Medien : Ein tragischer Unfall und das Weiterleben

Eckart Lottmann

Ein Polizeiwagen im Einsatz rast in eine Gruppe von Fußgängern, tötet zwei Kinder, verletzt deren Eltern schwer. Das war im März 1993 in Berlin, auf der Schlossbrücke, wo man gerne spazieren geht, wenn man Besuch hat. Der Film „Und dann war alles still“ zeichnet diese Stunden nach, lässt die Eltern, die Geschwister, die Polizisten zu Wort kommen. Sie erzählen das, was passiert ist, und das Leben danach konzentriert, aufmerksam auch für sich selbst, und das hat eine Spannung, die selten ist.

Ursel und Thomas S., die Eltern der getöteten Kinder, hatten genügend Angebote vor allem privater Fernsehsender, ihr Unglück mediengerecht aufzubereiten. Sie haben jahrelang abgelehnt. Und jetzt vor der Kamera gesprochen. Die Autoren Walter Brun und Dagmar Brendecke geben den Erzählungen den Raum, den sie brauchen, verzichten auf Kommentare. Ursel S. kann beim Erzählen dem nachspüren, was sie damals gedacht hat, wir haben als Zuschauer, nie das Gefühl, Voyeure zu sein. Im letzten Sommer, bei der Erstausstrahlung des Films in der ARD, litt die Zuschauerbeteiligung unter dem parallel im ZDF laufenden WM-Spiel Deutschland-Argentinien. Nun hat der Film eine zweite Chance.

Der Tod von Rosa und Karl – hätte er sich vermeiden lassen? Ursels Schwester Tina fragt sich, warum sie damals überhaupt zu Besuch kam. Allein wäre die Familie wohl nicht über die Schlossbrücke spazieren gegangen.„Wir erwarten immer, dass alles glatt geht im Leben“, sagt Ursel S. Der Film, ihr Film, ist nicht nur ein Film über einen tödlichen Unfall und die Auswirkungen, er ist ein Film über den Umgang mit Katastrophen. „Ich hatte irgendwann so ein Bedürfnis nach Lebensfreude“, sagt Ursel, man spürt es, und versteht. Ein nachdenklicher Film, der den Zuschauer durchaus traurig machen kann – und am Ende doch versöhnt mit dem Unbegreiflichen, das Leben heißt.

„Und dann war alles still“,

RBB, 22 Uhr 15

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