Medien : Einer, der anpackt

Harald Schmidt kommt mit seiner Show künftig auch am Montag

Joachim Huber

Er macht es nicht für sich, er macht es „aus Liebe zu Deutschland“. Sagt er. Harald Schmidt wird vom 30. Juni an auch montags die „Harald Schmidt Show“ bringen, moderieren, zelebrieren. Der Late Talker kommt also an jedem Werktag um 23 Uhr 15 im Programm von Sat 1. Schmidt sagt bei der Pressekonferenz in Berlin, das „ist ein echter Hammer“, und er sagt, dass „in diesem Land etwas passieren muss“. Während andere noch vom Aufschwung reden, fängt Schmidt an. Die Gründe liegen offen: „Es ist eine schöne Gelegenheit, am Montag nicht zu Hause zu sein.“ Er warte wie „eine erregte Frau darauf, dass endlich der Dienstag“ komme (an diesem Tag startet Schmidt bislang in die Woche), außerdem will er sich den „Kinderfahrdienst“ vom Hals schaffen, zu dem er sich montags breitschlagen ließ.

Andere Motive für Schmidts Fünf-Tage-Woche gibt es auch noch. Sat 1-Geschäftsführer Martin Hoffmann war von jeher ein Freund des Plans, er weiß, dass er mit Schmidt am Montag den Sender stärken kann. Schmidt musste er weniger überzeugen als Stefan Aust, Chefredakteur und Geschäftsführer von „Spiegel-TV“. Aust konnte mit der „Spiegel-TV-Reportage“ (bisher 23 Uhr 15) und „24 Stunden“ (23 Uhr 55) die Sendestrecken nach 23 Uhr füllen. Hoffmanns Angebot, beide Sendungen nach dem 30. Juni um 22 Uhr 15 und 22 Uhr 45 zu platzieren, wollte Aust nicht ausschlagen. Zwar muss er die „Reportage“ um 15 Minuten kürzen, andererseits hat er mit dem Startpunkt 22 Uhr 15 die reale Chance auf ein größeres Publikum.

„Mit dem Montag kommen wir beschleunigt in die Woche“, freut sich Schmidt. Das Wochenende biete einfach hervorragenden Stoff: „Die großen Tageszeitungen, die Beilagen, die Sonntagsblätter, ,Sabine Christiansen’, ,Tatort’, Formel 1, die Nachrichtenmagazine am Montag – das kann jetzt aktuell abgeräumt werden und muss nicht mehr bis Dienstag warten.“ Der Montag sei „ein Segen“, und: „Das deutsche Volk hat es verdient.“ Den täglichen Schmidt wird es aber nicht geben, „ich brauche das Wochenende“.

Mehr Schmidt bedeutet für Sat 1 weniger Risiko. Hoffmann kann darauf verweisen, dass die Show in ihrem achten Ausstrahlungsjahr erfolgreicher denn je ist. Seit Beginn 2003 ist die durchschnittliche Zuschauerzahl auf 1,4 Millionen gestiegen. Schmidt selber hat in diesem Land keine natürlichen Feinde mehr. Alle wollen Gast in seiner Sendung sein, alle klopfen ihm auf die Schulter, alle versichern ihm, das „sei genau unser Humor. Mich wundert bloß, dass ich keine 40 Millionen Zuschauer habe.“ Beschwerden von Schmidt-Opfern? „Keine“, sagt Schmidt. Von Werbekunden? „Keine“, sagt Hoffmann.

Harald Schmidt, das wird bei der Pressekonferenz mit Szenenapplaus (!) klar, kann nur noch an sich selber gemessen werden, er spielt nach 1266 Sendungen seit dem 5. Dezember 1995 in seiner eigenen Wichtigkeitsliga. Der Nürtinger hat in dieser Zeit nur vier, fünf Ausgaben wegen Krankheit ausfallen lassen. Künftig sind es rund 200 Sendungen im Jahr. „Darauf stellt sich mein Körper ein.“ Sich selbst und seiner Sendung aus dem Studio 449 in Köln setzt er kein finales Datum, wenn er daran erinnert, dass „die Queen gerade ihr 50. Thronjubiläum feiert“. Zudem wolle er mit nicht enden wollender Late Night „den eigenen Verfall für den Zuschauer dokumentieren“. Aber mit den Kräften haushalten, das darf schon sein. Seine Theaterkarriere am Schauspielhaus in Bochum wird zu Ende gehen. „Da wird mir die Zeit fehlen. Ehrlich gesagt, spielen die auch in einer andern Liga als ich.“

Fünf Mal statt vier Mal Schmidt bringt keine Veränderungen im Sendekonzept mit sich. „Es bleibt bei dem kleinen Ensemble aus Schmidt, Manuel Andrack, Susanna und Helmut Zerlett.“ Andrack spielt dabei einen herausgehobenen Part: Mit ihm als Gesprächspartner könne er über mehr Themen sprechen „als alleine in die Kamera“. Andrack strahle auch eine gewisse Wärme aus.

Und noch etwas bleibt zusammen: Harald Schmidt und Sat 1. Leo Kirch, ehemaliger Besitzer der ProSiebenSat 1 Media AG, habe ihn in siebeneinhalb Jahren „nicht ein einziges Mal angerufen“, mit Hoffmann würde jede Frage in einer Minute geregelt. Bei der ARD, die gerade um Schmidt buhlt, „müsste ich doch wieder diskutieren, wie Late Night geht“. Bei Sat 1 sei es Liebe, bei der ARD sei es das Geld gewesen, als er noch für das öffentlich-rechtliche System gearbeitet habe.

Bei Sat 1 geht es außer um Liebe auch um Geld. Da Schmidt pro Sendung bezahlt wird, wird er künftig mehr verdienen. Leistung muss sich lohnen. Das sagt Schmidt nicht, das setzt er voraus.

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