Medien : Ein Pokal für Jürgen Klopp

Der Trainer überzeugt als neuer ZDF-Experte beim Confederations Cup

Matthias Kalle

Es ist – man muss es so sagen – eine Sensation, das steht fest, bereits nach zwei Spieltagen: Jürgen Klopp hat den Confederations Cup gewonnen, der Mann ist die Entdeckung, die Überraschung, des Turniers. Jürgen Klopp. Der Trainer von Mainz 05. Ausgerechnet der.

Als bekannt wurde, dass Klopp für das ZDF als „Experte“ neben Johannes B. Kerner moderieren soll, ergriff manchen blankes Entsetzen. Irgendwann im Laufe der vergangenen Bundesligasaison war Klopp nicht mehr zu ertragen: dieses „Das ist so geil“-Geschreie, diese Pseudo-Lockerheit, dieses erwartbare „Unkonventionelle“, dieses Stimmungskanonenartige. Der Schlaumeier Klopp erinnerte an den Schlaumeier Ralf Rangnick, als der im „Sportstudio“ an einer Tafel über Fußball dozierte, als sei er der einzige Mensch auf der Welt mit einem gültigen Trainerschein. Aber es kam alles ganz anders.

Als das ZDF am Donnerstag um 17 Uhr in das Turnier einstieg, war mit dem Schlimmsten zu rechnen: ein musikclipartiger Trailer, unterlegt mit der Heulsusenmusik von „Coldplay“, dazu schießen Klopp und Kerner auf die Torwand. Die ARD hatte gerade den ersten Spieltag grundsolide weggesendet, aber dann saß da dieser Klopp neben dem Schiedsrichter Urs Meier und Kerner im Studio – und machte von Anfang an alles richtig. Er erklärte ohne zu dozieren, er hatte diesen etwas albernen „Experten-Monitor“ technisch im Griff, und endlich hatte er mal die Haare vernünftig und nicht diesen 80er-Jahre-Popper-Schnitt (er hatte anfangs sogar einen Knopf mehr am Hemd auf, aber das geht wohl nicht beim ZDF, im Laufe der Sendung passte er sich der Kerner-Knopf-Richtline an). Klopps Begeisterung für die Brasilianer war nicht peinlich, er redete fehlerfreies sauberes Deutsch und vor allem versuchte er nicht, witzig zu sein, obwohl das Interview, das er vor zwei Tagen an dieser Stelle gab, Anlass zur größten Sorge bot („Auf jeden Fall kann ich eine Menge Spaß versprechen“).

Ein Fehleinkauf ist Urs Meier, der schon als Schiedsrichter schwer zu ertragen war. Welche Aufgabe hat der Mann im Studio? Kerner versuchte ihn einzubinden, aber es funktionierte nie, man konnte Meier auch schlecht verstehen, zu Abseits sagt der Schweizer „Offside“. Die Liebe des ZDF zur „Schiedsrichterei“ (R. Hoyzer) ist seit langem schleierhaft, schon die Rubrik „Der Pfiff der Woche“ im „Sportstudio“ hat keinen interessiert. Aber das ZDF wird selten aus Fehlern klug, sonst müssten die Verantwortlichen Wolf-Dieter Poschmann das Mikrofon wegnehmen, sobald ein Fußballspiel angepfiffen wird. Poschmann kennt sich aus in der Leichtathletik und im Eisschnelllauf, vom Fußball hat er keine Ahnung. Kamen die Mexikaner gefährlich vor das japanische Tor, blieb der Mann stumm, überquerten die Japaner mit dem Ball mal die Mittellinie, überschlug sich seine Stimme.

Aber manche dürfen beim ZDF machen, was sie wollen, so kann Rolf Töpperwien weiterhin den Hofberichterstatter von Otto Rehhagel geben, und alleine deshalb darf sich Griechenland nicht für die Weltmeisterschaft qualifizieren. Der Reporter dienert als Stichwortgeber vor dem Trainer, der Trainer schließt beim Dozieren die Augen, Töpperwien scheint verliebt. Am Ende musste der verdiente Kommentator Béla Réthy die Ehre der Zunft retten, er kommentierte Brasilien gegen Griechenland souverän und auch tags zuvor bei der ARD waren es die Alten, die ihren Job machten.

Gerd Rubenbauer, Waldemar Hartmann – vor Jahren noch Witzfiguren – sind auf der Höhe ihres Könnens. Rubenbauer versteht es, Fußballspiele beim Kommentieren zu analysieren, Hartmann versteht es, wie man mit Sportlern Fernsehinterviews führen muss. Und Günter Netzer und Gerhard Delling verstehen sich seit Jahren so gut, dass sie jede Überraschung in ihren Gesprächen vermeiden. Das kann man langweilig finden – wenn man immer noch meint, dass Fußballsendungen Unterhaltungsshows sein müssen. Müssen sie nicht.

Beide Sender, ARD und ZDF halten sich beim Confederations Cup zurück, was Showelemente betrifft, und es ist zu hoffen, dass das bei der Weltmeisterschaft im nächsten Jahr ebenso sein wird. Die Fakten haben die Show abgelöst, ARD und ZDF überraschen den Zuschauer mit Wissenswertem: über die WM-Stadien, über die Länderspielgeschichte der teilnehmenden Teams; gerade die ARD-Leute sind faktensicher, allen voran Monica Lierhaus, die nur ein kleines Kleidungsproblem hat, und Jürgen Bergener, der durch den Kabinengang wandelt und seine Rolle dabei nie überschätzt. Seit Jahren wird allerdings ein gewisser Tom Theunissen überschätzt, der im Rahmen von Fußballturnieren „ironische“ Beiträge liefert, die weder ironisch noch Beiträge sind, sondern schlecht geschnittener Unfug. Das braucht es nicht, mit Humor ist man in der Vergangenheit nie zurecht gekommen, erschütternd waren die Auftritte von Dieter Nuhr im ZDF.

Die deutsche Mannschaft sucht noch nach ihrer Aufstellung. Die ARD hat ihre All Stars. Und das ZDF hat mit Jürgen Klopp jetzt seinen Lukas Podolski. Urs Meier ist Robert Huth – und Kerner? Kerner ist Schweini.

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