Medien : Einer, der sich durchs Leben boxte

Ein Porträt über Max Schmeling läutet die neue Staffel der ARD-Reihe „Legenden“ ein

Simone Schellhammer

Es war der Sieg über den „braunen Bomber“ Joe Louis 1936, der den Boxer Max Schmeling berühmt machte. Mit dem Porträt des prominenten deutschen Spitzensportlers beginnt die fünfte Staffel der Dokumentationsreihe „Legenden“ auf der ARD. Seit 1998 widmet sie sich außergewöhnlichen Persönlichkeiten von Aristoteles Onassis über Freddy Quinn bis zu Zarah Leander. 23 Porträts sind bislang erschienen, allesamt fundierte, klassisch gebaute Dokumentationen, die ohne unnötige Dramatisierung ein Stück der Faszination dieser Stars wiedergeben. So auch der heutige Film von Michael Wulfes, der bereits den Fußballer Diego Maradona in dieser Reihe vorstellte.

Er beginnt mit der traurigen Niederlage im Revanchekampf gegen Joe Louis 1938, als Schmeling nach nur 124 Sekunden ausgezählt wurde. Der „Arier“ unterlag in dem von den Nazis hochstilisierten „Kampf der Rassen“. Damit existierte Schmeling, der sich nie für die NS-Propaganda einspannen ließ, für Hitler nicht mehr. Die demütigende Szene, in der sich Schmeling vor diesem Kampf vor aller Augen nackt wiegen lassen muss, ist ein starker Auftakt und grundiert alle weiteren Geschichten um den Boxer, der wie kaum ein anderer die Tugenden des einfachen Mannes verkörperte.

Seinen Vater, einen Steuermann, überzeugt der 16-jährige Max von seinem Plan, Profi-Boxer zu werden, in dem er ihn 1921 in einen Film über den WM-Kampf zwischen Jack Dempsey und Georges Carpentier schleppt. Um diesen Sport richtig erlernen zu können, geht er von Hamburg ins Rheinland, das damalige Zentrum des Boxsports in Deutschland. Bereits 1926 wird Schmeling Deutscher Meister, ein Jahr später Europameister im Halbschwergewicht. Er reist nach New York, ins El Dorado der Boxer. Und am 12. Juni 1930 schließlich gewinnt er gegen den Amerikaner Jack Sharkey die Weltmeisterschaft im Schwergewicht.

Im gleichen Jahr macht er seiner Nachbarin, der tschechischen Schauspielerin Anny Ondra, den Hof und heiratet sie 1933. 54 Jahre lang führen die beiden eine Musterehe: der große, gutmütige Bär mit dem tapsigen Auftreten und dem ulkigen Akzent und das kleine, blonde Püppchen, das mit ihm später ein Landgut in Pommern bewirtschaften sollte. Am 19. Juni 1936 schlägt Schmeling in der 12. Runde den haushoch favorisierten Joe Louis k.o. 90 000 geschockte Zuschauer im New Yorker Yankee-Stadion und Millionen Radiohörer weltweit verfolgen „die größte Sportsensation aller Zeiten“. Als Kommentatoren und Zeugen kommen in diesem Film vor allem Box- Fans und -Experten zu Wort. Weggenossen aus jener Zeit leben kaum noch.

Mit 42 Jahren stieg Schmeling noch einmal in den Ring. Das Paar hatte im Krieg fast alles verloren. Mit dem erboxten Geld ziehen die beiden nach Hollenstedt bei Hamburg, wo Schmeling heute noch lebt, bauen Tabak an und betreiben eine Hühnerfarm und Nerzzucht. Schließlich holt ihn ein Weggefährte aus Box-Zeiten, der Coca-Cola-Chef James A. Farley, als Manager in die Deutschlandvertretung des Getränkekonzerns. Schmeling wird ein wohlhabender Mann, der, als sein einstiger Gegner und mittlerweile Freund Joe Louis verarmt stirbt, wie selbstverständlich die Kosten der Beerdigung übernimmt. Auf aktuelle Aussagen des Protagonisten muss der Film leider verzichten. Der seit wenigen Tagen 98-Jährige lebt zurückgezogen und gibt keine Interviews mehr.

In der Reihe „Legenden“ folgen jeweils montags Hugh Hefner, Bhagwan, Ingrid Bergman, Franz Beckenbauer und John F. Kennedy.

„Legenden: Max Schmeling“, ARD, 21 Uhr 45

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