Medien : Echt frauenfeindlich

Jochen Meissner

Es hat wieder nicht geklappt mit der "Sauren Gurke" für Harald Schmidt. Und er hatte sich doch so bemüht, endlich auch einmal mit dem Wanderpokal für frauenfeindliche Inhalte ausgezeichnet zu werden. Nicht einmal nominiert worden sei er, sagte Henriette Wrege, Leiterin der Arbeitsgruppe "Saure Gurke" des Verbundes "Frauen in den Medien von ARD und ZDF" am Sonntag. Gut 370 nahmen am 24. Herbsttreffen in Berlin teil. Ausschließlich Produktionen der öffentlich-rechtlichen Sender können eine "Saure Gurke" bekommen. Schmidt aber talkt für Sat 1.

Also war es wieder einmal das ZDF, das in der 20-jährigen Geschichte des Preises zum siebten Mal die Gipsstatuette in einer seiner Redaktionen aufstellen darf. Der Fernsehfilm "Paulas Schuld" (Drehbuch: Hans Ulrich Krause, Regie: Claudia Garde, Redaktion: Karina Ulitzsch, Hauptrollen: Uwe Willing, Ulrike Krumbiegel) war den Medienfrauen eine Auszeichnung wert. Es handle sich, so die Jury, um ein Kammerspiel, das Frauen allesamt als "inkompetent, neurotisch und süchtig" zeige, als Versagerinnen, die selbst den Tod ihrer Kinder in Kauf nähmen, wären da nicht die Männer, die die Situation retteten und ein Moral- und Familienideal der 50er Jahre wiederbelebten.

Trostpreise wurden in diesem Jahr nicht vergeben. Nominiert waren allerdings Thomas Gottschalk und Marcel Reich-Ranicki. Außerdem erfreut sich die "Tagesschau" weiterhin aufmerksamer Beobachtung der Medienfrauen - insbesondere wegen der geschlechtsspezifischen Interviewführung. Selbst Giovanni di Lorenzo, "3 nach Neun"-Moderator und Tagesspiegel-Chefredakteur, stand auf der Nominierungsliste, allerdings mit einer derart schwachen Begründung, dass Henriette Wrege sich trotz mehrfacher Nachfragen von Kollegen nicht dazu äußern mochte.

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