ und bestätigt mit „Weiter“.

Sicheres Bezahlen

Jetzt folgen die Bezahloptionen. Hat man sich zuvor bei der Bahn mit seinen persönlichen Daten registriert, ist das Lastschriftverfahren möglich. Wer ohne Umwege direkt ein Ticket kaufen und auf eine Registrierung verzichten möchte, kann ausschließlich mit einer in Deutschland gültigen Kreditkarte (Visa, Mastercard, American Express etc.) bezahlen. Zudem gilt es, sich für eine von vier Identifizierungsmöglichkeiten (Bahncard, Kreditkarte, Personalausweis oder EC-Karte) zu entscheiden, die man im Zug dem Kontrolleur zusammen mit dem ausgedruckten Online-Ticket vorlegen muss. Sämtliche Daten sollte man also neben seinem Computer parat haben. Die Daten werden dann – verschlüsselt – an das Bahn-Portal übertragen. Ist der Vorgang abgeschlossen, bekommt man das Ticket im PDF-Format an die eigene E-Mail-Adresse geschickt. Zum Öffnen der Datei ist die kostenlose Software „Adobe Reader“ (www.adobe.de) erforderlich. Nun kann das Ticket ausgedruckt werden, wobei die Bahn lediglich das DIN-A4-Format akzeptiert. Seit Mitte Juni bietet die Bahn zudem das sogenannte „Handy-Ticket“ an: Der Fahrschein-Strichcode wird registrierten Usern direkt als MMS (Multimedia Messaging Service) aufs Handy geschickt.

Ausnahme: Regionalverbindungen

Regionalverbindungen stehen bei der Deutschen Bahn nicht zur Online-Buchung zur Verfügung. Erst bei Fahrtstrecken ab 51 Kilometern wird der Internet-Ticketkauf unterstützt – immerhin bis zehn Minuten vor Abfahrt. Die Stornierung des Online-Tickets ist ebenfalls möglich – kostenfrei bis einen Tag vorher, nur die Reservierungsgebühr gibt es seltsamerweise generell nicht erstattet – und erfolgt für eingeloggte User kostenlos im Bereich „Meine Bahn“ auf dem Bahn-Portal.

Briefmarke auf Druck

Die Briefmarke zum Selbstausdrucken („Internetmarke“) gibt es im Netz-Shop unter www.deutschepost.de: Einfach das Format (Briefe, Paket oder Päckchen, Aktionsmarken) auswählen, die gültige E-Mail-Adresse angeben, das Bezahlmodell bestimmen (PayPal, Überweisung oder das Post-interne Bezahlsystem für registrierte User), Transaktion tätigen und die Briefmarken als PDF-Dokument per E-Mail erhalten, die man dann anschließend ausdruckt. Der Mindestbestellwert liegt derzeit bei zehn Euro. Wer weniger Marken braucht und trotzdem den Online-Druck bevorzugt, bekommt den Überbetrag in seinem virtuellen Post-Account gut geschrieben und kann ihn künftig für weitere Internetmarken nutzen.

Miles and more

Auch Flugtickets können längst online gekauft und daheim ausgedruckt werden. Über 90 Prozent aller weltweit ausgestellten Flugtickets sind nach Schätzungen mittlerweile elektronisch. Bei der Lufthansa beispielsweise profitieren registrierte Kunden von weiteren Zahlungsoptionen wie dem Lastschriftverfahren oder „Miles & More“-Prämienbuchungen. Nicht-Registrierte können – wie schon bei der Deutschen Bahn – lediglich per Kreditkarte zahlen. Eine Stornierung des Tickets ist bei der Lufthansa anders als bei Bahn jedoch nicht mehr möglich. E-Tickets sind am weitesten im Luftverkehr verbreitet, aber auch in allen anderen Bereichen des öffentlichen Verkehrs sowie als Eintrittskarten auf Messen und anderen Großveranstaltungen anzutreffen. Fast jede große Kinokette wie „Cinestar“ oder „Kinopolis“ sowie Konzert- und Theaterveranstalter bieten auf ihren Webseiten den Online-Kauf von Tickets an. Hat man sich eine gewisse Routine im Umgang mit den Buchungsprozeduren angeeignet, spart einem der Internet-Kauf jede Menge Zeit, Geld und Lauferei. Dabei sollte man jedoch einige Sicherheitsvorkehrungen treffen, um einfach und sicher drauflosshoppen zu können (siehe Kasten).

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