Medien : Eine Woche Sturm und Drang in 3 sat

Thomas Gehringer

„Wir wollten nichts gelten lassen als die Wahrheit und Aufrichtigkeit des Gefühls und den rauen, derben Ausdruck desselben“, sagt der Dichterfürst, der in seinem Weimarer Haus umstellt ist von Kameras und Scheinwerfern. Johann Wolfgang Goethe, dargestellt von Manfred Andrae, gibt ein Fernseh-Interview über seine wilden Jugendjahre und zitiert sich dabei gewissermaßen selbst. Mit der literarischen Epoche des Sturm und Drang (1770-85) lässt sich eben leicht der Bogen in die Gegenwart schlagen, Generationen von Schülern wissen das. Von Goethes „Werther“ bis Kurt Cobain ist es nicht weit, von Schillers „Räubern“ zur RAF auch nicht.

Der Sturm und Drang sei „die erste Jugendbewegung in Deutschland“ gewesen, behauptet Dag Freyer in seinem Dokumentarfilm „Genie! Freiheit! Leidenschaft!“ (Samstag, 20 Uhr 15), mit dem der Drei-Länder-Sender 3 sat in seine Themenwoche Sturm und Drang einführt. Ein sehenswerter, spielerischer Einstieg, allerdings hätte der Aufmarsch der Kulturprominenz auch etwas bescheidener ausfallen können.

Bis zum kommenden Sonntag kreuzt der Sturm und Drang durch das 3-sat-Programm. Zu sehen sind die Theaterfilme „Werther“ (Mittwoch, 22 Uhr 25) von Uwe Janson und „Kabale und Liebe“ (Donnerstag, 22 Uhr 25) von Leander Haussmann. Zu Ehren von Friedrich Schiller, der am Dienstag vor 250 Jahren geboren wurde, sucht Andreas Geiger in „Schiller und seine Brüder“ (15. November, 10 Uhr 15) das schwäbische Dichter-Gen. Am Anfang steht jedoch Goethes „Faust I“ (Samstag, 21 Uhr 15), was nicht ganz einleuchtend, aber verzeihlich ist: Denn die komische Aufführung einer „kommentierten Darbietung“ von Michael Quast und Philipp Mosetter bietet nicht nur einen unterhaltsamen Schnelldurchgang durch den deutschen Klassiker, sondern arbeitet auch einleuchtend das Schlüsselwort des Sturm und Drang heraus: „Ach“. Thomas Gehringer

0 Kommentare

Neuester Kommentar