Medien : „Eine Märchengeschichte“

Madeleine schlägt Mankell: Asbjoern Svarstad über das deutsche Schweden-Bild

Einerseits steht Schweden für brutale Krimis à la Henning Mankell, andererseits für die heile Inga-Lindström-Welt. Welches von den Medien vermittelte Bild entspricht den Schweden nun wirklich?

Beide Seiten stimmen. Beispielsweise wurde vor einigen Jahren in einem schwedischen Dorf eine Sekte entdeckt, in der ein Pfarrer mit mehreren Liebhaberinnen lebte, mysteriöse Morde passierten, die Leute benahmen sich wie Darsteller in einem Mankell-Film. Wenn hier die Idylle zusammenbricht, dann richtig.

Dabei ist es doch gerade die scheinbare Idylle Skandinaviens, die die Deutschen so fasziniert.

Ja, klar, das ist die andere Seite. Skandinavien verkörpert für viele Deutsche eine heile Welt, mit viel Platz und wenigen Menschen. Das spiegelt sich in Filmen und der Berichterstattung auch wider. Kein Wunder, dass das die Deutschen toll finden. Die hocken ja vor allem in Großstädten eng aufeinander. Die Schweden selbst können es allerdings kaum glauben, dass jemand den weiten Weg zu ihnen fahren will, nur um nichts zu hören.

An diesem Samstag wird es ausnahmsweise laut in Schweden, Kronprinzessin Victoria heiratet ihren Fitnesstrainer, mehrere deutsche Sender übertragen live. Wie kann eine eigentlich überholte Tradition zu einem Medienereignis werden?

Die Kronprinzessin sieht gut aus, der Bräutigam wirkte schon vorher wie ein geklonter König, vor allem werden sich viele die Hochzeit im Fernsehen ansehen, weil sie zu 98 Prozent eine deutsche Märchengeschichte ist. Denn ohne Victorias Mutter, die deutsche, bürgerliche Frau Silvia Sommerladt, die 1976 Schwedens König Carl Gustav geheiratet hat, würde es das Königshaus wohl kaum noch geben.

Eine Deutsche hat die schwedische Monarchie gerettet?

Der König war damals nicht populär. Und dann kam Silvia aus Heidelberg und hatte verstanden: „Wenn das Volk nicht mit uns ist, dann sind wir fertig.“ Sie hat die Königsfamilie wieder beliebt gemacht. Sie lächelt immer, hat keine großen Leichen im Schrank, ist immer unheimlich gut vorbereitet und scheut sich nicht, auch mal zwei Stunden länger zu arbeiten. Ich bin überzeugt, wenn Carl Gustav eine Cousine aus einem Königshaus geheiratet hätte, dann wäre Schweden heute eine Republik.

Die deutsche Klatschpresse freut sich, dass es nicht so gekommen ist, sie hat sich immer regelrecht auf Kronprinzessin Victoria gestürzt.

Weil Victoria kaum etwas über ihr Privatleben preisgab, dachten sich einige deutsche Redaktionen anscheinend, sich die Geschichten selbst ausdenken zu dürfen. Sah Victoria auf einem Foto traurig aus, wurde ihr gleich Liebeskummer angedichtet, dann wieder Affären und Intrigen, eine Zeitschrift legte ihr fürs Cover sogar ein Baby in den Arm. Ich habe darüber im „Aftonbladet“ berichtet und bald hat das Königshaus die Nase voll gehabt von solchen Fantasiegeschichten und ist mit dem deutschen Anwalt Matthias Prinz dagegen vorgegangen.

Wie kritisch berichten schwedische Medien über die Königsfamilie? Immerhin haben sie es den norwegischen Kollegen überlassen, als Erste darüber zu berichten, dass Victorias Schwester Madeleine von ihrem Verlobten betrogen wurde.

Die schwedische Presse ist kritisch und berichtet über alles, was man berichten kann. Aber wie jeder Prominente hat auch die Königsfamilie ein Recht auf Privatleben. Und die Sache mit Madeleine war eher wie ein Spiel. Da ließ man lieber den Kollegen den Vortritt, um dann einen Grund zu haben, in die Berichterstattung einsteigen zu müssen.

Und welches Bild wird von Deutschland in den schwedischen Medien vermittelt?

Deutschlands Bild in den schwedischen Medien ist viel positiver geworden. Seit der rot-grünen Bundesregierung wird Deutschland als moderne, dynamische Industriedemokratie gesehen. Deutschland ist ein Nachbar, mit dem man gut zusammenleben kann und zusammenleben möchte.

Das Gespräch führte Sonja Pohlmann.

Asbjoern Svarstad, 51, ist Journalist und berichtet aus Berlin über Deutschland. Knapp 20 Jahre hat er als Korrespondent für die schwedische Tageszeitung „Aftonbladet“ gearbeitet.

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