Medien : Ein Kessel Buntes

„Dellings Woche“ ersetzt im WDR-Fernsehen Frank Plasbergs „Hart, aber fair“

Thomas Gehringer

„Wenn man ihn jetzt ins kalte Wasser schmeißt, könnte er sich die Finger verbrennen.“ Das ist so ein typischer Gerhard-Delling-Satz, ein gewagtes Wortspiel mit Widersprüchen, bei dem sich die Elemente Feuer und Wasser auf wundersame Weise verbinden. Fernsehmoderator Delling weiß nicht mehr, um welchen Sportler es da vor Jahren ging, aber „ich kann mich noch gut daran erinnern, als es mir so in den Kopf kam“. Und das war durchaus kein Versehen. Das sei doch „ein schöner Widerspruch in sich und trotzdem weiß jeder, was gemeint ist“, sagt er.

Es wäre übertrieben zu sagen, Gerhard Delling werde heute als Nachfolger von Frank Plasberg im WDR-Fernsehen selbst ins kalte Wasser geworfen. Schließlich steht der 48-Jährige nicht erst seit gestern vor der Kamera. Trotz seines Hangs zu eigenwilligen Metaphern ist er ein routinierter, souverän wirkender Sportmoderator, seit 1992 auch bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, Schwerpunkt Fußball. Delling war bis 2006 NDR-Sportchef, erhielt gemeinsam mit Günter Netzer den Grimme-Preis für die Kabbeleien vor und nach Fußball-Länderspielen, moderierte mehrere Sendungen jenseits des Sports, einmal sogar als Urlaubsvertretung bei den „Tagesthemen“.

Als der WDR ihm die Plasberg-Nachfolge andiente, zögerte er nicht lange. „Wenn du was machen willst, dann tu’s, denn nur der Dumme hat Tabus.“ Das ist noch einer von Gerhard Dellings Lieblingssätzen, stammt aber von dem Liedermacherduo Schobert und Black. Auch Nordrhein-Westfalen ist dem gebürtigen Rendsburger nicht (völlig) fremd. Köln kennt er gut, denn seit 20 Jahren reist er zu „Sportschau“-Sendungen an. Außerdem stammen seine Mutter und deren Familie aus Essen. Gerhard Delling aus Schleswig-Holstein hat noch einen Onkel in der Eifel und zwei im Ruhrgebiet, na bitte. Man darf ihm also einiges zutrauen.

Wenn man nur wüsste, was. Denn die 45, ab nächstem Jahr 90 Minuten lange wöchentliche Sendung „Dellings Woche“, die das ins Erste gewechselte „Hart, aber fair“ ersetzt, klingt wie ein großer Gemischtwarenladen, aus dem man sich nach Lust und Laune mal hier, mal da bedient. Interviews, Einspielfilme, Studioaktionen, Publikumsgespräche und Livereportagen – „Dellings Woche“ wird entweder total abwechslungsreich oder ein Kraut-und-Rüben-Format. Auch sonst will man sich nicht so recht festlegen: Die Themen können NRW-Bezug haben oder auch bundesweit von Bedeutung sein. Außerdem können sie aus allen gesellschaftlichen Bereichen kommen. Es gehe in erster Linie um Charaktere und Persönlichkeiten, „die etwas Besonderes zu erzählen haben“, sagt Delling. Eines ist allerdings klar: „Wir sind keine politische Sendung.“ Insofern ist Delling kein Nachfolger von Plasberg, dessen Themen ebenfalls aus allen gesellschaftlichen Bereichen kommen, dessen Sendung aber immer politisch ist.

Also Boulevard? Das ganz gewiss. In der ersten Sendung ist ein Mann zu Gast, dessen Frau vor einem Jahr von einem rückfälligen Sexualstraftäter ermordet wurde. „Das Tragische daran: Er war Schließer und kannte den Täter“, erklärt Delling. Nun möchte der Angehörige des Opfers auf Fehler und Missstände im Umgang mit Sexualstraftätern aufmerksam machen. Da wird Gerhard Dellings Fingerspitzengefühl gefordert sein, und auch sonst scheint seine Rolle über die des Moderators hinauszugehen. Er „recherchiert, wird selbst aktiv und hilft auch, Probleme zu lösen“, heißt es im Pressetext des WDR. Schön zu hören, dass Delling aktiv sein und Probleme lösen kann, aber was verbirgt sich dahinter? „Ich fahre nicht hin und lasse mir einfach vorlegen, was die Redaktion ausgetüftelt hat. Wir suchen gemeinsam nach Themen und Persönlichkeiten. Ich möchte die Recherche miterleben, sonst bringt es keinen Spaß.“

Seinem Einsatz als Sportmoderator wird dieser Spaß nicht im Wege stehen. Delling moderiert weiter die ARD-„Sportschau“ und den DFB-Pokal, wird bei der Handball-EM in Norwegen 2008 zu sehen sein sowie die Einsätze der Fußball-Nationalmannschaft gemeinsam mit Günter Netzer mindestens bis zur Europameisterschaft begleiten. Wahrscheinlich aber länger, denn „wir verspüren keine Langeweile, und wie die Resonanz und die Einschaltquoten zeigen, mag es das Publikum auch noch immer“. Das könnte allerdings daran liegen, dass zwischen dem Delling-Netzer-Geplänkel noch das eine oder andere Fußballspiel übertragen wird. Ist natürlich nur eine Vermutung.

„Dellings Woche“, WDR-Fernsehen, mittwochs um 21 Uhr

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