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Ein Nachruf : „Aktenzeichen XY“-Legende Konrad Toenz ist tot

Mehr als 22 Jahre moderierte der Journalist Konrad Toenz die Schaltungen der Kriminalsendung in die Schweiz. Nun erlag er einem Krebsleiden.

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Der langejährige "Aktenzeichen XY... ungelöst"-Moderator Konrad Toenz ist am Sonntag gestorben.
Der langejährige "Aktenzeichen XY... ungelöst"-Moderator Konrad Toenz ist am Sonntag gestorben.Foto: Screenshot ZDF

Sie waren das gefürchtetste Fahndertrio der neueren Fernsehgeschichte: „Aktenzeichen XY... ungelöst"-Erfinder Eduard Zimmermann, sein österreichischer Kollege Peter Nidetzky und der Schweizer Konrad Toenz. Eduard „Ede“ Zimmermann, der Chef im ZDF-Studio, starb 2009, Peter Nidetzky ist beim ORF in Pension gegangen, am Sonntag nun ist Konrad Toenz gestorben.
So blutig die Taten auch sein mochten, die in der Schweiz begangen worden waren, so nüchtern waren trotzdem die An- und Aussagen von Konrad Toenz dazu. Das brachte dem Mann aus St. Moritz, wo er am 23. Mai 1939 geboren worden war, jede Menge Fans ein – in Berlin-Kreuzberg wurde gar eine Kneipe nach ihn benannt, die der Schweizer hin und wieder auch besuchte. Dort wurde auch ein Cocktail nach Toenz benannt. Der „Konrad Toenz“ besteht aus Wodka, Rahm, Orangensaft und Crème de Cassis.


Wenn Zimmermann trocken ankündigte „Wir schalten nach Zürich“, dann gab Toenz auf Hochdeutsch Suchmeldungen der Polizei und Hinweise der Schweizer Zuschauer aus dem Aufnahmestudio bekannt. Klar erkennbar, wie auch in der Mainzer Zentrale oder in der ORF-Dependance in Wien: Verbrechen sind eine ernste Sache, noch ernster die Fahndung, keinerlei Jubel, sofern die Suchmeldungen zum Erfolg geführt hatten. Ernsthafte (TV-)Männer gingen einer ernsthaften Aufgabe nach.


Da Kriminalität nie endet und sich damit „Aktenzeichen XY... ungelöst“ weiter stapeln werden, war der Job von Zimmermann, Nidetzky und Toenz auf Jahrzehnte hinaus sicher. 1976 stieg Toenz in die Moderation der Schaltungen nach Zürich ein, bis 1998 beteiligte er sich und die Schweizer Zuschauer an der Verbrecherli-Jagd.
Toenz war vom Radio zum Fernsehen gekommen, aber hier wie dort machte sich der Journalist von den Moderationsaufgaben nicht abhängig. Er gründete einen Zeitungsausschnittdienst, wandelte die Firma später in eine Agentur für Medienbeobachtung um. 1990 kam eine Firma für Public Relations, Öffentlichkeits- und Pressearbeit dazu. Toenz kapitalisierte so seine „Aktenzeichen XY“-Popularität.
Am Sonntag ist Konrad Toenz einem Krebsleiden erlegen. Der verheiratete Vater von vier Kindern lebte in Dübendorf bei Zürich. Joachim Huber

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