Medien : Ein Land sieht fern

Das WM-Halbfinale erreichte die höchste jemals gemessene Einschaltquote

Barbara Nolte

Über die Hälfte der Deutschen hat sich die Niederlage der deutschen Nationalelf gegen Italien angeschaut. 29,66 Millionen verfolgten das Spiel zu Hause vor dem Fernseher – das ist der höchste Wert seit Beginn des GfK-Messverfahrens im Jahr 1985. In der Verlängerung stieg die Quote sogar auf 31,31 Millionen. Nicht eingerechnet sind da die Menschen, die das Spiel auf Großbildleinwänden, in Kneipen oder am Arbeitsplatz gesehen haben. „Wir rechnen mit weiteren 15 bis 16 Millionen“, sagt der stellvertretende Leiter der ZDF-Fernsehforschung, Heinz Gerhard. Die genaue Zuschauerzahl des so genannten Public Viewing muss mit einer Forsa-Umfrage ermittelt werden und steht deshalb in ein paar Tagen fest. Zum Vergleich: Beim Spiel Deutschland gegen Argentinien waren es 15,7 Millionen, die außer Haus schauten.

In Marktanteilen gerechnet (der Wert gibt an, in wie vielen der zu einem bestimmten Zeitpunkt eingeschalteten Geräten die jeweilige Sendung läuft), kam das vom ZDF übertragene Halbfinale auf den überragenden Wert von 84,1 Prozent. Obwohl das Konkurrenzprogramm mit der Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ (ARD) oder der New-York-Sitcom „Sex and the City“ (Pro 7) auf vermeintlich an Fußball desinteressierte Frauen zugeschnitten war, erreichten die Sendungen Marktanteile von nur ein bis drei Prozent. Überraschenderweise schauten sogar mehr Frauen das Italien-Spiel als Männer: 14,7 Millionen Frauen ab 14 Jahren und nur 13,22 Millionen Männer saßen vor dem Bildschirm. Eine Tendenz, die sich schon bei der Partie gegen Argentinien abzeichnete, als erstmals beim Fußball der Frauenanteil den der Männer überstieg.

Auf Platz zwei der historischen Quotenrangliste des Fernsehens liegt das WM- Endspiel von 1990 Deutschland gegen Argentinien mit 28,66 Millionen Zuschauern (siehe Grafik). Es folgen das EM-Endspiel Deutschland gegen Tschechien von 1996 sowie viele weitere WM- und EM-Spiele mit und ohne deutsche Beteiligung. Lediglich zwei Folgen der ZDF-Serie „Schwarzwaldklinik“ durchbrachen mit 28 beziehungsweise 27,2 Millionen Zuschauern die Fußballdominanz bei den Quoten. Allerdings stammen die Folgen aus den Jahren 1985 und 1986, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen fast ohne private Konkurrenz sendete.

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