Medien : Eine Folge „Popetown“

MTV setzt auf Kompromiss und Diskussion

Joachim Huber

Der Berliner Musiksender MTV stellt die umstrittene Vatikan-Serie „Popetown“ zur Diskussion. Zwar wird am kommenden Mittwoch eine Folge um 21 Uhr 30 ausgestrahlt, dies aber im Rahmen einer Live-Diskussionsrunde im MTV-Studio. Daran sollen laut Mitteilung vom Mittwoch Vertreter kirchlicher (vor allem katholischer) Organisationen, der Politik, der Medien, der Kulturszene und Zuschauer teilnehmen. MTV-Programmchef Elmar Giglinger wünscht sich insbesondere Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber als Gast. Der Sender hat sich zur Test-Ausstrahlung einer Folge entschlossen, damit sich die Zuschauer „eine Meinung über das Format bilden können, über das zwar viel gesprochen wird, das aber noch nicht viele gesehen haben“. MTV werde die Reaktionen berücksichtigen und dann entscheiden, ob weitere Episoden ausgestrahlt würden.

Die von der Erzdiözese München geforderte Unterlassungserklärung, „Popetown“ nicht zu zeigen, hat MTV nicht unterzeichnet. Der Sender beruft sich auf das Urteil der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen, die die Serie als „unbedenklich“ eingestuft und für die ersten drei Folgen von „Popetown“ eine Freigabe erteilt habe.

Der Pressesprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Theodor Bolzenius, sagte, offenbar hätten die öffentlichen Proteste zumindest teilweise Wirkung erzielt. Der Pressesprecher der Erzdiözese München und Freising, Winfried Röhmel, bezeichnete den Vorschlag von MTV als eine „theatralische Geste“. Grundsätzlich sei eine öffentliche Auseinandersetzung sinnvoll, in der von MTV angeregten Form werde jedoch keine Gewähr für eine objektive Diskussion geboten. Verhöhnung und Verspottung von Glaubensinhalten könnten nicht zum Gegenstand öffentlicher Abstimmungen gemacht werden. Es zeige sich erneut die Notwendigkeit, dass die Politk bessere gesetzliche Grundlagen schaffen müsse.

Wer die erste Folge der BBC-Produktion „Popetown“ gesehen hat, der weiß, dass in „Popetown“ weder Jesus noch Gott vorkommen. Es geht um das Bodenpersonal im Vatikan. Der Papst ist ein kreischender Quengelzwerg, der das Kruzifix als Springstock verwendet. Seine Kardinäle sind korrumpierte Heuchler, die Nonnen chargieren zwischen mediengeiler Vatikan-Reporterin und einer Rumkugel, die noch döfer ist als es der liebe Gott verzeiht. Gemeint, aber nicht gelungen ist „Popetown“ als quietschbunte Karikatur. Die Serie bietet albernes Fernsehen, darin einen Demütigungsversuch der Papstkirche zu sehen, überhöht „Popetown“ in die falsche Richtung.

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