Medien : Eine wird gewinnen

Plasberg, Will, Maischberger: In einer Woche entscheidet die ARD über die Christiansen-Nachfolge

Joachim Huber

Noch läuft das große ARD-Quiz: Wer wird Nachfolger von Sabine Christiansen? Am Sonntag, für 60 Minuten, ab 21 Uhr 45. Nach der Absage von Günther Jauch hat das Erste einen Fahrplan aufgestellt: Am 5. Februar, dem Treffpunkt der Fernsehdirektoren der neun ARD-Anstalten, sollen drei Konzepte auf dem Tisch liegen. Das beste wird zu den Intendanten durchgereicht, die am 6. Februar das Kaninchen aus dem Hut zaubern. Das Kaninchen soll das Konzept, nicht der Name des Glücklichen oder der Glücklichen sein. So hat es das Erste in die Öffentlichkeit trompetet, und so stimmt es schon mal nicht. Der Name und das Konzept entscheiden.

Die ARD ist am Sonntag mit „Sabine Christiansen“ glänzend gefahren. Sonntag ist ARD-Tag, an keinem zweiten Tag der Woche kann das Erste von der „Tagesschau“ über „Tatort“, „SC“ und „Tagesthemen“ derart viele Zuschauer für sich einnehmen. Diese Marke darf in ARD-Augen nicht gefährdet werden. Damit, sagen jedenfalls Vordenker im Senderverbund, könnte eine Vorentscheidung gefallen sein. Das Nachfolgeformat zu „Sabine Christiansen“ schnurrt auf die Frage zusammen, wer der Talkerin nachfolgen soll. Es bliebe beim eingeübten Ritual: Ein Gastgeber empfängt Gäste, die Gäste sollen glänzen, nicht aber der Gastgeber. Das ist bei „SC“ ja auch gelungen.

In eine derartige Nachfolgeregelung des „Weiter so!“ passte Frank Plasberg, der immer wieder genannte Favorit, am wenigsten. Seine Sendung „Hart aber fair“ ist stärker auf den Moderator als entscheidenden Lenker und als Gelenkstelle der Sendung konzentriert, die Kontraste sind härter, die Konfrontation fest verankert. Außerdem müsste „Hart aber fair“ von jetzt 90 Minuten auf künftig 60 Minuten heruntergedimmt werden. Nicht unmöglich, doch schwierig, wenn die Substanz, ja das Alleinstellungsmerkmal des Polit-Talk-Magazins (nicht Polit-Talks!) nicht angegriffen werden soll.

Neben Plasberg wandeln Anne Will, die Moderatorin der ARD-„Tagesthemen“, und die Talkerin Sandra Maischberger („Maischberger“) auf dem imaginären ARD-Catwalk. Beiden wird das Format zugetraut, allen dreien darf starkes Interesse nachgesagt werden. Gegen Anne Will spricht, was am meisten für sie spricht: Die Journalistin ist mittlerweile das Gesicht der „Tagesthemen“ (Tom Buhrow leidet noch unter Blässe). Wer Anne Will für „Anne Will“ casten will, schneidet aus dem „Tagesthemen“-Passepartout das markanteste Profil, hört man aus Kreisen der ARD-Direktoren. Die Spitze von ARD-aktuell, Produzent von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“, hält die potenzielle Talkerin Anne Will für keine gute Idee. Würde Sandra Maischberger von Dienstag nach Sonntag wechseln, wären die Folgekosten des Transfers geringer. Sollte Will aber wollen und dürfen, sagen ARD-Spekulanten die Rückkehr von Gabi Bauer („Nachtmagazin“, früher „Tagesthemen“) oder das Aufrücken von Susanne Holst vorher. Jobst Plog, Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR), der für den Sendeplatz am Sonntagabend zuständig ist, kann sich mit Plasberg wohl gar nicht und mit Will aus den genannten Gründen nicht anfreunden. Er ist ein gewichtiger Fürsprecher von Sandra Maischberger, selbst wenn sie, wie Plasberg, für den von Plog nicht eben geliebten ARD-Konkurrenten, den Westdeutschen Rundfunk (WDR), arbeitet.

Frau gewinnt, Plasberg verliert? Das hieße, die Rechnung ohne den WDR zu machen. „Hart aber fair“ ist ein Prunkstück der größten ARD-Anstalt. Plasberg hat im Senderverbund keine natürlichen Feinde in dem Sinne, dass Plasberg nicht ins Erste gehörte. Damit steht die ARD beinahe vor der Revolution: Polit-Talk am Sonntag und Polit-Talk-Magazin in der Woche! Es kann so sein, dass die Intendanten Anfang Februar nicht gleich in den „Doppel-Whopper“ beißen wollen, sondern ein Junktim vereinbaren: Erst lösen wir die „Christiansen“-Nachfolge-Frage, dann lösen wir die Plasberg-Frage.

Die Implantierung von „Hart aber fair“, das Frank Plasberg moderiert und mit seiner Firma „Ansager & Schnipselmann“ produziert, bringt die ARD vor Probleme – Probleme auch deswegen, weil die ARD lieber in Risiken statt in Chancen denkt. An welchem Wochentag soll „Hart aber fair“ laufen? Welches jetzt laufende Programm soll verdrängt werden? Klingt für den Laien einfach, ist für die ARD eine groß angelegte Operation. Jede Minute im ersten Programm außerhalb von Gemeinschaftssendungen wie „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ gehört quasi einer Landesrundfunkanstalt, aufgeteilt nach dem komplizierten „Fernsehschlüssel“. Der am wenigsten schmerzhafte Schnitt ins ARD-Programmfleisch wäre wohl am Montag zu machen. Die Doku um 20 Uhr 15 (Tier und wir) und die anschließende Doku (Promis und wir) laufen so toll nicht. Ersetzt durch „Hart aber fair“ wäre der Info-Tag der ARD geboren: Polit-Talk-Magazin, dann Polit-Magazin, dann „Tagesthemen“, dann „Beckmann“.

Mit einem „Hart aber fair“ zur besten Sendezeit würde die ARD zeigen, dass sie die mit dem gescheiterten Jauch-Engagement begonnene Qualitätsdebatte zu ihrer eigenen machen will. „Hart aber fair“ im Abendprogramm ist ein Statement, das hat die Qualität einer Richtungsentscheidung: Das Erste muss nicht immer das Erste bei den Quoten sein, es kann das Beste beim Angebot sein.

Günther Jauch, so stellt es sich jetzt heraus, ist die Gabriele Pauli der ARD. Durch jene Landrätin ist Edmund Stoiber ins Straucheln geraten, durch Jauch könnte die ARD wieder zur Besinnung kommen.

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