Medien : Ein Western auf dem Wasser

Jan Fedder bleibt auch in einer Verfilmung von Siegfried Lenz – Jan Fedder

Simone Schellhammer

Es beginnt wie eine Mischung aus „Großstadtrevier“ und „Tatort“: Jan Fedder holt auf väterlich-kumpelige Art ein junges Großmaul mit dem Auto ab, während an anderer Stelle ein Raubüberfall passiert, mit Geldkoffer, Knarren und schwarz maskierten Gangstern. Man käme nicht auf die Idee, dass es sich dabei um die Verfilmung einer etwas angestaubten Schullektüre aus den sechziger Jahren handelt. In Siegfried Lenz’ Erzählung „Das Feuerschiff“ von 1960 geht es um einen Kapitän, der auf einem dieser „schwimmenden Leuchttürme“ seine letzte Wache vor der Pensionierung antritt. Er nimmt seinen jungen, rebellischen Sohn mit, der bisher keinen großen Kontakt zum Vater hatte. Als drei Schiffbrüchige an Bord kommen, die sich Gangster entpuppen, beginnt ein Kampf um Leben und Tod, bei dem der Kapitän Gewalt um jeden Preis vermeiden will. „Helden und Märtyrer machen es sich zu einfach“, findet er.

Jan Fedder spielt also wieder einen alternden, gebrochenen, aber aufrechten Mann, wie bereits in „Der Mann im Strom“, für den er 2006 den Deutschen Fernsehpreis als bester Darsteller bekam. Bei der Verleihung sagte Fedder, der wohl ewig das Etikett „ehrlich, authentisch, volksnah“ tragen wird: „Und die Moral von der Geschicht, mach einfach mal vier Wochen ein anderes Gesicht, und dann, Alter, ohne Scheiß, bekommst du dafür den Deutschen Fernsehpreis.“

In diesem Film trägt er nun wieder sein Jan-Fedder-Gesicht, und das kennt hier nur zwei Variationen: ein schiefes Grinsen, wenn es um die Verlobte geht, und ein ausdrucksloses Starren für den Rest der Handlung. Auch im Kontrast zu seinem Gegenspieler, Axel Milberg, der den feinsinnigen Ganovenanführer Caspary gibt, wird daraus keine stoische Haltung. Bezeichnend für die unterschiedliche Herangehensweise der beiden Schauspieler ist ihre Interpretation der Lenz’schen Erzählung. Während in Fedders Augen „Das Feuerschiff“ ein Western auf dem Wasser ist, sieht Milberg darin eine Parabel auf die abwartende Haltung vieler Deutscher während der Nazizeit. „Siegfried Lenz, der 1945 noch einmal davongekommen ist, beschreibt im Grunde, dass ein Land, gewissermaßen die begrenzte Welt des Schiffes, dem Untergang geweiht ist, wenn sich alle Bürger nur vor den Verbrechern ducken“, sagt er.

Die Dialoge der beiden Figuren halten sich dabei zum Teil genau an die Vorlage. Doch wie so oft bei Lenz sind es eher Monologe. Was als literarisches Stilmittel gut funktioniert, hat im Fernsehen zur Folge, dass die Protagonisten einfach aneinander vorbeireden. Gut gelungen ist hingegen die Verlegung des „Feuerschiffs“ aus den fünfziger Jahren in die Gegenwart. Drehbuchautor Lothar Kurzawa, der bereits die Fernsehfassung von „Der Mann im Strom“ schrieb, ging es neben dem Vater-Sohn-Konflikt um die Frage „Wie viel Gewalt darf man gegen eine fast schon terroristische Gruppe einsetzen?“ Auch zur aktuellen Piraterie diskussion passt diese Geschichte.

Siegfried Lenz fand die Umsetzung seines Textes nach eigenem Bekunden „großartig“. Nachdem ein Besatzungsmitglied im Film sagt: „Na, letzte Wache, da machen wir uns ’nen schönen Lenz“, hat er auch selbst einen kleinen Auftritt – als Angler mit rauchender Pfeife. Lenz sei am Set ziemlich aufgeregt gewesen, erzählt Regisseur Florian Gärtner. Vielleicht hätte es geholfen, wenn auch er bei dem Workshop in der legendären Haifischbar in Hamburg dabei gewesen wäre, zu dem Gärtner die gesamte Crew eingeladen hatte. Jan Fedder war auf jeden Fall dabei. Er, der in der Hafenkneipe seiner Eltern groß geworden ist, sagt über die mittlerweile dritte Verfilmung des „Feuerschiffs“: „Ein geiler, spannender Film, mitten auf dem Meer, an Bord reichlich skurrile Typen.“

„Das Feuerschiff“, 20 Uhr 15, ARD

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