Medien : Eierwurf-Foto: Schadet ihm das?

Michael H. Spreng ist freier Medien-,Kommunika

Ein Schnappschuss, mehr nicht. Edmund Stoiber trotzt aufrecht wie ein Kapitän auf schwerer See den Batterien, Flaschen und Eiern, die ihm und seinen Kollegen von der Union am Montag auf dem Alexanderplatz entgegen geschleudert wurden. Und Frank Steffel? Lehnt sich gegen Stoibers Rücken. Die Szene erinnert an ein anderes Eierwurf-Foto, aufgenommen 1991 in Halle. Auch hier ist ein CDU-Politiker zu sehen, Helmut Kohl, der völlig anders reagiert: Kohl versucht wütend, die Angreifer über ein Absperrgitter hinweg zu packen. Bei vielen hat Kohl sein Gegenangriff Respekt eingebracht. Wie kommt die defensive Haltung Steffels an? Anders gefragt: Kann eine Hundertstelsekunde das Bild eines Politikers im Wahlkampf prägen? Wir fragten Medienberater und Image-Experten nach ihrer Meinung.

Michael H. Spreng

Natürlich ist es ungerecht. Das Foto ist nur eine Momentaufnahme, wahrscheinlich hätte jeder von uns so reagiert, trotzdem: Die Wirkung ist verheerend. Steffel, der sich hinter dem Rücken von Edmund Stoiber duckt, der dahinter Schutz sucht. So einem soll man seinen eigenen Schutz anvertrauen? Nehmen wir bloß Helmut Kohl zum Vergleich, damals in Halle. Es war vielleicht nicht die feine Art, auf die Eierwerfer zuzustürmen, aber es hat ihm Respekt eingebracht bei den Leuten. In einer Hinsicht aber hat Steffel noch Glück. Nämlich, dass Stoiber sein Schutzschild ist und niemand, der in der Berliner Politik mitmischt. Würde er sich beispielsweise hinter Kohl verstecken, würden viele Zeitungen das Foto immer wieder als Symbolbild drucken.
Michael H. Spreng ist freier Medien- und Kommunikationberater in Hamburg

Hans-Hermann Tiedje

Dieses Foto schadet dem Kandidaten Steffel nur bei jenen einfältigen Zeitgenossen, die sich subjektiv auf die Seite der Chaoten geschlagen haben, denn hier wurde nicht nur mit Eiern, sondern mit Steinen, Batterien und vollen Flaschen geworfen.
Hans-Hermann Tiedje ist Medienberater von Helmut Kohl

Lea Rosh

Ich glaube nicht, dass Frank Steffel dieses Bild schaden wird. Er hat eine sehr spontane und menschliche Reaktion gezeigt. Mit offener Brust würde sich keiner Eiern, Flaschen und Batterien entgegenwerfen.
Lea Rosh, Kommunikation & Medien Gmbh

Axel Wallrabenstein

Das Foto zeigt eine authentische Schrecksekunde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Bild im Wahlkampf eine Rolle spielt. Mich ärgert nicht so sehr das Foto als vielmehr die politische Kultur, die sich hier zeigt. Michael Glos ist von einer Flasche am Kopf getroffen worden. Dass die Opfer jetzt die Blöden sein sollen, ist mir unbegreiflich.
Axel Wallrabenstein von der Agentur Publicis ist PR-Berater der Berliner CDU

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