Medien : Eigentor der Woche

Seit drei Monaten ist der Liga-Fußball im Fernsehen neu verteilt. Gelohnt hat es sich nicht für alle

Markus Ehrenberg

Wenn sich Oliver Reichert, der Geschäftsführer des Deutschen Sport Fernsehens (DSF), montags die TV-Quoten anschaut, dürfte ihn ein mulmiges Gefühl beschleichen. „Bundesliga – der Sonntag“, eine der Vorzeigesendungen des Spartensenders, hat an den ersten elf Spieltagen der Fußball-Bundesliga gegenüber der Vorsaison mehr als die Hälfte seiner Zuschauer verloren. Grund ist die Verschiebung der Sendung in die späten Abendstunden, eine Folge der Bundesliga-TV-Reform. Damit hat die Deutsche Fußball Liga am Anfang dieser Saison die Karten in Sachen TV-Berichterstattung neu verteilt, mit mehr Exklusivität für das Bezahlfernsehen und späteren Sendezeiten für die Bundesligasendungen im Free-TV. Das hat ARD, ZDF, Arena und DSF unterschiedlich getroffen. Ein Blick in die Redaktionen nach elf Spieltagen.

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Die „Sportschau“ zumindest sorgt für gute Stimmung in den ARD-Chefetagen. Am vergangenen Sonnabend feierte sie mit 6,32 Millionen Zuschauern einen Reichweitenrekord für die noch junge Saison. Den zehnten Spieltag der Vorsaison hatten 6,05 Millionen Fußballfans gesehen. Im Schnitt waren bisher 5,29 Millionen zur „Sportschau“-Zeit vor dem Fernseher (Vorsaison: 5,09 Millionen). Viele Fußballfans beklagen allerdings, dass nicht mehr das Spiel im Mittelpunkt stehe, sondern gefühlte 30 Minuten mit Handyverkäufer Uli Hoeneß, dem „Tor der Woche“, Bundesliga-Nostalgie, „Tagesschau“ und drei Werbeblöcken. Und startete das Spiel des Samstags in der vergangenen Saison gegen viertel nach sieben, müssen die Fans in der neuen „Sportschau“ fast eine halbe Stunde länger auf den Höhepunkt warten. Mehr Werbung, weniger Fußball? Der Eindruck täusche, sagt „Sportschau“-Chef Steffen Simon. „In den letzten drei Jahren gab es bis zu 21 Minuten 43 Sekunden Werbung in 92 Sendeminuten. Ab der Saison 2006/2007 sind es maximal 18 Minuten 20 Sekunden. Allerdings ist ein zusätzlicher sogenannter Split Screen integriert worden. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass wir mehr Werbung zeigen, als bisher.“

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Etwas Werbung läuft auch beim Pay-TV-Sender Arena, der bei Kritik und Zuschauern erstaunlich gut aus den Startlöchern gekommen ist. „Nach drei Monaten sind wir mehr als im Plan“, sagt Programmchef Déjan Jocic. In Sachen Kundenzahl hält sich Arena allerdings weiterhin bedeckt. Bis Weihnachten sollen es angeblich eine Million Abonnenten sein. Insider bezweifeln, dass das klappt. Über Premieres Kabelplattform, die Arena sendet, sollen rund 425 000 Abonnenten dazugekommen sein. Aus den Reihen der Gesellschafter heißt es, auch nach Ablauf des Vertrags mit der DFL 2009 wolle man weiter Bundesliga senden.

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Die neue Ära im Bundesliga-Fernsehen hat das ZDF „Sport-Studio“ deutlich zu spüren bekommen. Sendeplatz und Konzept des TV-Klassikers sind unverändert. Aber nur 2,15 Millionen Zuschauer schalten am späten Samstagabend ein, um sich die Zweitberichte, Studiointerviews und Analysen bei Kerner, Poschmann & Co. anzusehen. Das sind rund 350 000 weniger als im Vorjahreszeitraum. „Natürlich leiden wir darunter, dass noch mehr Leute die ,Sportschau’ sehen, weil sie noch keine ,Arena’, keine Bundesliga am Nachmittag im Pay-TV gesehen haben. Diese Fans sind abends gesättigt. Das war mit Premiere anders“, sagt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.

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Der große Verlierer des neuen Bundesliga-Fernseh-Konzeptes ist das DSF : mit der Zusammenfassung der zwei Sonntagsspiele im Free-TV am späten Abend. Im Vergleich zur Vorsaison gingen mehr als die Hälfte der Zuschauer verloren (durchschnittlich eine Million statt 2,3 Millionen). Durch die Verschiebung von 19 auf 22 Uhr sollten die Live-Übertragungen des Pay-TV-Senders Arena am Sonntagnachmittag aufgewertet werden – zulasten des DSF. „Der Sonntag verläuft nicht nach unseren Erwartungen. Die Zuschauer haben den späten Sendeplatz noch nicht angenommen“, sagt Geschäftsführer Oliver Reichert.

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Früher waren die regionalen Sportsendungen in den Dritten Programmen eine feste Größe. Hier erfuhr der Fußballfan rechtzeitig, was man in der „Sportschau“ nicht zu sehen bekommt: Warum Energie Cottbus die Lausitz bewegt oder Union Berlin wieder nicht aufsteigt. Nun starten diese Sendungen im Dritten am Sonntagabend eine Stunde später, gegen 23 Uhr. „Die alle haben massiv Zuschauer verloren. Wir würden gerne früher anfangen“, sagt RBB-Sportchef Hans-Jürgen Pohmann. Das führte neulich dazu, dass Hintergrundberichte zum Derby Cottbus gegen Hertha 28 Stunden nach Abpfiff im RBB-„Sportplatz“ zu sehen waren.

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Mehr Rechte für das Pay-TV, weniger Free-TV – für die Deutsche Fußball Liga ist das Konzept aufgegangen. Mehr Sorge bereiten der DFL die unerlaubten Mitschnitte von Bundesligaspielen im Internet, beispielsweise über YouTube. Die DFL hat eine Firma beauftragt, das Internet zu sichten und Unterlassungserklärungen einzufordern. Beim Bundesliga-TV sieht man keine Probleme. „Wenn ,Arena’ bald die Eine-Million-Kunden-Marke erreichen sollte, ist das ein toller Erfolg, angesichts der Kürze der Zeit. Das für die Sponsoren wichtigste Format die ,Sportschau’, haben wir gegen den Widerstand mancher Akteure erhalten“, sagt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Die DSF-Quoten seien keine Überraschung. Die Marktforschung habe vor der Rechtevergabe prognostiziert, dass am späten Sonntagabend weniger Zuschauer einschalten würden. Das hat sich schließlich auch im Kaufpreis der DSF-Rechte niedergeschlagen. Daran wird Oliver Reichert am Montag wieder denken müssen.

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