Medien : Ein OP nur fürs Fernsehen

Die Berliner Firma „Flatliner“ hat ein altes Krankenhaus zum TV-Studio umfunktioniert

Wilfried Urbe

Irgendwie sind Ärzte die idealen Medienstars, denn schon seit Jahren sind sie die Helden in diversen Filmen und Serien. „Vor drei, vier Jahren gingen die Arztserien zwar etwas zurück, da war wohl ein Sättigungsgrad erreicht. Durch die neuen gerichtsmedizinischen Formate aus den USA oder Geschichten, in denen sich Ärzte mehr als Detektive betätigen, hat dieser Beruf im Fernsehen wieder eine große Zukunft.“ Das sagt Florian Gekeler. Der ausgebildete Neurologe kann das gut einschätzen, denn mit zwei Kollegen hat er in München das Unternehmen Dox gegründet. Zurzeit betreut Dox die aktuelle Produktion „Post Mortem“. Die Hauptrolle spielt Hannes Jaenicke, der in der Serie für RTL einen Gerichtsmediziner mimt.

Firmen wie Dox gehören inzwischen zum Alltag in der Medienbranche. „Früher waren sich die Bereiche Medizin und Film total fremd“, erinnert sich Stefan Schröder. Das bemerkte er bereits während seiner Studienzeit, als er bei Filmproduktionen jobbte: „Wenn beispielsweise ein Komapatient beatmet werden sollte, wurde zwar ein Atemgerät angeschlossen, das dann aber gar nicht lief. Da warf der Regisseur dem Arzt dann vor, er habe das nicht richtig vorbereitet, während der Arzt meinte, dass sei Aufgabe des Regisseurs gewesen.“ Schröder kaufte dann Geräte und präparierte sie so, dass sie am Filmset die gewünschten Resultate liefern. Mit seiner Berliner Firma „Flatliner“ hat er eigens ein altes Krankenhaus angemietet und zum Filmstudio umfunktioniert: „Mittlerweile können wir einen OP-Saal, eine Arztpraxis, eine Intensivstation sowie die Pathologie drehfertig bereitstellen.“

Über zu wenig „Patienten“ können sich die Berliner nicht beklagen, etwa den „Polizeiruf“ und „Der letzte Zeuge“. Zahlreiche Telenovelas sind übrigens chronische Fälle bei „Flatliner“, darunter „Verliebt in Berlin“ oder „Julia“. Im letzten Jahr gab es auch erste Hilfe für Kinofilme, beispielsweise „Eon Flux“ mit Charleeze Theron, „V for Vendetta“ sowie „Elementarteilchen“.

Kritische Fälle kommen natürlich auch vor. Schröder erinnert sich: „Wir haben mal an einen Film mitgewirkt, der hieß ‚Kunstfehler‘“. Ein heikles Thema für die Weißkittel. Der Regisseur bestand folglich darauf, dass beim Dreh kein noch so kleiner Patzer passierte, sonst hätte der Film keinen Sinn gemacht.“ Ansonsten müssen sich die medizinischen Berater eher zurückhalten. Gekeler: „Uns sind bestimmte Grenzen gesetzt, wir dürfen es aus dramaturgischen Gründen mit der Realitätsnähe nicht übertreiben.“ Und so gesunden die Patienten in Film und Fernsehen wesentlich schneller als im wahren Leben.

Mit einem Schmunzeln erinnert sich Schröder an „Good Bye Lenin“: „Für die Szenen mit der kranken Mutter, der suggeriert wird, dass die DDR noch existiert, mussten wir alte Ost-Medizingeräte auftreiben und zum Laufen bringen – das war gar nicht so einfach.“

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