Medien : Ein Gerücht: Post plant Gratisblatt

Joachim Huber

Das Gerücht ist wieder da. Danach prüft die Deutsche Post AG die Einführung einer eigenen Gratiszeitung. Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel habe fertige Pläne für ein solches Blatt in der Schublade. Pressesprecherin Barbara Scheil sagte dem Tagesspiegel: „Das ist im Moment kein Thema. Es gibt auch keine konkreten Planungen.“ Jörg Laskowski, Geschäftsführer Verlagswirtschaft im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), sagte, „der BDZV sieht ein solches Projekt sehr kritisch“. Allerdings hätten die Zeitungsverleger vor der potenziellen Konkurrenz keine Angst.

Möglicherweise will die Deutsche Post AG via hochgekochtes Gerücht die Zähne zeigen. Große Verlage haben sich, beispielsweise über die PIN AG, bereits in Position gebracht, um sich selbst beim Brieftransport – dem profitablen Kerngeschäft des Bonner Konzerns – stärker zu engagieren. Hier läuft das Monopol der Post Ende des Jahres aus.

Drängen also die Verlage aufs Feld der Post, dann könnte die Post die Verlage im Zeitungsmarkt unter Druck bringen. Die Post erreicht über ihre Briefträger jeden Haushalt der Republik, der Vertrieb für eine Millionenauflage ist gesichert. Andererseits ist der Zeitungsmarkt ein Morgengeschäft, das Gratisblatt der Post wäre der späteren Zustellung wegen eine „Hausfrauenzeitung“. Mit „Einkauf aktuell“ hat der Konzern im Segment der Beilagen Land gewonnen. Das ärgert die Verleger, die in anderen Bereichen mit der Post gut kooperieren, so bei den Post-Abos. Auch werden die Anzeigen von Post und Tochter DHL gern gedruckt.

Bereits im Vorfeld eines potenziellen Post-Blattes weist der BDZV darauf hin, dass der größte Aktionär der Post AG nach wie vor der Bund ist. Es könne nicht angehen, dass der Staat sich selber zum Verleger aufschwingt. Noch dazu werde die Post ihren Aktionären, darunter auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, nur mit Mühe erklären können, dass der Jahresgewinn durch ein Investment in den teuren und schwierigen Zeitungsmarkt sinken soll. Joachim Huber

0 Kommentare

Neuester Kommentar