Medien : Ein Mann für alle Fälle

Gert Scobel moderiert jetzt auch „sonntags“ beim ZDF

Thomas Gehringer

„Man kann auch in kurzer Zeit ziemlich schwierig werden.“ Diese Aussage darf man Gert Scobel unbedingt glauben. Nicht, dass der 43-jährige Journalist, studierte Philosoph und katholische Theologe den Eindruck eines sonderlich schwierigen Zeitgenossen machen würde. Im Gegenteil. Aber Scobel, der mit diesem Satz die besorgte Anfrage einer Fernsehkritikerin über möglicherweise nicht ausreichende Sendezeit schmunzelnd pariert, kann sich mühelos zu philosophischen Exkursen emporschwingen und dabei eine „Meta-Ebene“ (eines seiner Lieblingswörter) nach der anderen erklimmen. Der 43-Jährige ist ein ausgesprochen kluger Kopf und moderiert dennoch Fernsehsendungen – eine erfreuliche Kombination. Zu besichtigen noch im „ARD-Morgenmagazin“, wo Gert Scobel im Sommer nach zwei Jahren, wie mit seiner Familie vereinbart, wieder aufhört, weiterhin im 3-sat-Magazin „Kulturzeit“ (montags bis freitags, 19 Uhr 20). Und von morgen an (9 Uhr) auch beim ZDF-Magazin „sonntags“.

Die neue 30-minütige Sendung ist eine Mischung aus journalistischen Beiträgen, Service und christlich-religiöser Reflexion. Dort möchte Scobel „Menschen ansprechen, die nichts dagegen haben, gelegentlich ins Denken zu verfallen“. Gerne würde er dabei „Themen setzen wie die großen Feuilletons“. Spontan fällt ihm die Neurotheologie ein, die nach Ansicht Scobels in der Öffentlichkeit zu wenig diskutiert werde. Während er aus dem Stegreif zu einem Kurzvortrag über die Schnittstelle von Gehirnforschung und Theologie ansetzt, lassen sich die neben ihm sitzenden ZDF-Redakteure in einem Akt tapferer Selbstverleugnung den Schreck nicht anmerken, der ihnen ob dieses Vorschlags in die Glieder gefahren sein dürfte.

Für die Premierensendung haben sie sich das etwas populärere Thema „Wasser“ vorgenommen. Über die zunehmend gefährdete Trinkwasser-Versorgung und über Wasser als religiöses Symbol sollen zwei Filmbeiträge gezeigt werden. Dazu wird Weltumsegler Wilfried Erdmann im Studio von seinen existenziellen Erlebnissen mit dem nassen Element berichten. Neben dem jeweiligen Schwerpunktthema gibt es die festen Rubriken „Menschen & Projekte“, „Tipp zur Woche“ und „Der Ausflug“.

Das von der katholischen und der evangelischen ZDF-Redaktion gestaltete Magazin löst die bisherige, eher kirchlich orientierte Sendung „Zur Zeit“ ab. Mit „sonntags“ soll zwischen Kinderprogramm und Gottesdienst ein neues, jüngeres Publikum gewonnen werden, ohne die Älteren zu vergraulen. Sogar auf die Formel-1-Zuschauer schielen die Macher, wenn sie an einem Rennwochenende den Schwerpunkt „Geschwindigkeit“ wählen werden. „Durchaus mal amüsant und locker“ solle es zugehen, sagt Redakteur Reinold Hartmann. Gert Scobel zwischen leichter Unterhaltung und nachdenklicher Tiefe. Ein Mann, von dem man erwartet, dass er den Spagat beherrscht.

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