Medien : Eigentlich ist es so einfach

Wie aus „Harald Schmidt“ eine göttliche Sendung werden kann

Matthias Kalle

Muss Schmidt zum Friseur?

Er sollte. Anderenfalls unterziehen sich Harry Rowohlt, Fritz J. Raddatz und Käpt’n Blaubär einer Ganzkörper-Rasur und machen einen auf Harald Schmidt.

Braucht Schmidt Helmut Zerlett?

Und zwar so lange als Counterpart , bis Andrack aus seiner Starre erwacht. Also...

Größere Bühne für die ARD-Band?

Unbedingt – wie sieht das denn aus? Man hat Angst, dass da einer runterfällt, so klein und schmal scheint die Bühne zu sein. Den Schlagzeuger sieht man gar nicht, weil da Bassist und Gitarrist vorstehen. Warum sieht in der ARD eine Bühne, auf der Musiker spielen, immer so aus wie beim „Scheibenwischer“?

Soll Manuel Andrack zum „Scheibenwischer“ wechseln?

Es wäre zumindest denkbar. Andrack nervt bei Schmidt langsam ein bisschen und verkommt zusehends zum Lakaien – beim „Scheibenwischer“, wo es ja nur Lakaien gibt, die sich dem Studiopublikum andienen, wäre Andrack aber eine Offenbarung. Denn Andrack könnte da seine Bildung ausspielen und seine Publikumsverachtung, die bei Schmidt nicht immer zur Geltung kommen darf, weil das Sache des Chefs ist.

Muss Schmidt mehr ans Feuilleton denken?

Schmidt hat erkannt, dass Politik das Thema des Jahres 2004 war und das Thema des Jahres 2005 sein wird. Das sollte aber reichen. Genug Feuilletonisten hatten 2004 nix zu schreiben, weil Schmidt ihnen nicht sagte, worüber sie schreiben sollen. Schmidt muss – zum Wohle aller – über Bücher, Filme, Theater und Pop sprechen. Und damit die deutschen Feuilletonisten retten.

Weniger Ranschmeiße an die Politik?

Vielleicht ist es nur ein Zufall, dass die große Schmidt-Besprechung der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ im Politikteil und nicht auf der Medienseite im Feuilletonteil stand. Vielleicht will Schmidt da aber auch hin – die erste Sendung war eine politische Sendung, vielleicht will Schmidt auch einmal eingeladen werden, wenn Kanzler Schröder sich mit Kulturschaffenden umgibt. Vielleicht will er so den „Scheibenwischer“ überflüssig machen und so Andrack für immer an sich binden. Wie man es dreht und wendet: Weg mit der Politik!

Soll Schmidt weiter denglisch reden?

Ein scharfes Nein. Wenn deutsche Menschen, deren Beruf der Humor ist, derselbe ausgeht, dann reden sie denglisch, franzdeutsch oder italtedesco. Wer denglische Witze macht, ist selbst in Köln ein Provinzler.

Verdient Schmidt eigentlich zu wenig?

Da muss man leider sagen: Ja. Viel zu wenig. Wo kommen wir denn hin, wenn so einer weniger verdient als Menschen, die ihre Firmen hurtig in die Pleite fahren? Wenn so einer weniger verdient als Moderatoren, deren einzige Leistung darin besteht, Fragen von einem Monitor abzulesen? Außerdem, und ganz im Ernst, soll sich „Bild“ noch reaktionärer, spießiger und neidischer über das Schmidt-Gehalt äußern und grottenlangweilige Uefa-Cup-Spiele verteidigen. Zu lustig.

Was muss hinter Andrack im Bücherregal stehen?

Was steht da überhaupt? Bücher? DVD-Geschenk-Boxen? Die Bänder von alten Anke-Engelke-Folgen? Egal – was da rein muss: Lexikon, Diercke Weltatlas, ein Foto von Günter Struve und Johannes B. Kerner, was zu knabbern, ganze Jahrgänge von „Theater heute“ und Blumen. Blumen? Ja, warum denn nicht? Dann hören vielleicht auch die Kollegen auf zu nörgeln, denen „das Weibliche“ fehlt.

Soll Schmidt weiter an der Pfeife nuckeln?

Meister, lass ab! Ansonsten nuckelt auch noch die letzte Pfeife.

Fragen plus Antworten: Joachim Huber und Matthias Kalle.

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