Medien : Ein Luftschiff

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Von Jutta Heess

Eigentlich sollten die Bauarbeiten für den „Medienpark“ längst begonnen haben. Doch an Stelle von Baggern und Baugerüsten sieht man auf dem Gelände hinter dem ZDF-Sendezentrum in Mainz nach wie vor bloß Raps und Rüben. Und weit und breit keine Spur vom begehbaren „Sport-Studio“, dem Mainzelmännchen-Haus oder dem Hotel-Restaurant in „Traumschiff“-Form. Statt eines Luxushotels hat das Zweite jetzt ein Luftschloss im Internet gebaut. Unter dem Motto „Fernsehen hautnah erleben“ wird der Medienpark im Netz ausführlich präsentiert. Der Cyberspace überholt damit die Realität, denn wer sich unter der Internet-Adresse www.zdfmedienpark.de einklickt und dem vorgegebenen „Rundgang“ folgt, der könnte den Eindruck gewinnen, die geplanten Attraktionen des „ZDF-Medienparks“ würden bereits existieren.

Dabei liegt der erste Spatenstich für das rund 110 Millionen Euro teure Projekt noch in weiter Ferne. Die Eröffnung des Tele-Freizeitparks ist auf der Website zwar für Frühjahr 2004 angekündigt, doch bis dahin müssen das ZDF und die für den Medienpark zuständige Entwicklungsgesellschaft (MPEG) noch einige Hürden überwinden. Unter anderem muss ein Investor gefunden werden. Die ursprüngliche Partnerschaft mit dem Frankfurter Unternehmen Hortana war im vergangenen Jahr geplatzt. Da aber die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt keine Rundfunkgebühren für ihren Freizeitspaß ausgeben darf, muss ein privater Investor her. Man sei mit mehreren Kandidaten im Gespräch, erklärt der MPEG-Geschäftsführer Peter Wagner. „Doch alle werden natürlich die Klärung der rechtlichen Situation abwarten, bevor sie endgültige Entscheidungen treffen.“

Die Wettbewerbsklage dreier Freizeitparks wurde im letzten Sommer vom Oberlandesgericht Koblenz zwar abgewiesen, doch endgültige juristische Klarheit wird es frühestens Anfang September geben. Dann nämlich steht die Normenkontrollklage einiger Anwohner vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz zur Verhandlung an. Unterstützt werden die Kläger bei diesem Prozess von der Bürgerinitiative gegen den Medienpark. Sie fechten den Bebauungsplan für das 55 Hektar große Areal auf dem Lerchenberg an, das die Stadt Mainz dem Fernsehsender in den 60er Jahren zu einem Spottpreis überlassen hatte – allerdings unter der Bedingung, dort Sendeeinrichtungen zu errichten.

Die Nutzung des Geländes für einen Freizeitpark verstößt nach Ansicht der Bürger gegen diese Abmachung. Über den Ausgang des Verfahrens lässt sich derzeit nur spekulieren. Fest steht, dass die Zeit zugunsten der protestierenden Anwohner vergeht. „Je länger die Realisierung aufgeschoben wird, um so größer sind unsere Chancen, dass der Medienpark gar nicht kommen wird“, hofft der Sprecher der Bürgerinitiative, Friedrich Begemann, und verweist auf die von Jahr zu Jahr abgespeckten Pläne des ZDF. So haben die Verantwortlichen anfangs mit 200 000 Besuchern im Monat gerechnet, jetzt aber ihre Erwartungen auf 80 000 runtergeschraubt. Begemann glaubt, dass das Zweite nicht nur wegen der unklaren rechtlichen Lage große Mühe hat, einen Investor zu finden, sondern auch, weil das gesamte Vorhaben auf wackeligen Beinen steht. „Der Park rechnet sich nicht“, erklärt er.

Einen weiteren Unsicherheitsfaktor sieht Begemann im neuen Intendanten Markus Schächter. „Er hat sich bislang noch nicht sehr deutlich für den Medienpark ausgesprochen“, sagt Begemann. Er habe eben im Moment sicher erst mal andere Dinge im ZDF zu tun. Was Schächter anders sieht: „Ich bin zuversichtlich, dass der Planungsstreit um den ZDF-Medienpark zu einem guten Ende gebracht werden kann.“

Der kürzlich verabschiedete Intendant Dieter Stolte jedenfalls muss sich damit zufrieden geben, sein ausgewiesenes Lieblingsprojekt im Internet zu betrachten. Und wer weiß, womöglich endet sein Wunsch nach einem Freizeitpark in der realen Welt als Wille und virtuelle Vorstellung.

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