Medien : Ein „Fortune“ für Österreich

Das Wiener Politmagazin „Format“ wird zum Wirtschaftstitel

Harald Fidler[Wien]

Ein Geschäftsführer der „Zeit“, ein „Spiegel“-Verlagsleiter, und in der Mitte der Wiener Verleger Wolfgang Fellner. Er darf gar das Einführungsreferat halten beim „Hamburger Dialog“, Thema: „Qualitätsjournalismus“. Fast zeitgleich erklärt Fellners Vorstandschef Rudi Klausnitzer auf einer Betriebsversammlung, was Qualitätsjournalismus in Fellners News-Gruppe konkret heißt: Zehn Prozent weniger Kosten müssten künftig entstehen. Weniger Journalisten brauche man wohl auch. Schließlich gehört die Mehrheit an der Wiener News-Gruppe dem Hamburger Verlagsriesen Gruner + Jahr. Von dessen Titeln – etwa „Stern“ und „Brigitte“ – könne man doch Texte günstig übernehmen. Drei Wochen zuvor hieß es schon, dass Fellners einziger Qualitätstitel „Format“ mangels Erfolg neu positioniert wird: als Wirtschaftsmagazin.

Wer ist dieser alpenländische Verleger Fellner eigentlich? Er und sein fürs Kaufmännische zuständiger Bruder Helmuth dürfen noch nicht in der Öffentlichkeit rauchen, da gründen sie schon eine Jugendzeitschrift, später ein Zeitgeistmagazin, das den legendären „Wiener“ rasch überholt. Beide sind längst geschickt verkauft, beide längst eingestellt. Ohne die Fellners funktionierten sie nicht. 1991 starten die Brüder mit dem Springer-Konzern die Wochenillustrierte „News“. Die nennen sie Nachrichtenmagazin und machen sie mit schnellem Journalismus, mit Gewinnspielen und mit Diskountangeboten für Inserenten umgehend zum Marktführer.

Das österreichische Nachrichtenmagazin „Profil“ weiß dem bunten Mitbewerber wenig entgegenzusetzen. Nachdem Springer 1998 an der Donau die Plätze mit Gruner + Jahr getauscht hatte, kam der Frontalangriff: Fellner gründete das Nachrichtenmagazin „Format“. Es sollte die Mutter aller Magazinschlachten beginnen – vor allem im Marketing über gnadenloses Preisdumping.

Das Donau-Doppel-Monopol

Bald nerven die Marketing-Kosten die deutschen Gesellschafter: Im Fall von „Format“ Gruner + Jahr, im Fall von „Profil“ die Essener WAZ-Gruppe, der auch die Tageszeitungen „Krone“ und „Kurier“ je zur Hälfte gehören. Diese Blätter dominieren Österreichs Zeitungsmarkt über ihre Anzeigen-, Vertriebs- und Drucktochter Mediaprint. Dem „Kurier“ gehört eben auch „Profil“, samt einem Dutzend Zeitschriften zweitgrößter Magazinkonzern des Landes. Die News-Gruppe ist bereits mit Abstand Nummer 1.

Medienkartellrecht war in Österreich schon 1987/88 ein Fremdwort, als sich die beiden meistgelesenen Tageszeitungen zur Mediaprint verbinden durften. „Auch wenn ein Konzentrationsgrad erreicht ist, der nicht mehr steigerbar scheint, folgt die weitere Verschränkung, Konsolidierung, Kooperation und Fusion auf dem Fuß“, umreißt der Chef der österreichischen Medienbehörde, Hans Peter Lehofer, die Wiener Verhältnisse. Im Jahr 2001 durften dann die beiden österreichischen Magazingruppen – zu denen die ehemaligen Konkurrenten „Format“ und „Profil“ gehören – zum absoluten Marktbeherrscher fusionieren, an dem sich Mediaprint-Titel „Kurier“ auch noch mit knapp mehr als 25 Prozent beteiligen konnte.

Wehe dem, der in Ungnade fällt

Der Verlagsgruppe News gelang es etwa, den gemeinsamen Anzeigenmarktanteil von österreichweit 60 vor den Kartellrichtern auf 17 Prozent kleinzurechnen – indem sie Fachzeitschriftenverlage einbezog oder als Mitbewerber real nicht existierende Verlagsgruppen konstruierte. Mit starkem politischen Rückenwind segnete das Kartellgericht den Deal 2001 ab. Obwohl die ersten 70 Seiten des Urteils dagegen argumentieren – unter anderem mit Blick auf den Arbeitsmarkt der Journalisten. Wer bei dem Riesen in Ungnade fällt, wandert am besten aus, warnten Gewerkschafter: Außerhalb des Konzerns erscheinen in Österreich keine aktuellen politischen Magazine.

Zwei Jahre später führt das Monopol vor, was man sich unter den Warnungen der Gewerkschafter vorzustellen hat: Von rund 60 „Format“-Mitarbeitern sind 37 zur Kündigung angemeldet, fünf wurden gleich fristlos freigesetzt. Kaum 30 feste Journalisten basteln künftig Woche für Woche am neuen „Format“, das sich am US-Titel „Fortune“ orientieren soll. Um 180 Seiten Umfang soll die erste Nummer haben, die am Freitag kommender Woche erstmals rauskommt. Kein Wunder, dass der Restmannschaft die „80-Stunden- Woche“ in Aussicht gestellt wird.

Die künstlich hoch gehaltene Auflage soll aus Kostengründen von 80 000 auf 60 000 zurückgeschraubt werden. Zu kontrollieren ist das künftig schwerer: Die gesamte Gruppe lässt ihre Auflagen vorerst nicht von der unabhängigen österreichischen Auflagenkontrolle prüfen. Anzeigenkunden verspricht man dafür in „Format“-Präsentationen „wirtschaftsfreundliche Berichterstattung“. Die reagierten im Frühjahr zunächst verunsichert: Zuletzt stach der Titel selbst aus den ohnehin trüben Daten der Wiener Werbebeobachter mit dramatischen Rückgängen hervor.

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