Medien : Edel-Look statt Einheitsgrau

Mit schickem Gehäuse und effektiver Geräuschdämmung wird der PC wohnzimmertauglich – und das sogar für wenig Geld

Ralf Schönball

„Für diesen grauen Klotz ist kein Platz im Wohnzimmer.“ Einfach den alten Computer auf die Kommode zu stellen, das sei mir ihr nicht zu machen – daran ließ die Frau des Hauses keinen Zweifel. Und ihr Wille geschah: Nun steht nicht etwa der graue Kunststoffkasten im Wohnzimmer, sondern ein Gehäuse aus poliertem Aluminium mit dezent leuchtendem Display. Kostenpunkt: 200 Euro, 24 Stunden Lebenszeit und gute Nerven.

Einen neuen Computer gibt es für 200 Euro freilich nicht, dafür aber ein schönes Gehäuse. Und alte Technik in ein neues Kleid zu stecken, das ist die beste und den Geldbeutel schonendste Lösung für alle, die genug haben von dem mausgrauen, laut brummenden PC. Das sagen auch Experten: Sie mokieren sich über die Rüstungsspirale der Computerindustrie, weil diese für den täglichen Gebrauch der allermeisten Nutzer über das Ziel hinausschießt. Denn fürs Internet, für Text- und Tabellenprogramme und sogar zum DVD- und Fernsehen sowie zum Anhören von Musikdateien reicht fünf Jahre alte Technik völlig aus. Auch der Anschluss an das TV-Gerät war schon vorhanden.

Die Gehäuseauswahl im Internet ist groß: Fast jeder Computeranbieter bietet Modelle verschiedener Hersteller an. Für die allermeisten Rechner gilt: Das Gehäuse muss „ATX-kompatibel“ sein. Das ist der Name des Formats vom größten Bauteil im Computer: dem Mainboard. Hier kommt alles zusammen, was zusammengehört: Festplatten, Netzteil, Grafik- und andere Karten sowie Arbeitsspeicherriegel. Sehr viele Gehäuse sind ATX-Kompatibel. Wir entschieden uns für ein Modell der Firma Silverstone. Denn das erinnert an den Baustein einer Hifi-Anlage, die von der Frau des Hauses zwar nicht geliebt, aber geduldet wird.

Das edle Gehäuse bezogen wir über MR-Computertechnik (www.mrcomputertechnik.de. Diese ist dafür bekannt, Bauteile geschickt zu dämmen und so die Betriebsgeräusche des PCs deutlich zu senken. Kunststoffplatten und die Entkoppelung des Gehäuses helfen gegen das Brummen von Ventilatoren und Festplatten, die den Frieden menschlicher Beziehung empfindlich stören können.

Der Umbau begann unter dem immer noch skeptischem Blick der Partnerin: Drucker, Bildschirm, DSL- und Stromkabel vom Gehäuse lösen und ebenso die vier Schrauben an der Plastikhülle des alten Geräts – schon liegt ein faustdicker Knäuel bunter Kabel offen zutage und daneben eine Platte mit vielen aufgesteckten elektronischen Bauteilen, das Mainboard. Dieser verwirrende Anblick verliert seine Bedrohlichkeit, wenn einige Regeln beachtet werden. Die Wichtigste lautet: Vor dem Ausweiden des Gehäuses sollten alle Verbindungen jedes Kabels mit beschriftetem Tesafilm markiert und erst danach gelöst werden. Dadurch können die Verbindungen beim späteren Einbau einfach wieder den Aufschriften entsprechen hergestellt werden.

Bevor man zur Tat schreitet, sollte man sich „erden“, indem man das Gehäuse des Netzteils kurz berührt. Das verhindert, dass die eigene elektrostatische Ladung die elektronischen Bauteile zerstört. Empfehlenswert ist es außerdem, beim Netzteil anzufangen, also zunächst alle internen Stromverbindungen zu unterbrechen, die das Netzteil mit der Festplatte, den Laufwerken, mit den Lüftern im Gehäuse sowie mit dem Mainboard verbinden. Ist danach das Netzteil ausgebaut, liegt schon das Mainboard blank auf dem Operationstisch. Nun können die Datenleitungen („IDE-Kabel“) abgezogen und die Laufwerke selbst ausgebaut werden, die mit kleinen Schrauben fixiert sind. Vorsicht: Einige Kabel haben eine feine rote Linie an einer Seite; diese muss später wieder auf derselben Seite liegen.

Schließlich bleiben nur noch das Board mit aufgesteckten Speicherriegeln sowie Grafik- und anderen Karten übrig. Diese lassen sich leicht anhand kleiner Hebel lösen. Trennen muss man außerdem noch die Verbindungen vom Board zu LED-Leuchten und Startknopf an der äußeren Gehäusefront. Ist dies erledigt, kann das Board selbst aus dem Gehäuse herausgelöst werden. Das ist einfach: Das Board ist oft auf einer Blechplatte verschraubt, die zum Gehäuse gehört. Als ganze Einheit herausgelöst, kann man anschließend bequem die Schrauben zwischen Blechplatte und Board lösen.

Die erste Etappe ist geschafft. Die Frau des Hauses kann sich ein zweifelnd-anerkennendes Murren nicht verkneifen: „Und du verlierst da nicht den Überblick?“ Eigentlich nicht, denn so viele Bauteile gibt es nicht, und der Kabelsalat wird dank der Markierungen beherrschbar.

Nun geht es an den Einbau. Ausgezeichnet: Der Hersteller liefert mit dem Gehäuse eine Bauanleitung, bei deren Befolgung wenig schief gehen kann. Einzige Schwierigkeit: Bei der Auswahl der Schächte, in die die Laufwerke festgeschraubt werden, muss die Länge der IDE-Kabel beachtet werden. Dann ist nur noch Geduld gefragt beim Prüfen der Markierungen und der Wiederherstellung der Kabelverbindungen. Wenige Stunden später wird der PC wieder mit dem Stromnetz verbunden. Doch nun der Schock: Der PC fährt nicht mehr hoch. Die weiße Botschaft auf schwarzem Bildschirm laut: „NVR-Ram Prüfung“. Mehr geht nicht. Der Samstagabend ist um 22 Uhr 05 gelaufen. Die Frau des Hauses schweigt, der Mann glaubt: vorwurfsvoll. Das Wohnzimmer sieht aus wie ein Schlachtfeld.

Eine Nacht drüber schlafen, löst so manches Problem – wenn man weiß, wer anzurufen ist. Ein befreundeter Experte sagt: Die Schrauben des Boards könnten zu fest gedreht sein oder aber nicht wirklich alle Bauteile und Kabel waren vor dem Einbau abgezogen worden. So war’s auch: Ungeduldig auf den Anblick alter Technik im neuen Kleid hatten wir ein IDE-Kabel nicht vom Board gelöst. Im zweiten Anlauf schnurrt der „neue“ PC wie eine Katze – und sogar die Frau im Hause ist zufrieden: „Sieht aus wie ein Kassettenrekorder“, sagt sie und der Mann glaubt sie schmunzeln zu sehen.

Der Mann ist auch zufrieden. Denn im neuen Wohnzimmer-PC steckt nun auch eine neue Soundkarte von M-Audio. Der Hersteller ist bekannt für seine Produkte, die Musik-Files vom Computer auf die Stereoanlage überträgt, mit einer doppelt so hohen Auflösung wie bei einer handelsüblichen CD. Für Hifi-Enthusiasten ist diese kleine Sünde knapp 200 Euro wert.

Nützliche Hilfen im Internet:

http://computer.aol.de/

Ratgeber-Hardware/

www.computerhilfen.de

www.pcmasters.de/forum/

hardware-allgemein/5100-

problem-beim-pc-bau.html

www.postpla.net/hardware/pc-bau.29608.html

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