Medien : Ein Meister unter Druck

Arte-Themenabend über den Regisseur Oliver Stone

Simone Schellhammer

Der dreifache Oscarpreisträger hat Kinogeschichte geschrieben. Mit enormem Erfolg hat Oliver Stone das Publikum vor allem in den USA dazu gebracht, über sich selbst nachzudenken. In den Vietnamfilmen „Platoon“ und „Geboren am 4. Juli“, dem 80er-Jahre-Movie „Wall Street“ oder in „Natural Born Killers“. Nun hat er sich an das größte amerikanische Trauma gemacht und den Film „World Trade Center“ inszeniert, auf erstaunlich unpolitische Art (ab 28. September in deutschen Kinos). Aus dem Anlass und wohl auch, weil Stone in ein paar Tagen 60 Jahre alt wird, widmet ihm Arte einen Themenabend. Zunächst mit dem Spielfilm „Nixon – Der Untergang eines Präsidenten“, den ein Kritiker im Stone-Porträt als „halb ehrenvollen Misserfolg“ bezeichnet, der jedoch einen Oscar für das Drehbuch erhielt.

Die Doku „Oliver Stone – Hollywoods Lieblingsrebell“ (23 Uhr 50) beginnt bei einem Nachtdreh am Set von „World Trade Center“. Völlig unnötig wird Stones Fahrt im Elektro-Caddy zum Drehort mit dramatischer Musik unterlegt. Schnell wird klar: Der Mann steht unter Druck. Unter dem eigenen, ganz große Bilder für die ganz großen Themen der Menschheit finden zu müssen, und unter dem der Kritiker, die ihn in die Schublade des „linken Nestbeschmutzers“ stecken. Außerdem geht es gewissermaßen um sein Comeback. Das Monumentalepos „Alexander“, das Stone seinen persönlichsten Film nennt, floppte vor zwei Jahren. Da kann ein schönes Porträt durch das „german television“ nicht schaden. Stephan Lamby, der Dokus über Helmut Kohl und Stefan Aust gedreht hat, lernte Stone 2003 kennen, als beide an einem Film über Fidel Castro arbeiteten. Der Autor ist nicht dafür bekannt, dass er sein Gegenüber besonders locker macht. So beschreibt Stone recht distanziert seinen Weg vom Sohn eines Börsenmaklers über den freiwilligen Kriegseinsatz in Vietnam bis zum Geschichtsschreiber der Nation in Hollywood. Umso amüsanter die Anekdote, in der der junge Oliver seinem Vater LSD in einen Drink mischt. Neben Produzenten kommen Schauspieler wie Charlie Sheen („Platoon“) und Val Kilmer („The Doors“) zu Wort, die das Alter Ego des Regisseurs verkörperten.

„Nixon – Der Untergang eines Präsidenten“, Arte, ab 20 Uhr 40

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