Medien : Ebay, zum Ersten …

Reinhard Siemes

VORSICHT! WERBUNG

Ebay ist eine lobenswerte Einrichtung. Laut Anzeigen sogar die beste Erfindung des Internets. Das Problem bereiten allein die Namen, unter denen die Teilnehmer ihre wunderschönen Waren zum Verkauf anbieten. Laut Spiegel-Anzeige helfen nur noch Ausflüge auf die Formel1-Piste: „Ich bin ein 1 a-Boxenluder.“ Oder Bekenntnisse zur Haartracht, die man angeblich nicht hat: „Ich bin Toupet-Träger.“ Alle andere Begriffe von Aasgeier bis Zyklop sind längst vergeben. Das Problem der vergebenen Namen ist ein Zweites: Böse Finger, die leere PC-Kartons, überteuerten Schmuck oder lädierte Antiquitäten loswerden möchten, können sich wunderbar hinter den Namen verstecken. Ebay wälzt die Verantwortung auf die Verkäufer ab. Und damit der Internetbetreiber („Besser kaufen und verkaufen“) ganz aus dem Schneider ist, trägt der Käufer zu den teilweise horrenden Versandkosten das Risiko des dummen Empfängers. Der Anbieter „Zweiglocken“ etwa schickte an einen Käufer eine 250 Euro teure versilberte Kanne, deren Henkel gebrochen aber geschickt gelötet war. Weil die Lötstelle den Postweg nicht überstand, sollte die Versicherung herhalten – was der Käufer für Betrug hielt. Am Ende erstatteten die beiden Glocken immerhin 210 Euro und ließen sich auf diesem Wege eine neue Lötstelle bezahlen. Immerhin, es hätte schlimmer kommen können. Etwa ein Diamant-Solitär im Tiffany-Stil, der laut Expertise eines Hinterhofjuweliers stolze 5800 Euro wert ist. Der unbedarfte Schmuckkäufer bietet dafür gern mal 1000 Euro – im Glauben, der Verkäufer habe nicht alle Brillies im Schrank, er selbst aber das Geschäft seines Lebens gemacht. Geht er mit dem kostbaren Teil zum Juwelier, packt ihn Entsetzen. Andererseits kann der erfahrene Ebayer unter der Woche durchaus ein größeres Schnäppchen machen. Speziell bei „Gemälden“ finden sich Juwelen, die unter „Schmuck“ die große Mangelware sind. Es kann vorkommen, dass scheinbar hässliche Werke für zehn Euro weggehen, deren Rahmen gut und gern 150 Euro wert sind. Es ist halt wie überall im Leben: Man muss erst einmal Lehrgeld bezahlen.

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