Medien : Eine Stimme für den Sprint

Ende nach der 41. Tour: Kurt Sagatz sagt au revoir zu

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Seine Fans haben ihm viele Namen gegeben. Die wohl bekanntesten sind „Alter Tour-Hase“, „Wandelndes Tour-Lexikon“ oder kurz Herbert „Speiche“ Watterott. „Er hat viele Höhen und Tiefen der Tour de France erlebt, viele sportliche Höhepunkte und die Diskussionen um Doping 1998“, sagte gestern ARD-Tour-Kommentator Herbert Watterott über Jean-Marie Leblanc, den scheidenden Tourdirektor. Genauso gut hätte er sich selbst meinen können, denn für Watterott endete am Sonntag ebenfalls ein Stück seines beruflichen Lebens. Nach 41 Einsätzen bei der Tour de France verabschiedete er sich vom „schwersten und längsten Radrennen der Welt“, wie er die Tour mitunter mehrmals in einem Satz zu würdigen wusste. Zu seinen Stärken zählte die unverwechselbare Stimme, die – wie beim Antritt der Sprinter kurz vor der Ziellinie – immer zum Sprung bereit war. Und seine immer währende Begeisterung für den übermenschlichen Einsatz der Tour-Helden, die Watterott zu etwas Besonderem gemacht hat, zumal er genauso den Letzten im Klassement loben konnte.

Eine Lücke konnte er allerdings nicht zufahren – die vom Tour-Kommentator zum investigativen Journalisten. Doping, also die hässliche Seite des Sports, war seine Sache nicht. Darüber wollte er so wenig wie möglich reden. Watterott, dem nachgesagt wurde, jedes Schlagloch auf der Tourroute zu kennen, der sich über jedes Schloss an der Loire und jeden Wein des Burgund ausließ, blieb bei diesem Thema wortkarg. So auch gestern, als Co-Kommentator Florian Naß daran erinnerte, wie Andreas Klöden immer wieder seine Freundschaft zu Jan Ullrich betonte und nach dem Zeitfahren sagte, dass man mit Ullrich die Tour gewonnen hätte. „Ich frage mich, was wäre dieser Sieg wert gewesen“, fragte Naß an Watterott gerichtet. Doch der blieb stumm – und die Zuschauer sehen es ihm nach, denn mit ihm ging auf den Champs-Elysées in Paris eine Ära zu Ende. Er hat nun andere Ziele – zum Beispiel den Tourmalet mit einem kleinen Gang hochzuradeln, um alles noch einmal Revue passieren zu lassen.

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