Eine Frage des Geldes und der Politik : Griechische Zeitungen kämpfen ums Überleben

Die Linksregierung in Athen will die Traditionsblätter „To Vima“ und „Ta Nea“ vor dem Aus retten. Woher aber soll das Geld kommen?

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Akut bedroht. Die Tageszeitung „Ta Nea“ kämpft ums Überleben.
Akut bedroht. Die Tageszeitung „Ta Nea“ kämpft ums Überleben.Foto: REUTERS

Alexis Tsipras und seine Genossen nennen es das „Dreieck der Sünde“. Gemeint ist damit das Geflecht von Politik, Mediengruppen und Banken in Griechenland. Jahrzehntelang hat es prächtig funktioniert und die beiden Dauerregierungsparteien Pasok und Nea Dimokratia an der Macht gehalten. Nun hat die Wirtschafts- und Finanzkrise eine der größten Verlagsgruppen des Landes nach langem Kampf offenbar doch zur Strecke gebracht. „Wer erwürgt die Presse?“, stand am vergangenen Wochenende auf der Titelseite der griechischen Sonntagszeitung „To Vima“. Es war die vorerst letzte Ausgabe des liberalen Traditionsblatts. 95 Jahre ist es alt geworden.

Stavros Psycharis, der als Autor dieses dramatischen Briefs an die Leser gilt und als Chef der Lambrakis-Presse-Gruppe (DOL) einer der mächtigsten Medienbarone in Griechenland war, gab auch gleich die Antwort: Die vier größten griechischen Banken sind schuld, weil sie seinen Verlag nicht mehr finanzieren wollen. Und Regierung wie Opposition, weil ihnen die freie Presse und das Schicksal von 500 Mitarbeitern gleichgültig sei. Gemeinsam mit „To Vima“ („Die Tribüne“), die seit dem ersten Jahr der Finanzkrise 2010 nur noch sonntags erschienen war, soll auch die renommierte Tageszeitung „Ta Nea“ („Die Nachrichten“) eingestellt werden.

Zumindest der zweite Vorwurf scheint nicht ganz richtig. Die linksgeführte Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras ist so stark interessiert an DOL, dass sie Mitte Januar einen Parteimann als Notretter ins Management der hoch verschuldeten Verlagsgruppe entsandte. Vassilis Moulopoulos, ehemaliger PR-Leiter der linksradikalen Syriza, Parlamentsabgeordneter und Vorstandschef der parteinahen Tageszeitung „Avgi“, sei eingeladen worden, die Möglichkeiten für eine Lösung der finanziellen Probleme der Lambrakis-Gruppe auszuloten, hieß es damals. Denn Syriza prangert das „Dreieck der Sünde „zwar“ an, ist aber durchaus offen für neue geometrische Formen.

Medien brauchen Hilfe der Politik

Moulopoulos sollte gewissermaßen im Auftrag der Regierung eine neue Schuldenregelung mit den Banken aushandeln. Mit angeblich 240 Millionen Euro steht die Lambrakis-Gruppe in der Kreide. Neben „To Vima“ und „Ta Nea“ gehören ihr eine Reihe von Magazinen und das Nachrichtenportal „in.gr“.

„Medien können in Griechenland nur mit finanzieller Unterstützung der Politik überleben“, erklärt Giorgos Pleios, Kommunikationswissenschaftler an der Universität von Athen. Deshalb habe jeder Regierungswechsel Auswirkungen auf die Medienlandschaft gehabt. Das gilt auch für den historischen Wahlsieg der linksradikalen Syriza vor zwei Jahren. „Es ist ein Wachwechsel, kein wirklicher Wechsel“, sagt Pleios über die Medienpolitik der Linken. So machte Syriza schon bald nach der Regierungsübernahme eines ihrer Versprechen wahr und ließ den Staatssender ERT wieder ans Netz gehen. Dies sicherte Tsipras und seiner Regierung das Wohlwollen der wieder eingestellten Journalisten.

Dann aber spitzte sich die Finanzkrise bei der Lambrakis-Gruppe zu, einer der vielen Gegner der Tsipras-Regierung in Griechenlands Medienwelt.

Erfolg hatte die Linke mit dem Rettungsversuch bei „To Vima“ und „Ta Nea“ bisher nicht. Vassilis Moulopoulos, der Parteimann, gestand schon das Scheitern seiner Mission ein. Er habe einen Investor gefunden, sagte er, die Banken hätten ihn auch akzeptiert. Doch die „dritte Seite des Dreiecks“ habe abgelehnt. Verlagschef Psycharis, so wird kolportiert, wollte nicht hinnehmen, dass ein Teil seiner eigenen Verbindlichkeiten von der Neuregelung der Schulden ausgenommen würde. Psycharis verhandelt weiter mit den Banken. „Ta Nea“ erschien diese Woche noch mit dünnem Umfang. Die Journalisten erhalten seit Monaten kein Gehalt. Markus Bernath, Athen

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