Medien : Ein Richter sieht fern

Urteil: Michele Santoro m uss wieder auf den RAI-Bildschirm

Vincenzo Delle Donne

Ein bisschen muss sich der kritische TV-Journalist Michele Santoro wie ein moderner Don Quijote der staatlichen Fernsehanstalt RAI vorkommen. Er eilt nämlich juristisch von Sieg zu Sieg, darf allerdings immer noch nicht auf Sendung gehen, seit die staatliche Fernsehanstalt bekanntlich auf den Regierungskurs von Berlusconis Mitte-Rechtskoalition getrimmt wird. Der linke Polit-Entertainer Santoro flog im Juni 2002 aus dem Programm, nachdem Ministerpräsident Silvio Berlusconi Santoro einen „kriminellen Missbrauch“ der öffentlich-rechtlichen RAI vorgeworfen hatte. Neben Santoro wurden auch der Dojen der italienischen Journalisten, Enzo Biagi, und der Kabarettist Daniele Luttazzi Opfer der „Säuberungsaktion“. Auch ihre kritischen Sendungen wurden nämlich mit fadenscheinigen Begründungen aus dem Programmschema gestrichen.

Santoro und seine Crew werden unterdessen fürs Nichtstun bezahlt. In der Primetime des zweiten RAI-Programmes RAI DUE erfreute sich Santoros Sendung großer Popularität. Werbeinserenten standen Schlange. „Bei uns wurden die höchsten Preise für Werbespots gezahlt“, sagt Santoro. Dieses Geld fehlt nun in den Kassen der staatlichen Anstalt. Jetzt hat Santoro einen erneuten juristischen Sieg davongetragen: Ein römischer Arbeitsrichter hat unaufschiebbar verfügt, dass Santoro mit seiner kritischen Sendung „Sciuscià“ nicht nur auf Sendung gehen darf, sondern auch seinen alten Sendeplatz zurückbekommen muss. Nach dem ersten Urteil hatte die RAI sich einverstanden erklärt, Santoro Sendeplätze am Samstagnachmittag oder um Mitternacht zur Verfügung zu stellen.

Die RAI-Präsidentin Lucia Annunziata, die sich seit ihrer Amtsübernahme für die Rückkehr des populären Fernsehjournalisten einsetzt, begrüßte ausdrücklich die Entscheidung des Arbeitsrichters. Die anderen vier Mitglieder des RAI-Verwaltungsrates hingegen sprachen sich gegen die richterliche Verfügung aus, weil sie einen unzulässigen Eingriff in die Unternehmensautonomie darstelle. Michele Santoro selbst gab sich zufrieden: „Wir wollen wieder ein Teil der RAI werden.“ Vorsorglich hat das römische Gericht einen neuen Termin für den 30. Juni angesetzt, um zu überprüfen, ob sich die RAI tatsächlich an die richterliche Verfügung gehalten hat.

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