Ehrensenf : "Keine Liebesbriefe in Massen"

Christine Henning moderiert seit Juni das satirische Videoblog "Ehrensenf". Mit dem Tagesspiegel sprach sie über die ersten Monate beim Internetfernsehen.

Ehrensenf
Nur selten offline: Christine Henning von "Ehrensenf". -Foto: Promo

Frau Henning, 2007 war Ihr Jahr. Vor zwölf Monaten hätten Sie sich doch nicht träumen lassen, dass Sie Moderatorin des bekanntesten Internet-Fernsehmagazins werden.

Allerdings nicht. Es war ein Superjahr, aber auch ein hartes Jahr. Ich habe ja auch noch kurz vorher meine Diplomarbeit in Medienwirtschaft geschrieben, ein Konzept zum Kundenbindungssystem im Internet. Dann ging es ratzfatz.

Ein Casting nach dem Weggang von „Ehrensenf“-Moderatorin Katrin Bauerfeind.

Im Sommer wurde nach einer neuen Moderatorin gesucht. Ein Kommilitone hat bei Ravenrocker gearbeitet …

… der Produktionsfirma…

… von „Ehrensenf“, genau. Der meinte halt, komm mal vorbei, ganz unverbindlich. Das war im Juni, nach der Diplomarbeit und vor meinem Urlaub. Beide Parteien waren sich schnell einig.

Sie wirken ebenso charmant und frech wie Ihre Vorgängerin Katrin Bauerfeind. Haben Sie versucht, ihr nachzueifern – oder sich von ihr bewusst abzusetzen?

Dazu hatte ich gar keine Möglichkeit. Ich wusste zu wenig von Katrin Bauerfeind. Dann ging es mit dem Casting so schnell. Da blieb für eine klassische Konkurrentenanalyse keine Zeit (lacht). Ich kam nie in Versuchung, Katrins Stil zu adaptieren. Ich bin da blauäugig reingegangen. Im Endeffekt war das wohl gut so.

Mal ehrlich, wie finden Sie denn Katrin Bauerfeind in „Polylux“?

Gut, wer auch immer etwas anderes sagt. Man kann da natürlich nicht so frech an Themen rangehen wie in „Ehrensenf“. Sie macht einen Superjob.

Die unerschrockene Internet-TV-Moderation als Sprungbrett zum großen Fernsehen. Das Erste will sein Programm ja weiter verjüngen.

Spielen Sie auf meine Zukunft an? Ich weiß nicht. Ich würde mir alles offenlassen. Das Wichtigste ist, dass man etwas macht, mit dem man sich identifizieren kann, was mir bei „Ehrensenf“ sehr leicht fällt. (Überlegt.) Alles, was meinen Interessen entspricht, würde mich reizen. Reisen, Naturwissenschaft, Menschen.

„Ehrensenf“ ist eine Kultmarke, unter Jugendlichen wohl so bekannt wie die „Tagesschau“ bei Älteren. Werden Sie auf der Straße angesprochen?

Mein Mitmoderator Mark Freuer und ich haben schon mal Autogramme geben müssen. Köln ist ja auch ein Dorf. Wenn man ein Fernsehformat in der Primetime macht, ist das bestimmt extremer.

Sie sichten das Netz auf Kuriositäten. Wie viele Stunden am Tag sind Sie online?

In erster Linie nutze ich Internet für Kommunikation, dazu noch die Recherche in der Redaktion. Dann kommen schon acht Stunden am Tag mindestens zusammen.

Das klassische Fernsehen spielt in Ihrer Generation kaum noch eine Rolle.

Zuschauer möchten sich nicht mehr vorschreiben lassen, wann sie eine bestimmte Sendung sehen. In meiner Generation suchen sich viele aktiv die gewünschten Inhalte aus dem Netz. Ich komm aber auch schon mal nach Hause und setze mich um 20 Uhr 15 einfach vor die Glotze. Der Spielfilmfan.

Mittlerweile gibt es immer mehr Internetfernsehen. Muss sich das Konzept vom fast schon Online-Klassiker „Ehrensenf“ ändern?

Das Format hatte sich bereits etabliert, als noch Katrin Bauerfeind das Gesicht der Sendung war. Es läuft weiter gut, auch nach unserem zweiten Geburtstag, dem Relaunch im November und jetzt mit zwei neuen Moderatoren, die sich wöchentlich abwechseln. Freitags probieren wir auch mal Sketche aus. Manche wollen lieber mich sehen, manche meinen Kollegen Mark. Wir haben immer noch rund 25000 Zuschauer täglich, wie zu Bauerfeinds Zeiten. Ein paar Katrin-Anhänger sind vielleicht abgewandert, ein paar neue kamen dazu.

Vielleicht auch wegen Ihnen.

Massenweise Liebesbriefe bekomme ich nicht, wenn Sie das meinen. Manche User schreiben mir schon öfters nette Sachen, aber die ärgern sich auch mal über die Frisur. Letztens erhielt ich eine Mail von einem Pärchen, das jeden Tag vorm Zubettgehen unsere Sendung ansieht. Wir sind ja immer erreichbar!

Das Gespräch führte Markus Ehrenberg.

Christine Henning, 26, Medienwissenschaftlerin, seit Juni Moderatorin im Internet-Magazin „Ehrensenf“, dem satirischen Tagesrückblick als Videoblog, mit Fundstücken aus dem World Wide Web und täglich rund 30000 Zuschauern. Ehrensenf wurde zwei Mal mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Hennings Vorgängerin Katrin Bauerfeind machte die 2005 gegründete Online-Marke bekannt, wechselte im September 2007 ins klassische Fernsehen, moderiert als Vertreterin von Tita von Hardenberg das Magazin „Polylux“ im Ersten. Im Internet: www.ehrensenf.de

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