Medien : „Eigentlich wollte ich auch die Liebesszene machen“

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Herr Sparwassser, was war schwieriger: Ihr Tor 1974 bei der Fußball-WM oder Ihre Szene im Film „Küss mich, Genosse!“?

Das Tor 1974. Da hatte ich bloß einen Versuch. Bis ich der Jenny im Film mit dem Fußball richtig gegen den Kopf geschossen hatte, damit die in Ohmacht fällt, brauchte es rund 15 Versuche. Aber das muss man mir zugestehen. Ich bin 30 Jahre raus aus dem aktiven Geschäft.

Sie haben mal gesagt, dass Ihnen das Tor möglicherweise mehr geschadet als genutzt hat.

Es hat mir im Endeffekt vielleicht auch was verbaut, in beruflicher und privater Hinsicht. Eine lange Geschichte. Darüber möchte ich gar nicht mehr so gerne reden. Am Ende habe ich 1988 das Land verlassen.

Vielleicht war der Druck sehr groß, gesellschaftlich. Durch das Tor gegen die BRD waren Sie plötzlich in der DDR ein Held.

Nein, das hat mit Druck nichts zu tun. Ich sollte Trainer werden beim 1. FC Magdeburg. Das wollte ich nicht. Mein Ziel war es, im Nachwuchsbereich zu arbeiten. Von da an war meine berufliche Perspektive im Eimer. Dann überlegt man sich mit 40: Was macht man? Dann kommt die Gelegenheit, und man sagt: Tschüss.

Und spielt sich 18 Jahre später selbst, in einem Film auf einem Privatsender.

Vorher war ich ja auch Trainer bei Darmstadt 98. Letztes Jahr kam dann ein netter Anruf von der Sat-1-Redaktion. Eigentlich hatte ich gedacht, ich darf nicht nur dribbeln und schießen, sondern mache auch noch die Liebesszene am Ende.

Vielleicht in weiteren Filmen?

Nur wenn Hollywood anruft. Im Ernst, Ende des Jahres ziehe ich mit der Familie von Frankfurt am Main nach Falkensee. Wir eröffnen dort eine Fußballschule. Dann bin ich wieder in der Heimat.

Jürgen Sparwasser, 58, schoss 1974 für die DDR das legendäre 1:0 in der WM-Partie gegen die Bundesrepublik.

Mit ihm sprach

Markus Ehrenberg.

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