Medien : Ein Ritual, das beruhigt

Thomas Eckert

Es gibt Menschen, die mögen sie. Ganz einfach. Und dann gibt es die anderen. Nicht, dass sie sie hassen. Das nun auch wieder nicht. Sie mögen sie einfach nicht. Ganz und gar nicht. Aber ich, ich mag sie: Gerhard und Günter. Da stehen sie nun wieder, als wäre nie etwas anderes als WM gewesen, und plaudern sich um Kopf und Kragen. Nein, das ist die Aufgabe von Günter Netzer. Der Mann ist auch nach all den Jahren immer noch in der Lage, in ein und demselben Satz das eine und das andere zu sagen. Das kann sich widersprechen, wie es will. Egal. Gerhard tut dann immer ein bisschen so, als würde er nicht verstehen. Aber natürlich hat er verstanden. Und Günter klärt dann, wie es seine Art ist, alles auf. Es gibt Menschen, die sagen, sie hätten noch keinen erlebt wie Günter, der es geschafft hätte, mit so vielen Sätzen, die nichts sagen, so weit zu kommen.

Aber das sind die, die ihn nicht mögen. Die sagen noch ganz andere Sachen. Dass Günter keine Ahnung mehr habe, dass er nicht wisse, was er rede, ja dass er nicht einmal richtig Deutsch könne. Und wenn sie schon einmal dabei sind, dann sagen sie auch noch gleich dazu, damit es auch jeder versteht, dass dieser Delling mit seinen ewigen Wortspielereien einem inzwischen mächtig auf die Nerven gehe. Ist aber alles Quatsch. Denn darum geht es natürlich in Wahrheit nicht. Und schon gar nicht um Fußball.

Meine Freundin zum Beispiel interessiert sich nicht die Bohne für Fußball. Aber wenn Günter und Gerhard antreten, dann ist sie dabei, so wie an diesem Dienstag. Weil die immer das Gleiche machen, sagt sie, das beruhigt immer so. Gibt es Schöneres, als Menschen zu beruhigen? In diesen aufgeregten Zeiten? Auch ich bekenne: Ich mag sie, alle beide. Und sei es nur, um den Miesepetern vom Deutschlandfunk eins auszuwischen. Die haben Günter und Gerhard in einem miesepetrigen Kommentar als Qual, als Folter bezeichnet. Und Miesepeter kann ich schon mal gar nicht leiden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben