Medien : „Ein Leben für den Frieden“

Fernsehbiografie mit Michael Mendl über Papst Johannes XXIII.

Thilo Wydra

Noch ein Historien-Film mag der Fernseh-Zuschauer denken. Aber Geschichte, ob nun weiter zurückliegend („Napoleon“) oder erst vor wenigen Jahrzehnten geschehen („Das Wunder von Legende“), ist eben à la mode. Jüngstes Beispiel ist nun „Ein Leben für den Frieden – Papst Johannes XXIII.“ Das ZDF strahlt den Zweiteiler der RAI nur als Einteiler aus, der mit seiner Laufzeit von 109 Minuten etwas länger als das gängige 90-Minuten-Format ist. Nun gut. Vielleicht ist es ja auch ein allzu römisches Sujet, mag man sich auf dem Mainzer Lerchenberg gedacht haben, angesichts einer Quote von 13 Millionen Zuschauern bei der italienischen Erstausstrahlung, die hier zu Lande jeder Redakteur ins Reich der Träume verweist. Oder es ist ohnehin so, wie es Michael Mendl, einziger deutscher Akteur im Film, erklärt: „Vielleicht haben die Italiener auch einfach etwas andere Sehgewohnheiten als wir. Zumal solche Themen – der Papst, Geschichte, Rom – dort ja auch auf der Hand liegen, das sehen die Italiener eben sehr gern.“

Es ist das Jahr 1958, als Papst Pius XII. stirbt. Ein Nachfolger muss her. Auch der Patriarch von Venedig, Angelo Roncalli („Lou Grant“-Darsteller Edward Asner), wird zur Konklave, der Papst-Wahl, in den Vatikan berufen. Roncalli selbst ist frei von jeglichen Ambitionen auf das Amt, ist überrascht von dem Macht- und Intrigenspiel um ihn herum. Kardinal Tardini (Michael Mendl) und Monsignore Ottaviani (Claude Rich) treiben die konservative Front voran, sind gegen die progressive Fraktion. Doch auch nach mehreren Wahlgängen ist kein neuer Papst gefunden. Ein Kompromiss zeichnet sich ab: Angelo Roncalli, der Ältere, der Schwache, der Außenseiter, er wird schließlich gewählt, und Tardini und Ottaviani erhoffen sich größere Einflussnahme. Doch der neue Papst Johannes XXIII. erweist sich als ein bodenständiger Mann des Volkes und erfährt eine ungeahnte Beliebtheit. Ein Papst, der das 2. Vatikanische Konzil und über 3 000 Geistliche einberuft, aus aller Herren Länder. Ein Papst, der Verkrustungen aufbricht. Mit 82 Jahren, nach Vollendung der Friedensenzyklika „Pacem in terris“, stirbt er im Jahre 1963, nach nur fünf Jahren Pontifikat.

Michael Mendl spielte zuletzt Willy Brandt in „Im Schatten der Macht“. Für einige war er Willy Brandt. „Natürlich ist Willy Brandt mir am nächsten, das ist für mich das absolute Highlight in meinem Fernsehschaffen, und das wird es wahrscheinlich auch für lange Zeit bleiben. So etwas ist ja nicht unser normaler Fernsehalltag, das ist etwas Exemplarisches, das ist schwer zu toppen.“

Schon vor der Brandt-Rolle spielte Mendl in dem Papst-Film mit, und rückblickend auf beide Produktionen meint der 59-jährige Schauspieler: „Ich sehe da durchaus Parallelen zwischen Willy Brandt und diesem Papst Johannes XXIII.“ Beide hätten in Visionen gedacht: „Der Papst wollte schwarze Kardinäle ernennen, sprach vom Sich-Öffnen für die Zukunft. Kleine Schritte. Und bei Brandt die Ost-West-Verhandlungen. Und diese Volkesnähe, dieses Charismatische, und liberales Denken.“

Der Schauspieler meint, dass die Kardinals-Figuren, die Claude Rich (Ottaviani) und (Tardini) er spielen, „dramaturgisch härter und schärfer hätten sein können. Ich hätte mir das einfach deswegen gewünscht, damit die Fallhöhe größer ist, wenn Kardinal Tardini, der ja ein konservativ-verkrusteter Querulant ist, umschwenkt und sich dem Papst wieder zuwendet.“ Just dieser Wandel wäre auch für den deutschen Zuschauer interessant. Und der kommt in dem originären Zweiteiler besser raus als in der einteiligen deutschen Fassung. Interessant sicherlich auch, dass Mendl während des Drehs spürte, dass man mit den italienischen Kollegen zwar über den Vatikan sprechen kann, jedoch nur solange, wie es nicht um dessen Machteinfluss und um jene Dinge geht, die in Rom lieber tabuisiert werden.

„Ein Leben für den Frieden - Papst Johannes XXIII“: 20 Uhr 15, ZDF

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