Medien : Ein Ball für die Frau Bundeskanzler

Thomas Eckert

Natürlich gönnt sich auch Phoenix ein WM-Studio. Schön prominent zwischen Reichstag und Kanzleramt aufgebaut. Ganz in Blau und auf einer Plattform, unerreichbar für grölende Fans oder andere Aufdringliche. Das hier ist NICHT RTL. Am Donnerstag war Erhard Scherfer der Moderator. Gewöhnlich muss der Mann Debatten aus dem Bundestag moderieren oder durch endlose Thementage führen. Aber jetzt ist Fußball, und Scherfer hat den italienischen Botschafter zu Gast. Man plaudert nett, der Herr Botschafter ist selbstverständlich im Sakko erschienen, mag die Sonne brennen, wie sie will, und also hat sich auch der Moderator schnell etwas übergeworfen. Das hier ist Phoenix, meine Damen und Herren.

Phoenix liebt Wiederholungen. In den vergangenen Wochen wurden wir mehrfach mit dem Wahnsinnsspiel Italien – Deutschland von 1970 beglückt, kommentiert von dem herrlich wortkargen Ernst Huberty. Gestern wurde auch wiederholt. Unter anderem die Pressekonferenz des Kapitäns der Italiener, Fabio Cannavaro, von vorgestern. Der Star ist in diesem Fall allerdings der Übersetzer, der einen derart herrlichen Unsinn stammelt, dass wir hoffen, dieses Stück noch viele Male wiederzusehen. Dann waren da noch Thiemo Müller und Jens Mende, die sich zu der Frage äußern, ob Klinsmann bleiben soll. Wer sind Müller und Mende? Keine Ahnung. Phoenix verrät es nicht. Weil Phoenix der Ereignis- und Dokumentationskanal ist, ist Scherfer stolz, Bilder von der Übergabe des Finalballes an die Bundeskanzlerin zeigen zu können. Herbert Hainer, der Vorstandsvorsitzende von adidas, überreicht ein Exemplar an Angela Merkel. Herr Hainer sagt: Sehr geehrte Frau Bundeskanzler. Frau Bundeskanzler! Okay, okay, hat keiner gemerkt und war vielleicht auch nicht so wichtig. Aber ohne Phoenix wär uns das Ereignis glatt durchgerutscht. Kann mal einer Thiemo Müller und Jens Mende fragen, wie die das fanden?

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