Medien : Eine Talkshow, bitte!

Joachim Huber

Der Talkshow zweite Ausgabe: Geglückter als der Start, immerhin, noch nicht geglückt als Talkshow. Wer wollte, der konnte das große Thema der Weltpolitik „Krieg oder Frieden?“ auch im Bayerischen Fernsehen oder im Metropolenprogramm XXP diskutiert sehen. Dass der Vergleich nicht eben gerecht sein mag, weil die anderen Sendungen längst in der sicheren Spur laufen, das stimmt, einerseits; andererseits sucht der Zapper immer nur nach dem aktuell besten Programm.

„Gysi und Späth“, das war am Montagabend der Versuch, die Bipolarität des Themas zu verdoppeln und zu verdreifachen. Also erneut die Albernheit, den „schwarzen“ Späth auf den roten Stuhl zu setzen und den „roten“ Gysi auf den schwarzen. Späth konnte sich den Krieg als letztes Mittel vorstellen, Gysi gab den Friedensfürsten. Als Adjudanten waren geladen: für Späth Jeffrey Gedmin, Chef des Aspen-Instituts in Berlin, und für Gysi Friedrich Schorlemmer, Theologe und Friedensaktivist in Wittenberg. Jede andere Talkshow will mit den Gästen punkten und prunken. Nicht so „Gysi und Späth“: Sie thronen in der Mitte, die Gäste dürfen die Ränder besetzen und von dort in die Mitte rufen.

Diese Umkehrung notwendiger Talkshow-Verhältnisse verleitet die Gastgeber zu einem gewaltigen Irrtum: Späth, mehr noch als Gysi, bekommt stellenweise den eigenen Mund einfach nicht zu. Er doziert statt dass er moderiert, er ist die Fleischwerdung des Gedmin-Vorwurfs, dass die Deutschen „Weltmeister im Beschreiben von Problemen“ seien. Wenn das vorsitzende Duo die Rolle eines Moderators nicht bald begreift, dann ist der Titel der Sendung bald alleiniges Programm.

Ein zweiter Vorgang ist unbegreiflich: Als dritter Gast saß Bernd Stange, Nationaltrainer des Irak im „deutschen Exil“, auf den Zuschauerplätzen. Stange berichtete in beherzten, ja ergreifenden Worten von der Situation in Saddam Husseins Reich, von den Folgen des Embargos. Ein solcher Ohren- und Augenzeuge muss ein Schatz für jedes Gespräch zum Thema Irak sein. Hier wird all das konkret, was bei anderen nur als Behauptung und Vorstellung herrscht. Nach seinem Statement hatte Bernd Stange wieder zu schweigen, er, der die Diskussion, die in den dünnen Sphären von unüberprüfbarem Argument und stolzer Meinung schwebte, hätte erden, neu gewichten können.

Die MDR-Talksendung muss sich endlich für ihre Gäste interessieren, die Moderatoren sind dringend aufgefordert, die eigene Person, die eigene Position hintanzustellen. „Gysi und Späth“ steht nichts weniger als das Akzeptieren des Formates Talkshow bevor. Wenn ihnen die Redaktion das nicht beibringt, wird aus dem Vergleich der Talkshows am Montag eine Entscheidung gegen die MDR-Novität.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben