Medien : „Eine Sauerei“

Radio-Reporter Günther Koch verzichtet unter Druck auf Mandat

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Betrug! Gemauschel! Gekloppe! Bei seinen RadioÜbertragungen hat Günther Koch immer die richtigen Worte gefunden, um ein unansehnliches Gekicke zu beschreiben. Nicht viel anders geht der Fußball-Reporter mit der eigenen Personalie um. „Eine Sauerei“, so Kochs Kommentar zu einer lapidaren Pressemitteilung des Bayerischen Rundfunks (BR), die am Donnerstag in die Redaktionen flatterte. Günther Koch bleibe am Ball, heißt es da. Der Reporter habe sich entschlossen, sein Mandat als Abgeordneter des Bayerischen Landtags nicht anzunehmen. Dieses Mandat hatte Koch bei den Wahlen am Sonntag mit einem Rekordergebnis für die bayerische SPD gewonnen. Grund sei eine Dienstanweisung von BR-Intendant Thomas Gruber. Danach ist eine Mitarbeit als Rundfunkreporter beim öffentlich-rechtlichen Sender mit einem politischen Amt unvereinbar.

So sicher das für den BR gewesen sein mag – Günther Koch sieht die Sache anders. „Man hat mir bis kurz vor der Wahl signalisiert, dass es einen Kompromiss zwischen Mandat und Mikrofon geben werde“, sagte Koch dem Tagesspiegel. „Ansonsten hätte ich mich gar nicht auf die SPD-Liste setzen lassen.“ Er habe erst zwei Tage nach der Wahl, am vergangenen Dienstag, von den unveränderten Regularien des Senders erfahren. Nun habe sich Koch unter Druck für das entschieden, von dem er sicher weiß, dass er es gut kann: für das Mikrofon.

Die bayerische SPD-Generalsekretärin Susann Biedefeld warf Bayerns Innenminister Beckstein vor, hinter der Dienstanweisung zu stehen. Es sei ein „unerträglicher Vorgang“, so eine Anweisung noch schnell am Donnerstag vor der Wahl zu erlassen. Das sieht Gruber anders. Die Sache sei klar gewesen, Koch habe wohl „aufgrund von Kommunikationsdefiziten“ bis zuletzt geglaubt, beide Jobs machen zu können.

Nun darf Koch also wieder an den Ball, aber nicht in den Landtag. Man könnte das Berufsverbot nennen. Oder einen Fall für den Presserat, weil BR-Mitarbeiter aus politischen Gründen diskriminiert werden, wie MdB Volker Beck glaubt. Man darf gespannt sein, was Koch am Dienstag dazu sagt. Dann macht der Ex-Politiker seinen nächsten BR-Reporter-Job, beim Champions-League-Spiel des FC Bayern in Anderlecht.meh

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