Medien : Eine Metropole im Erregungszustand

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Übermorgen beginnen die Olympischen Spiele. Via Radio bekommen Sie alle Wettkämpfe ins Haus geliefert. Wer das olympische Phänomen aber in seiner historischen Tiefe fassen will, sollte es mit einigen Features zum Thema probieren.

In „Mythos Olympia“ erzählt Autorin Marianthi Milona von der antiken Wurzel der Spiele. Wir hören von Kult und Politik in vorchristlicher Zeit. Auch olympische Skandale hat es damals bereits gegeben. Der thessalische Faustkämpfer Eupolos bestach drei seiner Gegner. Er wurde erwischt und musste zur Strafe sechs Zeusstatuen finanzieren. Trotzdem träumte Baron de Coubertin, als er vor gut einem Jahrhundert die Spiele neu belebte, von einer olympischen Insel der Seeligen. So rein wie das Leben im antiken Griechenland (DLF, 13. August, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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Auch Garleff Zacharias-Langhans hat in seinem Feature „Kult, Krieg und Spiele“ die antiken Spiele untersucht. Der griechische Mythos kannte sportliche Wettkämpfe, in denen sich das Schicksal ganzer Völker entschied: Pelops siegt im Wagenrennen und wird König von Elis. Perseus tötet den Herrscher von Argus mit einem Diskus. Weil Odysseus einen Wettlauf gewinnt, bekommt er Spartas Königstochter. Dabei hat der Ruhm Olympias mit seinen Orakelpriestern begonnen. Das waren in ganz Griechenland gefragte Spezialisten für Kriegsorakel. Erst ihre Popularität machte aus dem bescheidenen Sportfest im Provinznest Olympia eine Angelegenheit von nationaler Bedeutung (Kulturradio, 15. August, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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„Die Heimkehr der Olympiade“ heißt Jochen Racks Reportage aus dem heutigen Athen. Ein Streifzug durch eine Metropole im Erregungszustand. Hitzige wirtschaftliche Konjunktur, viel kommerzieller Eifer, noch mehr mediterrane Lässigkeit. Lobredner und Kritiker äußern sich zum größten Nationalereignis der jüngeren griechischen Geschichte (SWR 2, 11. August, 21 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

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Die Mythen der Neuen Welt sind von anderem Format. Zum Beispiel die Geschichte der Kennedys. Eine Königsfamilie in der Epoche der Demokratie. In Elfriede Jelineks Hörspiel „Jackie“ hören wir die Witwe des ermordeten J.F.K. in einem furiosen Monolog. Gerade selbst im Jenseits angekommen, erinnert sich Jackie an ihr aufreibendes Leben im Dienst schöner Medienbilder. Im Lebenskampf um ideale Posen hat sie sogar ihre große Rivalin Marylin Monroe übertroffen (DLF, 14. August, 20 Uhr 05).

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Schon immer haben sich Europas Autoren für das Leben in Übersee interessiert. Nehmen wir nur Kafka, der seinen Roman „Amerika“ schrieb, ohne das Titelmodell mit eigenen Augen gesehen zu haben. Brecht dagegen war in Kalifornien, aber er hat sich dort nicht wohl gefühlt. „Der Klang des Geldes unterbrach sofort die Scherze“ heißt eine von Christian Scholz moderierte Lange Nacht, in der es um das Amerika-Bild europäischer Schriftsteller geht. Textproben von Kafka bis Handke, Kisch bis Koeppen. Scharfsinnige Fantasien, gewagte Spekulationen, kluge Erfahrungsberichte (Deutschlandradio, 13. August, ab 23 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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